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18. Juni 2013

Dänemark "Still-in": Sind ja bloß(e) Brüste

 Von 
Busen-Protest in Dänemark.  Foto: dpa

Dänische Mütter protestieren gegen die zunehmende Diskriminierung des Stillens ihrer Kinder mit einem "Still-in" - natürlich in der Öffentlichkeit und mit blankem Busen.

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Kopenhagen –  

Auf dem Kopenhagener Rathausplatz standen die Kinderwagen Rad an Rad, dazwischen hatten Frauen Decken ausgebreitet und lagerten mit ihren Babys in der Sonne. Wenn eines der Kleinen quengelte, knöpften die Mütter ihre Blusen auf und legten die Säuglinge an die Brust. Sofort verstummte das Geschrei.

Was aussah wie eine überdimensionierte Babyparty, war in Wirklichkeit eine politische Manifestation. Hunderte Frauen beteiligten sich in Kopenhagen und anderen dänischen Städten an einem „Still-in“: Die öffentliche Brust-Entblößung war ein Protest der Mütter dagegen, dass ihnen das Stillen an mehr und mehr Orten untersagt wird. Und dass weder Gesetzgeber noch Gleichberechtigungsinstitutionen den Unfug stoppen wollen.

Auslösendes Moment war ein Spruch des Rats für Gleichberechtigung, der eine Klage gegen einen Kaffeehausbesitzer abwies. Eine Mutter hatte sich beschwert, dass sie aufgefordert wurde, ihre Brust zu bedecken oder das Lokal zu verlassen. Die Diskriminierungs-Wächter gaben dem Café-Eigner recht: Der nackte Busen könne das „Schamgefühl“ anderer Gäste verletzen, weshalb er einschreiten durfte. Das war kein Einzelfall.

Nicht nur in dunklen Cafés würden stillende Mütter zunehmend behindert, selbst an kinderfreundlichen Orten wie Schwimmbädern, Warenhäusern oder im Zoo seien sie nicht nur missbilligenden Blicken ausgesetzt, sondern sogar Verboten, klagt Trine Maria Larsen, die zu der Protestaktion aufgerufen hatte.

„Sind ja bloß Brüste“, lautete der Slogan, dem die dänische Grammatik eine Doppelbedeutung verlieh, denn genauso konnte er als „sind ja bloße Brüste“ verstanden werden. „Was ist so schrecklich dran, mit anzusehen, wie Babys trinken?“, fragt Larsen. „Jetzt sitzen im ganzen Land junge Frauen und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen.“ Und das in Dänemark, das immer stolz auf seine Freizügigkeit war, und wo städtische Busse mit Reklameschildern, auf denen eine Klinik für plastische Chirurgie mit entsprechenden Bildern für „neue Brüste“ wirbt, durch die Straßen fahren. Einerseits zunehmende Sexualisierung des öffentlichen Raums und anderseits wachsende Prüderie? „Mir missfällt die Richtung, in die sich unsere Gesellschaft entwickelt“, sagte Initiatorin Larsen.

Ihr Protest fand Widerhall bei Hunderten Müttern und vielen Sympathisanten, nicht aber in den entscheidenden Gremien. Den Vorschlag der linken „Einheitsliste“, Frauen das Recht auf öffentliches Stillen gesetzlich zu sichern, wie dies in Schottland, den USA und Australien geschah, findet keine Gegenliebe bei Gleichstellungsminister Manu Sareen: „Man muss die Proportionen beachten. Es ist ja nicht so, dass Frauen nicht stillen dürfen, und wenn ein paar Cafés dies verbieten, kann man sein Geld woanders ausgeben.“

Auch der Restaurateurverband meint, man schieße mit Kanonen auf Spatzen: „Es geht nur um eine Handvoll Orte. Man muss Platz für unterschiedliche Konzepte haben“, sagte Direktorin Katja Østergaard.

In der Blog-Sphäre prallen, wie immer, die Meinungen aufeinander. Die einen wollen die mütterfeindlichen Kneipen boykottieren, die anderen jubeln, dass es Orte gibt, in denen ihnen nicht „die Titten in den Teller fallen“. Die einen meinen, das Nuckeln von Babys sei „unappetitlich“. Die anderen finden es süß; unappetitlich seien eher die Erwachsenen, die ihren Burger verschlingen, während ihnen das Dressing aus den Mundwinkeln tropft.

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