Realistischer Todeskampf
Deshalb wollte ich die Szene so realistisch wie möglich filmen, das Geräusch, wenn der Körper fällt und das Genick bricht, das unkontrollierbare Zucken der Beine im Todeskampf, der Arzt, der zu der Leiche eilt, um den Tod festzustellen. Ich weiß, dass das schwer anzuschauen ist, aber genau diesen Effekt wollte ich erzielen.
Sie haben schon bald nach "Der fremde Sohn" wieder einen Film gemacht.
Einen kleinen Film, Gran Torino, über einen Veteranen des Koreakriegs, der sich an das Leben in der modernen Welt nicht gewöhnen kann. Er ist Pole, hat früher nur unter Polen gelebt, jetzt ändert sich die soziale Struktur seines Viertels, womit er nicht klarkommt. Dann begegnet er einer Reihe von Menschen und beginnt sich zu ändern. Ich spiele die Hauptrolle.
Was kommt als Nächstes?
Eine Biografie über Nelson Mandela, die sich auf den Zeitraum von seiner Entlassung aus dem Gefängnis bis zur Wahl zum Präsidenten Südafrikas konzentriert. Was mich dabei interessiert, ist die Frage, wie es jemand schafft, im Interesse seines Landes mit den Leuten zusammenzuarbeiten, die ihm und seinem Volk die Freiheit genommen haben.
Mr. Eastwood, Sie sind der einzige Regisseur, der seine besten Filme ab 65 gemacht hat. Wie erklären Sie Ihren langen Atem?
Es klingt vielleicht wie ein Klischee, aber ich kenne das Geschäft heute besser als vor 20 Jahren. Mir war immer klar, dass ich viel zu lernen habe. Und so lange das so ist, sehe ich keinen Grund aufzuhören. Einige Regisseure aus den vierziger Jahren - Raoul Walsh, Alfred Hitchcock, Howard Hawks - haben am Ende ihrer Karriere ihre erfolgreichsten Filme noch einmal gedreht. Das ist nichts für mich. Ich reite lieber auf einer neuen Welle als auf einer alten.
In "Honkytonk Man" von 1982 über einen Countrysänger und in "Bird" 1988 über den Jazz-Saxophonisten Charlie Parker geht es um Künstler, die ihr Leben verschwendet, ihr Potenzial nie ausgeschöpft haben. Was das betrifft, sind Sie das genaue Gegenteil, weil Sie Ihre Grenzen immer weiter ausdehnen.
Das war die Moral dieser Filme. Wer jung stirbt, beraubt sein Publikum. Vielleicht hätte Charlie Parker nie mehr etwas Neues gemacht. Vielleicht hätte er unbekannte Seiten seines Talents entwickelt. Wir werden es nie wissen, und das macht mich traurig. Mein "Honkytonk Man" Red Stovall basiert auf den Countrysängern Red Foley und Hank Williams, die beide zur Selbstzerstörung neigten. Als hätten sie es nie geschafft, ihren Erfolg in den Griff zu kriegen. Mit Künstlern dieses Kalibers möchte ich mich nicht vergleichen. Mein Leben verläuft ganz anders. Ich hätte aufhören können und habe auch zwei Mal darüber nachgedacht: nach "Erbarmungslos" 1992 und nach "Die Brücken am Fluss". Ich sagte mir, es sei vielleicht an der Zeit, meinen Garten zu verschönern und ein gutes Glas Wein zu trinken. Aber der Gedanke verflog wieder. Und ich hätte viele tolle Erfahrungen verpasst.
Sie haben sich nie an modischen Trends orientiert.
Absolut nicht. Wenn der Film durchfällt, Pech gehabt! Ich arbeite in einer Branche, die seit 50 Jahren solchen Trends folgt. Ich hasse es, Dingen hinterherzulaufen. Als ich nach Hollywood kam, erklärte man mir, ich würde es nie zu etwas bringen. Die Filme, die zu Meilensteinen meiner Karriere wurden, beginnend mit Sergio Leones "Für eine Handvoll Dollar", waren altmodisch, als sie herauskamen. An Western glaubte damals niemand.
An Ihren Oscar-Gewinner "Million Dollar Baby" soll auch niemand geglaubt haben.
Welche Probleme ich mit diesem Film hatte! In Hollywood weiß jeder, keine Ahnung woher, welche Filme das Publikum mögen wird. Als ich Warner das Drehbuch zeigte, die praktisch alle meine vorherigen Filme produziert hatten, hieß es: "Ein Boxfilm mit einer Frau im Ring: Das kann unmöglich funktionieren." "Das ist kein Boxfilm", erklärte ich, "es ist eine Liebesgeschichte. Ein Vater, der seine Tochter nie gekannt hat, eine Tochter, die ihren Vater nie gekannt hat, und beide erhalten endlich die Chance, dieses Loch zu füllen. Dass es in einer Boxhalle spielt, ist Zufall." Dann ging ich mit dem Script zu Universal. Es gefiel ihnen, aber sie drehten schon einen Boxfilm. Also fing ich wieder an: "Meine Herren, das ist kein Film übers Boxen." Ich klapperte die ganze Stadt ab, ohne Erfolg.
Der Erfolg kam dann doch noch.
Weil Warner sich schließlich wieder meldete. Sie bestanden aber auf einem Low-Budget-Film. Ironischerweise boten sie mir den gleichen Vertrag an wie bei meinem ersten Film "Sadistico": kein Honorar, nur eine Beteiligung an den Einnahmen. Das fand ich komisch. Zum meinem Agenten sagte ich: "Da stehen wir nun 30 Jahre später wieder am Anfang." Es gibt eine Stelle in "Weißer Jäger, schwarzes Herz", an der der Regisseur, der John Huston nachempfunden ist, zum Drehbuchschreiber sagt: "Wenn du einen Film machst, darfst du nicht an die Leute denken, die den Film später sehen. Mach deinen Film und bleib deiner Geschichte treu."
Interview: Samuel Blumenfeld
Übersetzung: Caroline Lake
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