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25. Juli 2013

Do It Yourself Trend: Mach’s doch einfach selbst!

 Von Jennifer Hein

Ob Schmuck, Kleidung oder Partydekoration: "Do it yourself" heißt der neueste Trend. Wer noch nicht genügend eigene Ideen hat, kann sich auf unzähligen Internetseiten inspirieren lassen. Oder einfach etwas handgemachtes kaufen.

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Die Kanten sind nicht ganz gerade. Und ein bisschen sieht man den Kleber durchs Papier durch. Aber das macht nichts. Denn meine Wimpelkette aus Geschenkpapier sieht einfach super aus. Sie ist selbst gemacht. Sie ist einzigartig. Und ich bin ein bisschen stolz.
Die meisten Girlanden, die es für die Geburtstagsparty meines Freundes zu kaufen gab, waren erstens hässlich und zweitens teuer. Da dachte ich mir, kann ich auch selbst zu Schere und Pritt-Stift greifen. Inspiriert hat mich ein Trend, der derzeit vor allem im Internet zu finden ist und sich in drei Buchstaben zusammenfassen lässt: DIY. Do it yourself – Mach es selbst.
Es gibt unzählige Internetseiten, auf denen Blogger aller Nationen täglich neue Ideen posten. Das können selbstgenähte Klamotten sein, gehäkelte Lampen, gestrickte Bilderrahmen, Schmuck, Kuchen oder eben Deko-Ideen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Viele haben bereits eine riesige Fangemeinde, die jedes neue Bild und jede neue Anleitung kommentiert.

„Da steckt viel Liebe drin“

Zu den beliebtesten DIY-Bloggern in Deutschland zählt zweifelsohne Stefanie Luxat aus Hamburg. Was sie auf ohhhmhhh.de stellt, verfolgen täglich bis zu 6000 Leser. In ihrer Heimatstadt wird sie sogar schon beim Einkaufen von Fans angesprochen. Viele Magazine drucken ihre Tipps ab. Vor vier Jahren fing alles ganz klein an, mit vier Lesern, sagt sie. Mittlerweile beschäftigt sie für viele ihrer Bilder einen Profifotografen. Der Blog ist für die Journalistin und Buchautorin zu einem Zweitjob geworden. „Ich muss mich immer wieder stoppen“, sagt die 34-Jährige. „Ich habe so viele Ideen.“
Unter der Rubrik „Easypeasy“ zeigt sie, wie man ein Bücherregal für wenig Geld selbst zusammenbauen kann, wie aus Muscheln Kerzenständer werden oder Ordner und Rollcontainer schnell mit Masking Tape aufgehübscht sind. „Da steckt viel Liebe drin“, sagt Luxat. Weil die Ideen bei ihren Lesern so gut ankommen, hat sie einige davon jetzt sogar in einem Buch zusammengefasst. In „Einfach Heiraten – Das Hochzeitsbuch“ gibt sie Tipps für die entspannte Hochzeit, mit vielen DIY-Ideen.
Die hat auch Anja Reitemeyer. Wer zu faul ist, einfallsreiche Nähtipps selbst in ein Kleidungsstück umzusetzen, kann ihre tollen Kreationen bei Dawanda kaufen. Die Innenarchitektin bietet dort und in ihrem Blog namens neuerstoff.knobz.de an, was sie für ihre beiden Mädchen schneidert. „Wenn die Fräuleins früher eine neue Mütze brauchten, die unter den Helm passen sollte, bin ich stundenlang in der Stadt rumgelaufen bis ich eine gefunden hatte – heute nähe ich mal eben eine selbst“

In regelmäßigen Abständen stellt die 41-jährige Düsseldorferin detaillierte Beschreibungen ihrer neuesten Kreationen ins Netz. Mehr als 8000 Leute beobachten das jeden Monat. Ganz groß ist Reitemeyer auch im „upcycling“, wie sie sagt. Das heißt, sie näht aus alten Sachen einfach neue. „So werden alte, unnütze Dinge zu neuen Lieblingsstücken.“ Und zum Beispiel ein ausgedientes Bettlaken zu einem schicken Sommerrock.
Viel Zeit und Sorgfalt verwenden auch die beiden Studentinnen Juliane Mayer und Sophie Mausolf auf ihren Blog. Die beiden 24-jährigen Leipzigerinnen teilen seit November 2011 auf vidanullvier.de alles rund um Kleidung, Lifestyle und DIY mit einer Schar treuer Fans, die jede Neuerung auf der Seite kommentieren. 21 000-mal wurde ihr Blog im vergangenen Monat aufgerufen.
Vor allem die Selbstmach-Ideen kommen gut an: Schokoladeneis am Stiel, Armbänder, Ketten, Flechtfrisuren oder eine Handtasche aus bunt funkelndem Hologrammpapier. „Ich denke, es geht einfach um das kleine Glücksgefühl, etwas selbst gemacht zu haben, und das teilt man einfach gern“, sagt Sophie Mausolf.

#gallery
Erst seit einem guten halben Jahr bloggt auch die Heilpraktikerin und Mutter Eva Kirchner aus dem bayerischen Dillingen fleißig in Sachen DIY mit. 230 Follower hat sie schon. Rund zwei Stunden bringt sie jeden Tag für ihre Seite evaundich.blogspot.de auf. Zuletzt hat sie Rezepte für Mango-Limonade, Vanille-Cake-Pops und eine Erdbeer-Speise gepostet. Davor erklärte sie, wie man mit Schleifchen und Glitzersteinen ganz leicht die alten Badelatschen aufmotzen kann. Bunt, mit viel Pink und Rosa ist ihre Seite. „Ich sehe ständig viele tolle Sachen“, sagt die 31-Jährige. „Doch die sind sehr teuer. Selbst gemacht ist oft günstiger.“
Liegt darin das Erfolgsrezept für den Trend? Sicher auch. „Anders als bei Outfits, die sich nicht so einfach, und selten günstig, nachshoppen lassen, sind DIYs sehr zugänglich,“ erklärt Sophie Mausolf. Jeder könne sich an den einfachen Anleitungen versuchen. Die Hürde sei gering.
Viele Leute hätten das Gefühl, dass immer mehr an Individualität abhandenkommt, sagt Stefanie Luxat. Schließlich gibt es fast überall die gleichen Läden. Mit etwas Selbstgemachtem hält man ein Unikat in Händen, etwas Besonderes, das so sonst niemand hat. Gerade Büromenschen hätten manchmal Lust, mal etwas mit den Händen zu machen, sagt Anja Reitemeyer. Selber machen mache auch einfach glücklicher als selber kaufen.

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