Bei sexuellem Missbrauch in der Familie wie bei dem Drama von Fluterschen (Kreis Altenkirchen) ist es für einen Experten nicht ungewöhnlich, dass sich die Opfer auch über Jahre hinweg nicht gegen den Täter verbünden. Die Gründe dafür könnten in der Persönlichkeit liegen – „um so intime Details zu teilen, muss ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis bestehen“, sagte Veit Schiemann vom Opferhilfe-Verein „Weißer Ring“ am Freitag der dpa in Mainz. Und es gelte: „Wenn die Tat geschieht, dann ist jeder für sich allein.“ Es sei daher durchaus denkbar, dass die Taten über Jahre hinweg in der Familie geheim gehalten wurden.
Ein 48 Jahre alter Familienvater soll in der Westerwaldgemeinde über Jahre hinweg unter anderem seine Tochter und Stieftochter missbraucht haben, mit der Stieftochter soll er acht Kinder gezeugt haben. „Der psychische Druck, den der Täter bei sexuellem Missbrauch in der eigenen Familie ausübt, ist enorm“, sagte Schiemann. „Das sind Machtmenschen.“ Hier sehe er auch eine Parallele zum „Fall Fritzl“. Man mache es sich aber zu leicht, wenn man nun vom deutschen Fritzl spreche, sagte Schiemann. Es gebe in dem österreichischen Inzest-Fall einige eklatante Unterschiede wie die Inhaftierung der Opfer. Josef Fritzl hatte seine Tochter 24 Jahre lang im Keller seines Hauses in Amstetten eingesperrt, sie vergewaltigt und sieben Kinder gezeugt.
„Beide Fälle sind für die Opfer schwer zu ertragen und sehr schwer zu verarbeiten.“ Warum sich die Opfer des mutmaßlichen Kinderschänders von Fluterschen nicht früher wehrten, erklärte Schiemann so: „Es ist nicht damit getan, dass man erkennt, das ist nicht erlaubt, was der macht. Und dann geht alles von alleine.“ Die Missbrauchsopfer sähen häufig keinen Ausweg aus ihrer Lage. Einen typischen Auslöser für die Auflehnung gegen den Täter gebe es nicht, manchmal reiche es von einem Fall zu hören, in dem jemand erfolgreich gegen seinen Peiniger aufbegehrte. „Dann macht es ’Klick’ im Kopf und dann erkennt das Opfer: Es gibt einen Ausweg, es ist Hoffnung da.“ (dpa)
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft
Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.
Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.