Einmal im Jahr stimmen die Leser einer US-Website über eine Ehrung ab, die man nur posthum gewinnen kann: Der Internet-Preis "Darwin Award" geht an den Dummkopf, der sich im frisch vergangenen Jahr auf die dämlichste Weise selbst umbrachte. Wie 2001 der Kroate, der mit scharfen Handgranaten jonglierte; wie 1987 der Amerikaner, der aus dem Flugzeug hüpfte, um fliegende Fallschirmspringer zu filmen, ohne selbst einen Fallschirm zu tragen, und wie im vorigen Jahr der brasilianische Priester, der 45 Heliumballons an seinen Stuhl band, um über Paranagua zu schweben und so auf seine Arbeit aufmerksam zu machen. Das gelang ihm, indem er sich über den offenen Atlantik treiben ließ, und erst per Funk um Hilfe rief, als er nicht mehr zu orten war.
Dieser Tage nun verkündete das Darwin-Team um die New Yorker Autorin (und studierte Molekularbiologin) Wendy Northcutt die haarsträubendsten Harakiri-Fälle 2009 (die es zuvor alle auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft hatte). In diesem Jahr haben sich die Gewinner sogar noch der Selbstjustiz schuldig gemacht: Im belgischen Dinant wollten zwei Bankräuber auf Nummer sicher gehen, als sie den Geldautomaten in der örtlichen Bank knackten. Weder mit Brecheisen, noch mit Abschleppseil am Auto wollten sie den Tresor öffnen - sondern mit Dynamit. Und um ganz, ganz sicher zu sein, dass das Stahlkonstrukt die ersehnten Scheine auch ausspuckt, nahmen sie gleich ganz, ganz viel Dynamit. So viel, dass die Explosion das gesamte Bankgebäude in Schutt und Asche legte. Zum Glück war das Gebäude zum Zeitpunkt der Sprengung menschenleer - bis auf die beiden Bankräuber.
So tragisch-dumm all die Unfälle sind, für die es einen Darwin-Award gibt: Die makabren Macher der Auszeichnung beteuern, dass die skurrilen Selbstmörder doch auch ein gutes Werk täten. "Sie verbesserten den menschlichen Genpool - indem sie sich selbst daraus entfernten", heißt es auf der Homepage des Projektes.
Seit ihrem Start 1985 gelangten die Darwin-Awards als E-Mail-Rundbrief zu Kultstatus, gaben Anlass zu einer Buchreihe und sogar zu einer Hollywood-Verfilmung. (sgey)
Rang 2 bei dem Preis, der an den "Vater der natürlich Auslese" erinnern soll, geht heuer nach Florida. Dort vergaß Shawn M. drei goldene Regeln. Erstens, kein Alkohol am Steuer. Zweitens, Bier ist nicht gekauft, sondern nur geliehen. Also nutzte der 30-Jährige die erstbeste Gelegenheit, seiner Blase Erleichterung zu verschaffen. Er stieg bei zähflüssigem Verkehr auf einer Schnellstraße aus dem Auto, hüpfte auf der Suche nach einem blickdichten Örtchen flugs über die Mauer am Straßenrand - und vergaß dabei Regel Nummer 3: Erst sehen, dann "gehen". Die Mauer am Straßenrand ging auf der anderen Seite 20 Meter in die Tiefe.
Den Bronze-Rang schaffte in diesem Jahr eine Pionierin: Rosanne T., 50, aus North Carolina ist die erste Frau, die je einen Darwin Award gewann. Als im Juni sintflutartiger Regen den Verkehr ihres Heimatstädtchens Greensboro lahmlegte, wollte Rosanne besonders schlau sein und nutzte für die Fahrt zum Supermarkt ihr Moped. Das habe immerhin zwei Gummireifen, erklärte sie ihrer besorgten Mutter, es könne also gar nichts passieren.
Als die Polizei die Straßen auf ihrem Heimweg wegen Überflutung abgesperrt hatte, wollte Rosanne wieder schlauer sein. Sie schlängelte sich an den Cops vorbei - und raste prompt in den tosenden Fluss unter einer Straßenbrücke. Einem Polizisten gelang es, sie unversehrt mit einem Seil aus dem Fluss zu retten. Doch als er zu seinem Streifenwagen ging, um Rosannes Personalien aufzunehmen und ihr womöglich einen Strafzettel für Rasen in einer abgesperrten Straße auszustellen - wollte Rosanne wieder schlauer sein. Es war ihr letztes Mal: Sie floh, indem sie zurück in den tosenden Fluss sprang. Der Cop versuchte, sie erneut zu retten. Vergeblich.
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
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