kalaydo.de Anzeigen

Apple-Zukunft: Das Genie vertritt Gott

Tim Cook ist bei Apple für das Operative Geschäft zuständig. Sein Arbeitspensum gilt bei Kollegen als gefürchtet. Doch der freudlose Workaholic könnte bald den kranken Steve Jobs beerben. Es wäre das Ende der Spaßkultur.

Wie ein  humorloser  Landpfarrer: Tim Cook.
Wie ein humorloser Landpfarrer: Tim Cook.
Foto: rtr

So schnell können sich Aktionäre an einen neuen Namen in der Chef-Etage eines Weltkonzerns gewöhnen. Vor wenigen Tagen noch sorgte die bloße Erwähnung von Tim Cook,  der in Abwesenheit des erkrankten charismatischen Apple-Chefs Steve Jobs  die Geschäfte des Elektronik-Multis führt,  für  einen Einbruch  der Aktie an der Börse. Doch längst haben sich  alle an die Personalrochade gewöhnt. 

Geholfen hat  da sicher das Rekord-Weihnachtsquartal mit einem Gewinn von 4,5 Milliarden Euro, den Apple nach dem Jobs-Schock verkündete. Vielleicht erinnerte sich mancher auch daran, dass Cook, längst als designierter Nachfolger des amtierenden CEO gehandelt, in der Vergangenheit keinen ganz schlechten Job gemacht hat  – zwei Mal auch als Ersatzmann des kranken Jobs. Freilich würde man sich, bliebe Cook auf Dauer an der Spitze, nicht nur an einen neuen Namen gewöhnen müssen. Es wäre  auch das Ende der Spaßkultur bei Apple.  

Auf die   mit pointiertem Witz und Selbstironie  garnierten  Shows, die der geborene Entertainer   Jobs bei der Präsentation seiner  Produktinnovationen bot,  werden die Fans der Marke jedenfalls vorerst verzichten müssen. Denn  Stellvertreter Cook versteht, glaubt man seinen Mitarbeitern, fast alles – nur keinen Spaß. 

Cook räumte den Laden auf

Bei einigen wenigen Präsentationen durfte Cook, zuständig fürs operative Geschäft, schon mal ran. Da erlebte man einen grauhaarigen Endvierziger, schwarzes Sakko überm dunklen Hemd, die Hände meist vor der Brust gefaltet wie ein etwas beklemmter Laienprediger. Mit ernster Miene und sonorem Bass erläuterte er dann Vorgänge wie den, dass es eine neue, faszinierende Kooperation zwischen dem iPhone-Hersteller Apple und dem US-Kommunikations-Unternehmen Verizon gebe, und dass das ja nur der Anfang einer großartigen Partnerschaft sei. Viel dröger geht es kaum.

Zur Person

Tim Cook, 50, geboren im US-Bundesstaat Alabama, ist beim US-Elektronikkonzern Apple Inc. für das Operative Geschäft zuständig. Er überwacht vor allem die Verkäufe, den Service und die Verhandlungen mit Geschäftspartnern aus der Computer- und Telekommunikationsbranche.

Der studierte Ingenieur hat den Firmenboss Steve Jobs bereits zwei Mal vertreten, während dieser in ärztlicher Behandlung war. 2004 kämpfte Jobs mit einer Krebserkrankung, 2009 wurde ihm eine neue  Leber transplantiert.  Mitte vergangener Woche nahm er sich erneut eine Auszeit wegen gesundheitlicher Probleme. two

Wenn Steve Jobs als von Charisma beseelter „Hohepriester des Tempels von Techno-Cool“ beschrieben wurde (wie im US-Magazin Time), dann wirkt Cook neben ihm wie ein  humorloser protestantischer Landpfarrer. Was die Wenigen, die ihn kennen, über den Manager zu sagen haben, ergibt vor allem das Bild eines Arbeitstieres, das sich kaum private Seiten gönnt – oder sie sehr geschickt verbirgt.

1998 stieg er bei Apple ein, mit zwölf Jahren Erfahrung beim Konkurrenten IBM. Damals war Apple tief in den roten Zahlen. Eine teure Edel-Marke mit schickem Produktdesign, aber kein ernsthafter Konkurrent für Giganten wie Microsoft. Während der kreative Jobs, den Apple-Jünger für einen Gott halten, an Neuheiten wie dem iPod und dem iPhone tüftelte, räumte Cook den Laden auf. Er lagerte die Produktion aus, verringerte den Warenbestand; ein zentraler Kostenfaktor in einem Unternehmen, das von Innovationen und raschen Updates lebt. Und er zog ständig neue Verantwortlichkeiten an sich. 2005 ernannte ihn Jobs  zum Chief Operating Officer. Was bedeutet, dass Cook heute zum Beispiel das weltweite iPhone-Geschäft überwacht und dabei mit Telekommunikations-Firmen in 51 Ländern verhandeln muss. Er verhandelt gern  und hart.

