Ein gutes letztes Foto und alles ist vergessen. Die Drogen und das Saufen und die hässlichen Fotos vorher. Menschen vergessen gerne, vor allem, wenn sie ein ungutes Gefühl der Identifikation verspüren. Mit hässlichen letzten Fotos kann sich jeder ungut identifizieren. Oder, wie meine Großmutter zu sagen pflegte: „Nie eine löchrige Unterhose anziehen. Wenn du überfahren wirst, sieht es das ganze Krankenhaus.“
Eine schöne Erklärung. Angstbesetzt zwar, doch empathisch. Leider untrennbar gekoppelt an meine Großmutter. Also an eine Welt, in der sich über verunfallte Durchschnittsunterhosenträger ein paar Ärzte beugten. In der aber normalerweise nur eine Handvoll mehr Ärzte einen verunfallten prominenten Unterhosenträger begutachteten. Und nicht jeder Besitzer eines WLAN-Anschlusses.
Marilyn Monroe in zerrissenen Unterhosen? Ernsthaft? Nein. Stars von damals waren keine Menschen. Stars trugen nie zerrissene Unterhosen. Das machte ihren Zauber aus. Deshalb waren sie Stars.
Heute ist es andersrum. Die Unterhosenlöcher einer sterbenden Popsängerin haben eine ungemein größere Chance, abfotografiert zu werden als jene des sterbenden Durchschnittsunterhosenträgers. Wenn die Popsängerin nicht schon lange vorher ohne Unterhose fotografiert wurde.
Unterhosenlöcher sind demokratisch geworden. Genau wie Musik und Literatur. Und letzte Fotos. Menschen schauen nicht mehr auf zu Stars. Sie bilden sich eine Meinung über A-, B- und C-Promis. Das ist schön, weil Menschen nicht aufschauen sollten. Und hässlich, weil sie jetzt häufig herabschauen.
Außer in manchen Momenten. In denen alle diesen Zauber spüren. Des echten Stars. Der letzten Diva. Gutes Foto.
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