Jeder, der irgendwann bewusstseinserweiternde Substanzen zu sich genommen hat, weiß: Drogen führen zu keinem Ziel, aber die Fahrt dorthin kann landschaftlich sehr reizvoll sein. Danach allerdings kommt oft die große Ernüchterung: Was sagen zwei Jamaikaner, denen das Gras ausgegangen ist? "Mach doch mal die blöde Musik aus!"
Deshalb gibt die Regierung auch Unsummen für Anti-Drogen-Kampagnen aus, erlässt Verbote für Alkopops oder pfercht auf Bahnhöfen die Raucher in aufgemalte Quadrate, um zu verhindern, dass sich die Giftstoffe mit der Umgebungsluft vermischen. Ein Verfahren, das in etwa so sinnvoll ist, wie das Schwimmbecken in Pinkler und Nichtpinkler zu unterteilen. Demnächst plant die EU sogar, das Passivtrinken zu verbieten.
Und nachdem Red-Bull-Cola in verschiedenen Regionen aus dem Verkehr gezogen wurde, weil es geringe Dosen von Koks enthält, zittert das gesamte Finanzwesen. Denn 90 Prozent aller Geldscheine und Kreditkarten enthalten ebenfalls Spuren von Kokain. Droht uns nun also auch das Ende der Geldwirtschaft? Schließlich ist Geld das Suchtmittel schlechthin. Wer einmal damit angefangen hat, kommt nicht mehr davon los. Von der Beschaffungskriminalität ganz zu schweigen.
Dabei ist der Drang, sich zu berauschen so alt wie die Menschheit selbst. Die alten Griechen nahmen Opium, die Azteken Mescalin und im Musikantenstadl wurde gesoffen, bis die Leber platzte. Und immer wieder grätschte der Staat dazwischen. Im 17. Jahrhundert ließ der türkische Sultan Murad IV 25000 Raucher hinrichten und beschlagnahmte ihr Eigentum. Inzwischen hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass man das Eigentum viel besser von lebenden Rauchern durch Steuern beschlagnahmen kann. Die Hinrichtung erledigen die Konsumenten dann später ohnehin selbst.
Auch für die Krankenkassen sieht die Rechnung makaber günstig aus. Ein an Lungenkrebs erkrankter Raucher muss nicht wegen eines zehnmal so teuren Herz-Kreislauf-Leiden behandelt werden. Ein Raucher auf dem Friedhof ist für die Krankenkassen sogar noch günstiger. Rauchen ruiniert die Gesundheit, Nichtrauchen den Staatshaushalt. Kein Zweifel, Suchtmittel sind gefährlich. Heroin ist nichts für Drückeberger. Vor allem, weil die Fixkosten so hoch sind. Trotzdem entspricht es meiner zutiefst liberalen Einstellung, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, sich selbst sein Leben zu versauen. Im Übrigen hat der Drogenkonsum ja auch positive Seiten: Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass Nikotin das Alzheimerrisiko vermindert. Wenn Sie sich im Alter noch erinnern wollen, warum sie husten, fangen Sie jetzt zu rauchen an!
Wissenschaftler und Kabarettist Vince Ebert über die Vorteile der Sucht.
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