Das Erste, was an Dan Martin auffällt, ist seine Statur. Mit einer Körpergröße von 1,95 Metern und einem Kampfgewicht von 150 Kilogramm erinnert er eher an Helmut Kohl als an Michael Phelps. Der 28 Jahre alte Brite hat Männerbrüste, ein Doppelkinn und eine Wampe, die so groß ist, als würde er Sport nur aus dem Fernsehen kennen.
Doch dieser Eindruck täuscht. Zurzeit schwimmt Dan Martin bis zu acht Stunden am Tag Bahnen. Ab 8. Mai will er 5700 Kilometer schwimmen, 14 000 Kilometer radeln und 7000 Kilometer laufen. 18 Monate soll sein weltumspannender Triathlon dauern. Von der kanadischen Provinz Nova Scotia will Martin nach Frankreich schwimmen, von dort zur Beringstraße radeln und dann einmal quer durch Nordamerika laufen. "Die meisten Leute erklären mich für verrückt, wenn sie von meinem Abenteuer hören", sagt er.
Am 8. Mai dieses Jahres will Dan Martin, 28, einen globalen Triathlon starten. Das Unternehmen soll 18 Monate dauern und ihn von Nova Scotia (Kanada) über Europa, Sibirien, die Beringstraße zurück nach Nordamerika führen.
In den vergangenen Jahren hat Martin, der als Englischlehrer gearbeitet hat, bereits zwei Rad-Abenteuer überstanden. Einmal fuhr der Brite von London nach Kapstadt, einmal von Korea nach Kapstadt. Angst vor der neuen Aufgabe hat Martin nicht: "Wenn ich scheitere, dann wird es an Dingen liegen, die ich nicht beeinflussen kann."
www.danmartinextreme.com (deb)
Aber Martin hat seine Reise gründlich vorbereitet. Er hat Ozeanologen, Schwimmtrainer und Psychologen um Rat gefragt. Er ist in den Ärmelkanal, die Nordsee und Loch Ness gestiegen. Er hat Sponsoren angeworben und eine vierköpfige Mannschaft zusammengestellt, die ihn auf seinem Schwimmtrip in einem Segelschiff begleitet. Vor allem aber isst er, so viel er kann. Je ungesünder, desto besser. Sieben Mahlzeiten verschlingt er pro Tag. Schokoriegel, Chips und Energiedrinks gehören zu seiner Spezialdiät. Zum Frühstück isst er Cornflakes und Toast und kurz vor dem Einschlafen eine Ladung Nudeln. Innerhalb eines Jahres hat sich Martin mehr als 50 Kilo angefuttert. "Das Körperfett soll mich vor der Kälte schützen", sagt Martin. "Das ist nämlich die größte Gefahr im Wasser."
Auf seiner Website steht, dass Martin der Erste wäre, der den Atlantik durchschwimmt. Das ist nicht ganz richtig, denn Benoît Lecomte gelang dieses Unterfangen schon vor zwölf Jahren. Allerdings trug der Franzose damals einen Neoprenanzug. Martin will mit Schnorchel, Badekappe, Schwimmhose und viel Vaseline ins Wasser steigen. Im Atlantik wird die Temperatur bis auf acht Grad fallen. "Aber daran kann ich mich gewöhnen", sagt er.
Dan Martin hat immer viel Sport getrieben, war aber nie in irgendeiner Disziplin herausragend gut. In der Schule hat er vor allem Rugby gespielt. Ausdauersportarten wie Schwimmen und Fahrradfahren fand er langweilig. Trotzdem machte er sich vor drei Jahren auf, um von London nach Kapstadt zu radeln - sein erstes großes Abenteuer. Ein Jahr später fuhr er von Korea nach Kapstadt. Die Reise führte ihn entlang George W. Bushs "Achse des Bösen": Nordkorea, Iran, Irak. Alles zusammen nach eigenen Angaben 55 000 Kilometer. Es war während der langen, einsamen Tage im Sattel, als er auf den Gedanken kam, einen globalen Triathlon anzugehen.
Gründe, warum er scheitern könnte, gibt es zuhauf. Im Atlantischen Ozean muss er sich nicht nur vor Unterkühlung, sondern auch vor Schiffen, Haien und Quallen in Acht nehmen. Vor Letzteren hat Martin besonders viel Angst - "obwohl das irrational ist", gibt er zu. Schwieriger dürfte die Reise durch Russland und die Überquerung der Beringstraße werden. Wenn alles nach Plan läuft, wird er Sibirien im Winter erreichen, wenn die Temperatur auf bis zu 80 Grad minus fällt. "Außerdem gibt es dort Wölfe und Bären", sagt er.
Bleibt die Frage, warum er sich diese Qual überhaupt antut. "Das ist schwer zu sagen", weicht Martin aus. Manchmal antwortet er, dass er damit Frauen im Pub beeindrucken will. Manchmal, dass er mit seinem Abenteuer eine Million Pfund für Waisenkinder sammelt, oder dass er als jüngerer Bruder mit einem chronischen Mangel an Aufmerksamkeit aufwuchs. "Aber eigentlich", so Martin, "gibt es nur einen Grund, warum ich das tue: weil ich es kann."
Die Antwort klingt verdächtig nach George Mallory. Der britische Bergsteiger versuchte Anfang des 20. Jahrhunderts dreimal, als erster Mensch den Mount Everest zu besteigen. Als ihn ein Reporter fragte, warum er den höchsten Berg der Erde bezwingen wolle, antwortete Mallory: "Weil er da ist." Ob er den Gipfel jemals erreichte, ist ungewiss. Bei seinem letzten Versuch kam Mallory um.
Einige Besucher auf Martins Website warnen den Briten denn auch, dass er mit seinem Abenteuer sein Leben aufs Spiel setze. Aber Martin lässt sich davon nicht beirren. Auf seiner Facebook-Seite spricht er vom "schmalen Grat zwischen Mut und Idiotie". "Im Augenblick stehe ich eher auf der Idioten-Seite, aber wenn mir gelingt, was ich mir vorgenommen habe, war ich mutig", sagt er. "Was beide Seiten trennt, ist allein der Erfolg."
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