Das Baby brüllt, der Staatschef zwitschert, der Verteidigungsminister doziert, die Opposition frohlockt, das Volk jubelt. Am Mittwochabend zwischen 19 und 19.30 Uhr hatte Frankreichs Première Dame in einer Pariser Privatklinik das erste Präsidentenbaby in der Geschichte des Landes zur Welt gebracht. Ein Mädchen ist es. Und Giulia heißt es. So entschlossen die Eltern das frohe Ereignis auch zur Privatsache erklärt haben: Allseits bricht sich die Freude Bahn.
Am Donnerstagabend, etwa 24 Stunden nach der Geburt, beendet Carla Bruni-Sarkozy das Rätselraten um den Vornamen: "Ich bin sehr berührt von den zahlreichen Glückwünschen, die mich seit der Geburt unserer kleinen Tochter Giulia erreichen", schreibt die 43-jährige gebürtige Italienerin auf ihrer Website. "Zu diesem glücklichen Anlass dankt mein Mann zusammen mit mir herzlich allen, die uns Sympathiebekundungen schickten."
Die Regenbogenpresse, die über Namen wie Daliah und - vor der Geburt - auch über Leopold oder Vladim spekuliert hat, widmet sich inzwischen der angeblich beeindruckenden Stimmkraft des Säuglings. Laut soll das Baby sein, vermelden angeblich die Paparazzi aus der Umgebung der Klinik.
Der Präsident und Vater twittert am Donnerstag auf sarkozy_2012 in staatstragendem Ton: "Carla Bruni-Sarkozy, die Ehefrau des Staatschefs, hat am Mittwochabend ein kleines Mädchen zur Welt gebracht." Offensiver äußert sich der Verteidigungsminister. "Sarkozy ist sehr glücklich, ein Präsident, der sich wohlfühlt in seiner Haut ist ein Geschenk für unser Land", verkündet Gérard Longuet. Am ausgelassensten wirkt jedoch Ségolène Royal. Die Politikerin, die 2007 gern Präsidentin geworden wäre, sieht die Chance, Sarkozy aus dem Elysée-Palast zu vertreiben. Einen fünfjährigen Vaterschaftsurlaub empfiehlt die Sozialistin ihm.
Erleichterung nach dem Drama
Und das Volk? Es schwelgt mangels Fotos, die es nach Angaben der Mutter zum Wohl des Kindes auch nicht geben wird, in Fantasien. In die Freude mischt sich Erleichterung. Der Geburt war ein Drama vorausgegangen. Nicht, dass die Entbindung Probleme aufgeworfen hätte. Nein, der Vater war es, der Qualen ausstehen musste. Er hatte die Gattin am Mittwochnachmittag sich selbst und den Ärzten überlassen. Nach Frankfurt musste Nicolas Sarkozy jetten und versuchen, beim Krisengipfel mit der Kanzlerin den Euro zu retten. 16.30 Uhr ist es, als Sarkozy die in den Wehen liegende Gattin verlässt. Gerade einmal eine halbe Stunde war er bei ihr, dann musste er los.
Vielleicht hat er in diesem bangen Moment verstanden, wieso alle Präsidenten vor ihm während der Amtszeit auf Nachwuchs verzichtet haben. Am späten Mittwochabend kehrt Sarkozy in die Klinik zurück. Auch am Donnerstagmorgen und -abend kann er seine Tochter sehen. Und die Nation? Das Baby ist jetzt da, Mutter und Kind sind wohlauf, das allein zählt. Stimmungstöter mögen prophezeien, wenn das Mädchen in die Pubertät komme und zickig werde, müsse der heute 56-jährige Vater als tattriger Rentner dagegen halten. Noch ist es nicht soweit.
Und haben der Staatschef und seine Frau nicht bewiesen, dass sie lernfähig sind? Diesmal schirmen die Beiden ihr Privatleben ab. Carla Brunis Sohn Aurelien, den sie mit in die Ehe brachte, hatte im Jordanienurlaub auf Sarkozys Schultern thronend dem Blitzlichtgewitter der Fotografen trotzen müssen. Die kleine Schwester dagegen darf in einer zum Hochsicherheitstrakt aufgerüsteten Privatklinik im vornehmen 16. Stadtbezirk von Paris ungestört vor sich hinträumen.
Eine wahre Löwenmutter scheint diese Carla Bruni geworden zu sein. Eine Armada von Medienanwälten hat sie zur Abwehr von Journalisten und Fotografen engagiert. Womöglich macht sie als Mutter der Nation noch wett, was das Volk beim Papa vermisst, der zum in Krisenzeiten ersehnten Landesvater nicht recht taugt.
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