Schicker Anzug, Mr. Craig.
Danke. Nicht, dass Sie jetzt denken, ich wollte Sie beeindrucken. Das ist nicht meine Absicht.
Daniel Craig, 1968 im englischen Chester geboren, wuchs in Liverpool auf, mit 17 studierte er Schauspiel in London. Der Durchbruch gelang ihm 2001 an der Seite von Angelina Jolie in "Lara Croft", später stand er neben Paul Newman in "Road To Perdition" vor der Kamera.
Sein erster Bondfilm, "Casino Royal" (2006), spielte aller anfänglichen Kritik zum Trotz die Rekordsumme von 600 Millionen Dollar ein. Es ist bislang der erfolgreichste Film der Serie. In "Ein Quantum Trost" ( ab morgen im Kino), kämpft 007 gegen Schurken, die sich als Umweltschützer ausgeben und sogar gegen die CIA, die ihn umbringen will.
Sie wirken ziemlich staatstragend. Muss man so auftreten, wenn man James Bond ist?
Die Wahrheit ist: Wenn ich auf Pressereisen unterwegs bin, stehen die Designer Schlange, um mir gute Anzüge anzubieten. Und, wissen Sie was: Ich fühle mich in diesem Anzug sehr wohl, ich würde lügen, wenn ich etwas anderes behauptete. Falls es Sie beruhigt, oben in meinem Zimmer liegen auch Jeans und T-Shirts herum. Aber wenn ich in so einem Aufzug hier erschienen wäre, hätten Sie sich wahrscheinlich auch gewundert. Vielleicht lässt sich mein Auftreten aber auch einfach auf meine guten britischen Manieren zurückführen.
Es passiert Ihnen also nie, dass Sie die Agenten-Rolle im Alltag weiterspielen?
Nein, damit habe ich keine Probleme. Ich kann Bond einfach abschalten. Wenn ein Bond-Film abgeschlossen ist, spiele ich andere Rollen - oder ich mache eine Zeitlang gar nichts. Ich kann auch nach anderen Filmrollen schnell abschalten. Wenn man einen Film macht, muss man eine gewisse Zeit davon besessen sein. Man arbeitet plötzlich mit wildfremden Leuten zusammen, denen man sofort sehr nahe kommen muss, um das Beste rauszuholen. Das ist eine Ausnahmesituation. Wenn es vorbei ist, solltest du diesen Zustand ganz schnell abstellen können. Ich kann das.
Als Sie vor drei Jahren als neuer 007 angekündigt wurden, wurden Sie noch mit Häme überzogen. Seit "Casino Royal" mehr als 600 Millionen Dollar einspielte, gelten Sie in Großbritannien als nationale Ikone. Was ist das für ein Gefühl, in die Liga britischer Identifikationsstifter neben der Queen und den Beatles aufgerückt zu sein?
Mit der Queen kann ich nicht mithalten, wirklich nicht. Ich versuche mich von solchen Projektionen so weit wie möglich zu distanzieren. Der Erfolg tut gut, aber ich habe keine genaue Vorstellung, was das eigentlich sein soll - eine Ikone. Ich bin keine Ikone.
Das ist jetzt britisches Understatement, oder?
Gar nicht. Wenn ich auf irgendetwas stolz bin, dann darauf, dass wir mit einer internationalen Crew, alles daran gesetzt haben, einerseits das typisch Britische dieser Serie zu bewahren und es gleichzeitig mit globalem Flair zu verbinden. Bond ist ein global player. Eine Ikone - das ist ein großer, schwammiger Begriff. Man sollte das alles nicht zu ernst nehmen, sonst macht man sich am Ende nur lächerlich.
Sie sehen Bond demnach nicht mehr als britische Institution?
Ich versuche zumindest, ihn nicht als übertrieben britisch darzustellen.
Was ist denn für Sie typisch britisch?
Typisch britisch ist eher die Gesellschaft, aus der Bond kommt - unser parlamentarisches System, der Geheimdienst, die Krone. Bond selbst ist gewissermaßen apolitisch, er dient zwar der Krone und seiner Regierung - aber loyal ist er nur bis zu einem bestimmten Punkt. Er stellt dieses System auch in Frage.
Das wäre ja fast Majestätsbeleidigung.
Er ist ein unabhängiger Geist, der sich nicht um die Mühen der politischen Ebenen kümmern muss. Bond spiegelt unsere Hoffnung wider, dass in einer immer verwirrenderen weltpolitischen Lage zumindest einer da draußen ist, der weiß, was er da macht.
Ein harter Bond für harte Zeiten?
Bond gibt uns Hoffnung. Er ist ein Held. Wo sonst soll die Hoffnung herkommen, wenn wir nicht ab und zu Leute wie ihn hätten.
Ihr Bond ist allerdings ein sehr düsterer, grimmiger Held, der erst mal auf Rache sinnt, an jenen die seine Geliebte in den Tod getrieben haben. Kritiker monieren, dass Sie diesmal auf die Ironie, das Augenzwinkern früherer Filme komplett verzichtet haben.
Es ist nicht so, dass ich krampfhaft versucht hätte, etwas nicht zu machen, nur weil es andere vor mir gemacht haben. Aber ich spiele Bond auf meine Weise. Ich finde ihn immer noch höflich, er hat hohe moralische Ansprüche. So habe ich die Romanvorlagen verstanden. Er sagt "bitte" und "danke" - und er schießt mit einem Lächeln.
Das hat doch nichts mit Moral zu tun - eher mit guten Manieren.
Ich halte mich letztlich an das Drehbuch und an die Parameter, die es vorgibt. Sehen Sie, ich habe jeden Bondfilm mehrmals gesehen, jedes Buch von Ian Fleming gelesen. Sie können mir glauben, Bond steckt mir in jeder Pore.
Fragen Sie manchmal die früheren Bond-Darsteller nach ihrer Meinung?
Ja. Ich habe Roger Moore öfter getroffen und Pierce Brosnan sehe ich von Zeit zu Zeit.
Moore hat jetzt in einem Interview mit dem Guardian gesagt, Ihr Bond sei ein Killer, der ihm Angst einjagen würde.
Also, zu mir waren die beiden immer sehr nett. Pierce hat mich anfangs sogar ermutigt: Nimm den Job an, es ist ein Riesenspaß.
Mit dem deutsch-schweizerischen Regisseur Marc Forster hatte jetzt erstmals ein Filmemacher bei Bond das Kommando, der nicht aus einem Commonwealth-Land stammt. Hatten Sie als Brite keine Bedenken?
Im Gegenteil, ich würde mit Marc bei jedem Film zusammenarbeiten. Er ist wagemutig, er hält an seiner Vision fest. Und er ist ein visueller Geschichtenerzähler. Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Er liebt die frühen Bondfilme, aber auch Filme aus den 60ern, Spionage-Thriller. Marc wollte, dass wir wieder mehr rausgehen, in vielen Ländern drehen, so wie es bei "Dr. No" und "Goldfinger" war. Es gehört zu einem Bondfilm, die Zuschauer an andere Orte zu führen. Bond lässt uns die Welt mit anderen Augen sehen. So war das jedenfalls bei mir, als ich Kind war, haben mich die Bondfilme in eine andere Welt entführt.
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