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Clint Eastwood im Interview: "Bleib' deiner Geschichte treu"

Je älter er wird, desto besser wird er: Ein Gespräch mit dem Schauspieler und Regisseur Clint Eastwood über Dinge, die er hasst, Frauen, die er bewundert und eine wahre Geschichte, die ihn fesselte.

Mit 78 Jahren ist Clint Eastwood noch als Regisseur tätig.
Mit 78 Jahren ist Clint Eastwood noch als Regisseur tätig.
Foto: rtr

Mr. Eastwood, Ihr Film "Der fremde Sohn" über einen Serienmörder und die Mutter eines mutmaßlichen Opfers spielt in den Jahren 1928 bis 1935, in der Zeit der großen Depression, in der viele Ihrer Filme angesiedelt sind.

Das ist mein Leben, ich bin in dieser Zeit aufgewachsen. Wenn auf meinem Schreibtisch eine Geschichte landet, die in der Depression spielt, bin ich sofort hellwach. Mir ist das alles vertraut, die Gesichter der Menschen, ihr Geruch, ihre Gedanken. Natürlich war es eine schwere Zeit, die Leute dachten, die totale Katastrophe sei über sie hereingebrochen, wahrscheinlich, weil in ihrer Welt sonst so wenig passierte. Ich war ein Kind und hatte keine Ahnung, wie schlimm es wirklich stand. Für mich war das alles normal. Natürlich sah ich, dass meine Eltern Probleme hatten, über die Runden zu kommen, aber darüber machte ich mir nicht viele Gedanken.

Ihr Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Im Zentrum steht der Fall des verschwundenen Walter Collins. Das Schicksal seiner Mutter, in Ihrem Film von Angelina Jolie gespielt, war 1928 Stadtgespräch in Los Angeles. Warum geriet der Fall so schnell wieder in Vergessenheit?

Als ich die Geschichte zum ersten Mal hörte, musste ich mir auch erst versichern lassen, dass sie wahr sei. Dann las ich das Drehbuch, auf einem Flug nach Europa, und war überrascht, wie gut es mir gefiel, obwohl es aus zwei Teilen bestand und dadurch recht kompliziert war. Der erste Teil endet damit, dass Christine Collins in der Irrenanstalt landet. Der zweite Teil nimmt eine völlig andere Richtung und zeigt, dass die ganze Stadt korrupt ist - die Polizei steckt mit in der Sache und der Fall entwickelt sich zu einem der schrecklichsten Serienmorde in der Geschichte der USA. Walter Collins war eines von ungefähr 20 Kindern, die von Gordon Northcott, einem Farmer aus Riverside County, entführt und dann ermordet wurden. Der Fall wurde damals in der Lokalpresse ausführlich behandelt. Heutzutage würde er landesweit Schlagzeilen machen und von jedem Fernsehsender durchgehechelt werden, aber damals waren die Zeiten anders. Ich nehme an, die Leute wollten die Sache einfach wieder aus den Köpfen kriegen. Nach dem Börsencrash von 1929 lag Amerika am Boden. Die Menschen hatten andere Sorgen.

Sind denn keine Bücher darüber geschrieben worden?

Nein, es gibt kein Buch, keine Recherchen, auch keinen Roman. Trotz der einmaligen Story. J. Michael Straczynski, der Autor des Drehbuchs, stieß zufällig darauf. Ein Freund von ihm arbeitete bei der Los Angeles Times, die gerade ihre Archive digitalisierte. Straczynski las einen Artikel über Christine Collins und erkannte sofort, was für eine merkwürdige Geschichte das war. Irgendwann ließ ihn der Fall nicht mehr los.

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Datum:  14 | 1 | 2009
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