Im Fortune Magazine berichten Ex-Kollegen von Cooks gefürchtetem Arbeitspensum. Demnach schickt er die ersten Mails um halb fünf in der Frühe, damit sich die Mitarbeiter schon mal auf die ersten Meetings vorbereiten können. Die Arbeitswoche beginnt am Sonntagabend, wenn er per Telefon mit dem mittleren Management konferiert. Und in den Meetings kann er schon mal brutal werden. „Ich habe erlebt, wie er Leute auseinandergenommen hat“, sagt ein Ex-Kollege. „Er fragt dich Dinge, von denen er weiß, dass du sie nicht beantworten kannst. Und dann macht er weiter und weiter. Es ist nicht lustig.“    

Junggeselle wohnt zur Miete

Aber erfolgreich. Die Zahlen über das jüngste Geschäftsjahr überraschten selbst die kühnsten Analysten. Niemand hatte das erwartet: Im vergangenen Quartal stieg der Nettogewinn um 78 Prozent, das sind satte 6,43 Dollar pro Apple-Aktie. 7,3 Millionen verkaufte iPads trugen dazu bei. Es klingt angesichts dieser Zahlen nicht vermessen, wenn US-Medien Cook gerne als „das Genie hinter Steve“ bezeichnen.

Von all diesem Geld streicht Cook selbst einiges ein. Der heute 50-Jährige  soll  2010 mehr als  44 Millionen Euro verdient haben. 600 000 Euro Jahresgehalt bezieht Cook laut Forbes-Liste, dazu mehrere Millionen Bonus. Mehr als 38 Millionen sollen seine Aktien wert sein, die er bekam. Was er mit  all dem Geld macht, er lässt es die Welt nicht wissen.

Für Barack Obamas Kampagne soll Cook gespendet haben. Einiges dürfte auch an seinen alten Studienort fließen, die Universität in  Auburn. Ein Gebäudeflügel ist dort  nicht nach dem Gönner benannt. „Sagen wir einfach, es gibt eine Menge Ehemaliger, die eine sichtbare Anerkennung wünschen“, sagte die Schulleiterin im Fortune Magazin, „er gehört nicht dazu.“  Cook wohnt zur Miete, ist Junggeselle, fährt in der Freizeit Fahrrad, futtert mit Vorliebe Energie-Riegel – das ist so ziemlich alles, was die Medien über sein Leben außerhalb von Apple zu berichten wissen.

Und dann ist da noch Cooks Schreibtisch. Ein Foto von Bob Dylan, seinem Lieblingssänger, soll darauf stehen. Und eins von Robert Kennedy. Der wird bis heute von vielen  als  der  große Mann im Schatten seines  Bruders wahrgenommen. Als die Nummer 2 im Staate, einer, der sicher und unaufgeregt die Geschäfte führte, der wichtigste politische Berater seines Präsidenten.  Er  schaue zu Bobby Kennedy auf, soll Cook einem Vertrauten gesagt haben. Er schätze ihn als jemanden, „der die Menschen liebte und sie aufbaute“ und  „dem es genügte, im Schatten seines Bruders zu stehen und das Richtige zu tun“.

Autor:  Thomas Wolff
Datum:  23 | 1 | 2011
Kommentare:  4
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Leute
        

Der Ultravox-Sänger Midge Ure wurde von der Queen zum Ritter geschlagen, was seine Mutter wirklich stolz macht.
Ultravox-Sänger Midge Ure 
Bushido ganz zahm und ordentlich im Anzug: Der
Bushido-Hochzeit 
Prinzessin Victoria und Prinz Daniel bei der Taufe ihrer Tochter Estelle.
Victoria von Schweden 
ESC 2012

Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.

Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft


Anzeige

Fotostrecke
Meeresbewohner: Leuchtend grüne Quallen gleiten durch ein Aquarium.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Ein Jahr Fukushima
Test auf Strahlenspuren.

Ein Jahr nach dem 11. März 2011 zeigen wir, wie das Unglück Japan und die Welt verändert hat.

Anzeige

Video

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Academy Awards - "And the winner is..."
Zwischen 300 und 500 Euro ist eine Oscar-Statue wert, je nach Goldpreis. Der ideelle Wert ist für Schauspieler und Filmemacher unbezahlbar.

Alle Gewinner der 84. Academy Awards of Merit, die desaströsesten Outfits auf dem roten Teppich und mehr im Oscar-Spezial.

Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Die Skyline von Baku.
Leitartikel zum ESC 2012 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande 
Loreen triumphiert für Schweden beim ESC 2012 in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.