Welche Technik steckt in Ihrem Fernsehgerät? Edge-LED? Full-LED? LED Backlight? Oled? Wissen Sie nicht? Dann wären Sie bei der diesjährigen Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA), verloren. Denn dort stellen TV-Hersteller ein halbes Dutzend neuer TV-Technologien mit kryptischen Namen vor, die im Grunde allerdings nur eines bedeuten: Das Fernsehbild wird besser. Und zwar indem Leuchtdioden (LEDs) statt Leuchtstoffröhren verwendet werden.
LEDs sind kleine Lämpchen, die bei LCD-Fernsehern für ein helleres Bild, realistischere Farben und höhere Kontraste sorgen sollen. Für den Massenmarkt sind die Edelfernseher mit Preisen von derzeit 6000 Euro zwar noch zu teuer, probegucken dürfen die Massen auf der IFA aber schon mal. Dabei werden sie auch sehen, dass nicht alle Geräte mit der neuen Technologie ein so gutes Bild erzeugen, wie versprochen. "Wir haben LED-TVs getestet, die eine deutlich schlechtere Bildqualität aufweisen als herkömmliche LCD-Geräte", sagt Peter Knaak von der Stiftung Warentest. Dies betrifft laut Knaak in erster Linie sogenannte Edge-LED-TVs. Hier sind die Lämpchen nur im Rahmen um den Bildschirm herum untergebracht und beleuchten diesen von den Seiten her.
Vom 04. bis 09. September findet in Berlin die Internationale Funkausstellung (IFA) statt. Sie ist die weltweit größte Messe für Informations- und Kommunikationstechnik sowie Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte.
Die Messehallen sind täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Karten für Erwachsene kosten zwischen 10 und 14 Euro, Kinder bis sechs Jahren, haben freien Eintritt.
Um solche Schwächen bei der Bildqualität auszuschließen, setzen viele Hersteller auf eine vollständige Beleuchtung hinter dem Panel - daher heißen solche Geräte "LED Backlight" oder "Full-LED". Und obwohl in Full-LED-Geräten etwa siebenmal so viele Lampen verbaut werden wie in den Edge-Geräten, verbrauchen auch sie laut Hersteller weniger Energie als Modelle mit Leuchtstoffröhren.
Wer noch etwas mehr ausgeben will, der greift zu einem Gerät mit "Local Dimming". Dabei werden einzelne Bildschirmbereiche separat aktiviert, um Kontraste und Farben noch wirklichkeitsgetreuer erscheinen zu lassen. Die großen Markenproduzenten setzen bei ihren Modellen der höheren Preisklassen auf eine solche Technik. Damit auch diese technisch komplexen Geräte möglichst flach bleiben, werden einzelne Komponenten, wie etwa die Anschlüsse, in einer separaten Box untergebracht.
Bei der Bildqualität ebenbürtig
Bei all diesen Neuerungen scheinen die Hersteller von Plasmageräten auf der Strecke zu bleiben. Ihre Produkte sind kaum noch gefragt, die Technik hat sich nicht durchgesetzt. Grund: Der Stromverbrauch ist viel zu hoch. Und den Vorteil der besseren Bildqualität gibt es ebenfalls nicht mehr, denn auch in diesem Bereich hat die Konkurrenz ihre Nachteile durch die neue Technik weitestgehend ausgeglichen. Experten erwarten, dass Plasmabildschirme bald vom Markt verschwinden werden.
Trotzdem teilen auch die neuen LED-TVs das Schicksal aller Technikprodukte: Sie sind eine Übergangslösung. Denn die Firmen entwickeln bereits eine neue Technik namens Oled. Und kaum jemand zweifelt daran, dass diesen Bildschirmen, in denen organische Leuchtdioden - also Leuchtdioden auf Kohlenstoffbasis - verbaut werden, die Zukunft gehört. Sie sind kostengünstiger zu produzieren, benötigen noch weniger Strom und können theoretisch so dünn wie ein Blatt Papier sein: Der Fernseher der Zukunft wird eine Art Hightech-Tapete sein, die man auch zusammenrollen und in die Jackentasche stecken kann. Bis es so weit ist, wird es jedoch wohl noch eine ganze Weile dauern.
"Oled ist eine neue Technik, die mit LCD nichts mehr gemein hat", erklärt Professor Dr. Jörg Müller, Leiter des Instituts für Mikrosystemtechnik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. "Bei einem LCD-Bildschirm wird Licht durch einen Farbfilter geschickt, wobei mindestens 50 Prozent des Lichts ausgeblendet werden." Im Gegensatz dazu wird in einem Oled-Display direkt farbiges Licht erzeugt. Die Dioden leuchten nur, wenn sie angesteuert werden. Damit sinkt der Enegieverbrauch theoretisch um bis zu 50 Prozent. In der Praxis wird die Ersparnis nach Ansicht des Wissenschaftlers jedoch geringer ausfallen. "Der Nachteil ist, dass hinter dieser Methode ein sehr komplexes System steckt, das gerade für große Flächen längst noch nicht ausgereift ist." Mit einer Marktreife sei frühestens in fünf Jahren zu rechnen. "Durch den Preisverfall bei Flachbildschirmen werden auch die Unternehmensgewinne geringer. Damit stehen weniger Mittel für das Erforschen neuer Technologien zur Verfügung", so Professor Müller.
Diese Meinung vertritt auch Warentest-Experte Peter Knaak: "Bis große Oled-Bildschirmdiagonalen mit einer akzeptablen Lebensdauer möglich sind, werden wohl noch einige Jahre vergehen." Die ersten Prototypen haben seiner Ansicht nach aber "eine bisher unerreichte Bildqualität".
Besucher des Samsung-Stands konnten sich davon auf der IFA im vergangenen Jahr überzeugen. Es war ein kurzes Vergnügen. Noch bevor die Messe zu Ende ging, waren zwei von drei Oled-Fernsehern nicht mehr zu gebrauchen.
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