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Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

01. September 2011

Chinesische Familienpolitik: Abtreibung mit Rabatt

 Von Bernhard Bartsch
Kondome sind auf der Herrentoilette erhältlich.  Foto: Getty Images

Viele junge Chinesinnen werden ungewollt schwanger: ein Geschäft für Privatkliniken. Die bieten inzwischen schon Schülerrabattkarten an, den der Eingriff ist in China Routine, die Aufklärung mangelhaft.

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Die Angst vor dem, was kommt, steht dem Mädchen ins Gesicht geschrieben. Blass und schmal lehnt es an der Wand, die Augen verheult. Im Arm hält es eine Puppe, obwohl es dafür eigentlich zu alt ist. 14 sei sie, sagt die Chinesin, doch in der einschüchternden Sachlichkeit des Krankenhausflurs fühlt sie sich nicht mehr als Frau, sondern wieder als Kind.

Auch der schlaksige Teenager, der verlegen neben ihr steht, ist nicht mehr der junge Mann, der er war, als er seine Mitschülerin vor einigen Wochen zu sich nach Hause lockte. Die Sommerferien hatten gerade begonnen, seine Eltern waren tagsüber bei der Arbeit und so konnte aus ihrer Pausenhofneckerei echte Liebe werden. „Wenn meine Eltern davon erfahren, schlagen sie mich tot“, klagt das Mädchen. „Aber wer hätte gedacht, dass gleich so etwas passieren könnte?“ Soll heißen: Wer hätte gedacht, dass man von Sex schwanger werden kann?

Nach Sommer "Hochsaison" der Abtreibungen

Die Ferien an Chinas Schulen und Universitäten neigen sich dem Ende entgegen, in der „Abteilung für Familienplanung“ des Pekinger Frauenkrankenhauses herrscht das, was die Frau am Empfang als „Hochsaison“ bezeichnet. „Viele Mädchen werden im Sommer schwanger und kommen dann zur Abtreibung“, sagt sie. „In normalen Zeiten machen unsere Ärzte sieben bis zehn Operationen am Tag, aber jetzt sind es häufig dreimal so viele.“ Das Prozedere ist einfach: Nummer ziehen, warten, abtreiben, bezahlen. 1 000 Yuan (108 Euro) kostet der Eingriff. „Für 2 000 Yuan bieten wir auch eine Behandlung mit weniger Schmerzen und geringerem Risiko“, erklärt die Empfangsdame. „Weil das viele Frauen wollen, geht das nur mit Anmeldung.“

Schwangerschaftsabbrüche gelten in China als medizinische Routinebehandlung. Einen Termin zu bekommen, ist so simpel wie zur Zahnsteinentfernung oder Warzenvereisung – und Millionen Chinesinnen machen davon Gebrauch. Über die damit verbundenen Risiken wissen viele ebenso wenig Bescheid wie über Verhütung. Die Folgen sind dramatisch: Bleibende Schäden durch mehrfache, oft unter schlechten Bedingungen durchgeführte Abtreibungen sind ein Hauptgrund, weshalb acht bis zehn Prozent aller chinesischen Paare keine Kinder bekommen können, haben Mediziner der Sun-Yat-sen-Universität in Guangzhou herausgefunden. Anfang der 80er-Jahre galten maximal drei Prozent als unfruchtbar.

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