Herr Isensee, der neue Disney-Film "Küss den Frosch" mit einer schwarzen Prinzessin ist noch nicht angelaufen, wird aber bereits kritisiert. Zurecht?
Ich kenne nur den Trailer: Die Hauptfigur Tiana mit ihren großen Kulleraugen ist eine eingefärbte Arielle, keine echte Schwarze. Sich an die schwarze Leidensgeschichte zu wagen, ist mutig. Disney blickt aber aus einer rein weißen Perspektive auf die Welt. Kritiker nennen das "white washing".
Reinhard Isensee ist Amerikanistik-Dozent an der HU Berlin. Er erforscht seit Jahren das Kulturphänomen Disney.
Und diese Disney-Sicht ist von Stereotypen geprägt?
Zum Teil. Das zeigt sich etwa an den Stimmen, die Disney seinen Figuren gibt. Das "Böse" hat oft einen britischen Akzent. Und wenn im "König der Löwen" die Hyänen wie Afro-Amerikaner klingen, wird da unterschwellig etwas transportiert.
Versucht Disney hier bewusst zu beeinflussen?
Disney wird häufig als eine Art moralische "Education machine" gesehen. Und sieht sich wohl auch selbst so, trotz Profitstrebens.
Hat sich an all dem nichts geändert?
Man kann im Film "Pocahontas" einen Wendepunkt erkennen. Da hat sich Disney das erste Mal dem multikulturellen Diskurs gestellt. Organisationen von Native-Americans wurden bei der Entwicklung eingebunden. Die zogen sich aber wieder zurück, weil sie "Pocahontas" als eine "Indianer-Barbie" empfunden haben.
Pocahontas liebt einen Weißen. Dass Tianas Prinz nicht schwarz ist, wird heftig kritisiert.
Meiner Meinung nach spricht das für eine Läuterung bei Disney: Liebe ist über die Grenzen der Rasse möglich. Das ist eigentlich progressiv. Doch auch wirtschaftliche Motive spielen eine Rolle. Die Geschichten sind für den internationalen Markt konstruiert, vielleicht hilft da ein Latino-Prinz.
(Interview: Moritz Baumstieger)
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