Vier Schüsse vor die Kameralinse, ein martialisches "You will die next" - mehr braucht ein Amokläufer für sein digitales Vermächtnis nicht. Unsterblich sein ist so einfach. Die Täter wissen, dass ihre Selbstdarstellungsvideos noch lange Zeit im Internet kursieren werden. Selbst wenn Youtube ihre Profile zügig sperrt, bleibt einigen Internetnutzern immer genug Zeit, um eine Kopie der Seite anzufertigen und die Videos vom Bildschirm aufzunehmen.
Der 22-jährige Finne, der im September 2008 zehn Menschen umbrachte, bevor er sich selbst erschoss, hatte zuvor Videos bei Youtube veröffentlicht, die ihn beim Schusstraining zeigen. Wer nach dessen Youtube-Benutzernamen sucht, findet sie noch heute.
Dasselbe gilt für Videos des 18-jährigen Finnen, der zehn Monate zuvor neun Menschen in der Berufsschule von Kauhajoki tötete, und auch für den Amokläufer von Emsdetten. Dessen Videos sind noch auf Youtube selbst zu sehen, nur eben von denen hochgeladen, die es rechtzeitig kopieren konnten. Manche gaukeln mit Schriftzügen wie "Krankes Arschloch" oder Ähnlichem eine Distanz zum Täter vor.
Die Mechanismen des viralen Horrormarketings funktionieren auch im Fall von Winnenden. Der volle Name des Täters kursierte schon mittags im Netz, weil er mit Hilfe der wenigen bekannten Fakten über eine Google-Suche herauszufinden ist. Blogger gaben Anleitungen dazu, Kommentatoren schrieben dann den vollen Namen unter die Artikel von Nachrichtenseiten.
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