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Sean Connery: Der letzte Ritter

Sean Connery, Actionheld und Männlichkeitsikone, wird heute 80 Jahre alt. Eine Hommage an einen der erfolgreichsten Schauspieler.

Pretty in Pink: Sean Connery anno 1971 in Diamantenfieber.
Pretty in Pink: Sean Connery anno 1971 in "Diamantenfieber".
Foto: Photofest/Verlag

In John Hustons Film „Der Mann, der König sein wollte“ (1975) fühlen sich zwei britische Soldaten im Indien der Kolonialzeit zu Höherem geboren. Sie brechen auf nach Kafiristan, um dort Könige zu werden. So jedenfalls formuliert es der wortgewandte Michael Caine als der drahtigere der beiden Freunde. Zum König aber krönt man seinen stoischen Begleiter, verkörpert von Sean Connery. Eine unübersehbare Herrschaftlichkeit geht von ihm aus. Seine Blaublütigkeit steht außer Frage.
Russell Crowe und Mel Gibson mögen anderer Ansicht sein, aber Sean Connery ist der letzte Ritter unserer Zeit – auch wenn er erst im Jahre 2000 offiziell von Königin Elisabeth in diesen Stand erhoben wurde. Im Laufe der Jahre hat er noch drei weitere Monarchen gespielt – König Agamemnon in „Time Bandits“ (1981), Richard Löwenherz in „Robin Hood: König der Diebe“ (1991) und König Arthur in „Der erste Ritter“ (1995).

Heute wird Sean Connery 80 Jahre alt, und es ist schwer zu sagen, wie viele Jahrzehnte seine Regentschaft nun schon dauert. Denn es war erst die lange und beschwerliche Flucht aus den offiziellen Diensten ihrer Majestät als 007, die dem Schotten selbst die höheren Ehren eintrug – wie im Film „Der Mann, der König sein wollte“ von 1975, der sich über die Jahre übrigens wunderbar gehalten hat.

Angestiftet vom Abenteurertum des Regisseurs John Huston legten Connery und Caine mit feiner Ironie einen Grundstein zum postmodernen Abenteuerkino. Sie vertrieben den kolonialistischen Geist aus der literarischen Vorlage von Rudyard Kipling und suchten sich aus den Männlichkeitsidealen des Britischen Empire die beiden sympathischsten heraus: die Stilsicherheit und den Humor.

Leinwandpräsenz ist eine Frage der Aura, nicht der Kraftprotzerei. Der schottische Bodybuilding-Meister des Jahres 1950 hatte beste Voraussetzungen für beides. Doch blickt man zurück auf seine lange Karriere, kann man die Aura förmlich wachsen sehen.

Sean Connery wird 80 Jahre

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Einen Silberlöffel fand man jedenfalls nicht in seinem Mund, als er am 25. August 1930 als Sohn einer Putzfrau und eines Arbeiters in Edinburgh zur Welt kam. Connery verdingte sich als Milchmann, Lastwagenfahrer und Aktmodell an der Kunstakademie und belegte einen dritten Platz bei der Konkurrenz zum Mister Universum. Nun stand er vor zwei verlockenden Perspektiven: dem Profifußball oder der Schauspielerei. Seine Wahl ist bekannt, er selbst nennt sie eine seiner „intelligenteren Entscheidungen“.

Für die erste wichtige Filmrolle entdeckte ihn Walt Disney, der sich gern das Geld für teure Stars sparte, um lieber in die Trickkiste zu investieren. Im Fall von „Das Geheimnis der verwunschenen Höhle“ (Darby O´Gill and the Little People, 1959) war das die realistische Darstellung einer Armee winziger schottischer Kobolde, die alles daran setzten, Connery die Schau zu stehlen. Da dieser wiederum gehalten war, mit schottischem Akzent zu sprechen, verstanden amerikanische Kinder von alledem herzlich wenig – und Connerys Rolle wurde später umsynchronisiert. In seinem Bemühen um schottische Urtümlichkeit gelang Regisseur Robert Stevenson jedoch einer der originellsten Disneyfilme, in denen echte Schauspieler agieren. Es ist faszinierend, Connery heute in diesem Familienfilm wieder zu sehen. Er vermittelt darin eine Warmherzigkeit, die er bald gegen ein gänzlich gegensätzliches Leinwandimage eintauschen sollte, um sie erst viel später in seiner Karriere wieder zuzulassen.

Zur Person

Sean Connery wurde 1930 in Edinburgh geboren und ist einer der erfolgreichsten Schauspieler Großbritanniens. In der Rolle des James Bond wurde der Schotte weltberühmt. Den meisten Bond-Fans gilt er noch immer als Idealfigur des harten aber gesitteten Agenten.

Wieviel mehr in Sean Connery steckte, bewies er in seinen späteren Jahren: Geheimnisumwitterten Figuren lieh er sein Charisma in Filmen wie „Der Wind und der Löwe“ und „Der Name der Rose“. 1986 gewann er als Polizist in „Die Unbestechlichen“ einen Oscar.

Als er sich mit 75 offiziell von der Leinwand zurückzog, gehörte er immer noch zu den höchst bezahlten Filmstars.

Connery ist auch politisch aktiv, 1999 trat er der Scottish National Party bei. Im Juli 2000 schlug die Queen ihn in seiner Geburtsstadt Edinburgh zum Ritter. Im Jahr 2008 veröffentlichte er seine Memoiren „Mein Schottland, mein Leben“ (Ullstein
Verlag).

