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Christian Pfeiffer im Interview: "Eine Machotruppe"

Professor Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, spricht im FR-Interview über die Gefahr, die von den Hells Angels ausgeht.

Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer.
Der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), Christian Pfeiffer.
Foto: Foto: dpa

Darf ein Hells Angel über eine Pistole verfügen?

Nein. Die Hells Angels sind eine gewaltorientierte Machotruppe. Jemand, der hier Mitglied ist, darf keinen Waffenschein bekommen. Und wenn er eine illegale Waffe hat, ist es sowieso nicht normal.

Wird diese Gruppe gefährlicher?

Ja, es besteht großer Anlass zur Sorge. Die Innenminister-Konferenz hat sich nicht umsonst bereits mit den Hells Angels befasst. In allen Bundesländern verstärkt man die Bemühungen, diese Strukturen aufzubrechen, die im Rotlichtmilieu bis hin zur organisierten Kriminalität gehen. Vor allem die Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen treiben die Gewaltspirale.

Tut die Polizei denn genug?

Die Polizei engagiert sich durchaus stark, damit keine wildwest-ähnlichen Zustände entstehen. Dies wird nach dem Tod des Polizisten in Anhausen sicher noch verstärkt werden.

Steigt die Gefahr für Polizisten generell?

Nein. Die meisten Polizisten wurden 1972 zu RAF-Zeiten getötet. Es waren 15 Fälle. In den letzten Jahren gab es wenige Tötungen, teilweise gar keine. Hells Angels waren bisher nicht beteiligt.

Und wie groß ist die Gefahr für Normalbürger?

Gering. Die Gruppen bekriegen sich ja in erster Linie selbst. Wer aber ins Rotlichtmileu geht und dann nicht zahlen kann, könnte unangenehme Bekanntschaft mit ihnen machen. Er muss damit rechen, ziemlich rau angefasst zu werden.

Ist "Rocker" zu sein, heute eigentlich noch attraktiv?

Es gibt in der Fußballszene Leute, die sind unter der Woche brav angepasste Bankbeamte, und am Wochenende lassen sie "die Sau raus", steigen in ihre Kampfkluft und werden zu Gewalttätern. Wir beobachten da eine merkwürdige Existenzspaltung. Einerseits die bürgerliche Existenz zum Geldverdienen, andererseits eine "Freiheitsexistenz" zum Ausleben von Lust an Gewalt. Einer der ernsthaften Ursachenfaktor dafür ist, das viele junge Leute sich durch Computerspiele in Kampf-Rollen bewegen. Irgendwann will man das dann auch einmal real tun und nicht nur virtuell.

Das kann dann zum Einstieg bei den Rocker-Gruppen führen?

Ja. Die Gewaltlust wird dann als Rocker demonstriert - durch entsprechende Kleidung, durch Bündnisse gegen andere Gruppen, durch Ausleben von Machokultur.

Interview: Joachim Wille

Datum:  18 | 3 | 2010
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