Mit einer Schweigerminute haben mehrere Hundert Menschen am Donnerstagvormittag vor dem Duisburger Rathaus den 21 Opfern der Loveparade gedacht. Zuvor hatten sie auf einer Kundgebung ihre Wut gegen die Verantwortlichen der Loveparade zum Ausdruck gebracht. Sie forderten den Rücktritt von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Immer wieder skandierten sie „Sauerland raus“. Auf Plakaten war zu lesen „Schluss mit der Schuldzuweiserei“ und „Wer trägt Schuld“. Die Stimmung war teilweise sehr aufgeheizt. Nach der Kundgebung sollte der Protestzug durch die Duisburger Innenstadt ziehen.
Die Demonstration wurde von einem Teilnehmer der Loveparade angemeldet, der nach eigener Aussage aus Unkenntnis der Lage noch getanzt hatte, als bereits die ersten Opfer zu beklagen waren.
Die Trauerfeier am kommenden Samstag wird auch in das Duisburger Fußballstadion übertragen. Es werde eine Übertragung des ökumenischen Gottesdienstes von der Duisburger Salvatorkirche ins Stadion geben, sagte eine Sprecherin der evangelischen Kirche im Rheinland am Donnerstag in Düsseldorf. Zu den Trauerfeierlichkeiten in der Ruhrgebietsstadt werden nach vorsichtigen Schätzungen der Polizei mindestens 10.000 Teilnehmer erwartet. Die Zahl könne jedoch auch höher liegen, sagte ein Polizeisprecher.
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hat für Samstag Trauerbeflaggung angeordnet. Wie die Staatskanzlei in Mainz mitteilte, sollen die Fahnen an allen öffentlichen Gebäuden des Landes wehen. Schon am Donnerstagabend sollte es zudem in Stadecken-Elsheim nahe Mainz eine Gedenkandacht für das rheinland-pfälzische Todesopfer, eine 19- Jährige aus dem Ort, in einer Kirche geben. Für die Landesregierung wollte Innenstaatssekretär Roger Lewentz (SPD) daran teilnehmen. Er will auch zur zentralen Trauerfeier am Samstag in Duisburg reisen.
An der Trauerfeier in der Salvatorkirche wollen auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnehmen. Der Gottesdienst wird vom Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, und dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck geleitet. An der Gestaltung sind auch Einsatzkräfte der Rettungsdienste und der Polizei beteiligt.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) hat dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) indirekt den Rücktritt nahegelegt. „Es gibt eine politisch-moralische Verantwortung“, sagte Jäger am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Sauerland wäre gut beraten, die Frage seiner moralischen Verantwortung „sehr schnell zu beantworten“. In der Nacht zum Mittwoch hatte sich die Zahl der Toten auf 21 erhöht.
Nach dem vorläufigen Ermittlungsbericht sei klar, dass die Stadt Duisburg dem Veranstalter genehmigt habe, Flucht- und Zulaufwege „sehr viel kleiner, sehr viel enger gestalten zu dürfen, als die gesetzliche Lage eigentlich erlaubt“, sagte Jäger. „Das wird ein Problem der Stadt Duisburg werden, das zu begründen im Rahmen der Genehmigung.“ Aber auch der Veranstalter, der für den Bereich des Tunnels verantwortlich gewesen sei, habe sein eigenes Sicherheitskonzept nicht eingehalten. Der Veranstalter habe für die Sicherheit zu sorgen gehabt. „Das hat überhaupt nicht funktioniert.“
Die Polizei habe erst kurz vor der Loveparade eine Kopie der städtischen Genehmigung an den Veranstalter bekommen, sagte Jäger. Daraus gehe hervor, dass die Stadt es gestattet habe, die gesetzlichen Normen für Länge und Breite der Fluchtwege zu unterschreiten. „Das muss die Stadt Duisburg erklären“, betonte der Innenminister. Ohne das beherzte Eingreifen der Polizei wären vielleicht noch mehr Verletzte oder sogar Todesopfer zu beklagen gewesen. (afp/ddp/dpa)
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