1962 suchten die britischen Produzenten Broccoli und Saltzman den idealen Darsteller einer geplanten Filmserie nach den „James-Bond“-Romanen Ian Flemings. Beflügelt von den Stimmen der Leser einer Londoner Zeitung gaben sie dem relativ unbekannten Connery die Hauptrolle in „Dr. No“ und bereuten es nicht. Anders als der Schotte, dem die Bond-Mania bald über den Kopf wuchs. Zwischen 1962 und 1964 war 007 das zweiterfolgreichste britische Kulturprodukt nach den Beatles. Dabei steigerte sich die Qualität der Filme bis um dritten Teil, dem legendären „Goldfinger“, sichtlich. Connery aber wusste, dass mehr in ihm steckte. Seinen ersten auch künstlerisch bedeutenden Film drehte er 1964 unter der strengen Regie Alfred Hitchcocks. Der Thriller „Marnie“ zeigt den typischen Connery der sechziger Jahre, einen kühlen, zielstrebigen und überaus attraktiven Mann, der nach seiner eigenen Moral lebt und handelt. Selbst für Hitchcock ist es ein ausgesprochen abgründiger Held, den Connery hier verkörpert: Als Fabrikant erpresst er eine betrügerische Angestellte, in die er sich verliebt hat, ihn zu heiraten, und scheut nicht davor zurück, sie in der Ehe zu vergewaltigen. Kaum ein Star hätte eine solche Rolle spielen können, ohne sein Image zu beschädigen. Aber irgendetwas an Connerys Machismo suggerierte eine verborgene Menschlichkeit, die irgendwann auf Gegenliebe treffen würde. Seine Filmpartnerin Tippi Hedren hatte derweil angesichts der Attraktivität ihres Gegenspielers große Schwierigkeiten, überhaupt die frigide Gattin zu mimen. So fragte sie Hitchcock, was sie tun sollte. Der antwortete nur achselzuckend: „Man nennt es Schauspielerei, meine Liebe“.

Sean Connery brauchte man derartige Ratschläge nicht zu erteilen. Er suchte sich die besten Rollen, die er finden konnte, ungeachtet ihrer Erfolgsaussichten. Ganz leicht war das nicht, seit er sich 1971 nach der damaligen Rekordgage von 1,2 Millionen Dollar plus Gewinnbeteilung für „Diamantenfieber“ ein zweites Mal öffentlich aus dem Geheimdienst Ihrer Majestät verabschiedet hatte. „Ich habe Bond nie verachtet, wie manche dachten“, erklärte er dazu später. „Eine solche Figur zu erschaffen, kostet viel Kraft, da ist es nur natürlich, nach anderen Rollen zu suchen.“ Was nicht ganz eine andere Connery-Äußerung entkräften kann: „Ich habe diesen verdammten James Bond immer gehasst. Ich würde ihn am liebsten umbringen.“

Umso breiter war sein Rollen- Spektrum in den 70er Jahren. In dem Science-Fiction-Film „Zardoz“ spielte er einen Barbaren in post-apokalyptischer Zukunft. In „Der Wind und der Löwe“ einen Mullah, der eine amerikanische Familie entführt und dabei aus dem Koran predigt. Dies immerhin glaubwürdig genug, um im Politthriller „Der nächste Mann“ einen arabischen Diplomaten zu verkörpern, der sich für die Aufnahme Israels in die OPEC einsetzt. Dieser Rolle könnte wohl auch der beste Schauspieler keine Glaubwürdigkeit verleihen.

Jetzt aber geschah etwas Merkwürdiges und in der Filmgeschichte wohl Einzigartiges: Connery wählte bewusst Rollen, die ihn älter aussehen ließen, als er tatsächlich war – wie die des gealterten, kampfesmüden Robin Hood in Richard Lesters philosophischem Heldengedicht „Robin und Marian“. Die Folge war, dass er bis zu seinem Rückzug vom Filmgeschäft im Jahre 2005 praktisch alterslos erschien.

Als er 1983 abermals in die Rolle des 007 schlüpfte für „Sag niemals nie“, ließ er sich seinen Wortbruch mit 6,4 Millionen Dollar vergolden. Sein Marktwert stieg ständig. 1988 erhielt er einen Oscar für seine Nebenrolle im Thriller „Die Unbestechlichen“. Zur selben Zeit gelang Steven Spielberg und George Lucas ein Coup, als sie Connery in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ als Vater von Harrison Ford besetzten. Es war ein Ritterschlag ganz eigener Art. Connery spielte hier so gekonnt mit dem eigenen Image, dass die Erinnerung an frühere Heldentaten in der Rolle mitzuschwingen schien. Dazu kamen eine väterliche Autorität, in der sich seine britischen Offiziersrollen widerspiegelten, und die Warmherzigkeit seines frühen Disney-Auftritts. Mit fast 60 Jahren hatte Connery den Gipfel seiner Karriere erklommen. Zu allem Überfluss wählte ihn die Zeitschrift People zum „sexiest man alive“.

Connerys Gagen spiegelten nun die absurden Rekorde der Blockbuster-Ära: 20 Millionen für den dürftigen Thriller „Verlockende Falle“ mussten ihn 1999 selbst skeptisch stimmen – doch noch immer ging die Rechnung für die Produzenten auf. Erst nach dem einfallslosen Actionfilm „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003) zog er die Notbremse. „Die Zeit für den Ruhestand kam für mich wegen meines recht unglücklichen letzten Films. Es wurde einfach immer kostspieliger, die Frustration aufzuwiegen und mich davon abzuhalten, einen Mord zu begehen und im Gefängnis zu landen.“

Sean Connery, der seinen 80. Geburtstag bei bester Gesundheit feiert, fiel der Abschied von der Leinwand schwer. „Vielleicht bin ich kein guter Schauspieler“, sagte er einmal in ganz un-Bond-mäßiger Bescheidenheit. „Aber in jedem anderen Beruf wäre ich noch schlechter gewesen.“

Autor:  Daniel Kothenschulte
Datum:  24 | 8 | 2010
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