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Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft

20. Oktober 2014

Ebola: Wir blicken in den Abgrund

 Von 
Ebola-Infotafel in der liberianischen Hauptstadt Monrovia.  Foto: dpa

Wenn die Ausbreitung des Ebola-Virus nicht bald unter Kontrolle gebracht wird, könnte aus der Epidemie eine "Plage" werden. Experten werfen nun der internationalen Gemeinschaft Untätigkeit im Kampf gegen Ebola vor.

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Die Warnungen vor den Auswirkungen der westafrikanischen Ebola-Epidemie werden eindringlicher. Experten gehen davon aus, dass den Seuchenbekämpfern lediglich noch zwei Monate Zeit bleiben, um zu verhindern, dass das Virus in der Bevölkerung „endemisch“ wird, also nicht mehr völlig auszurotten ist. Dann werde Ebola eine über Jahrzehnte hinweg zu bekämpfende „Plage“, sagte kürzlich US-Vizepräsident John Kerry.

Falschmeldung

Auf Facebook kursierte seit Tagen eine Nachricht über einen angeblichen Ebola-Fall in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Das dortige Gesundheitsdezernat wies dies als Falschmeldung zurück. Die Ursprungswebseite „wiesbadener-eilmeldungen“ ist nun nicht mehr erreichbar.

Reklame zu platzieren, war offenbar das Ziel: Sobald die Nachricht angeklickt wurde, legte sich eine Werbeseite über den Bericht. Hintergründe zu solchen Internet-Fakes liefert die Seite www.mimikama.at.

Angesichts einer ständig steigenden Ansteckungsrate verlagerte der sierra-leonische Präsident Ernest Bai Koroma die Verantwortung für den Kampf gegen die Seuche in seinem Land jetzt vom Gesundheits- zum Verteidigungsministerium. Dieses werde eine vom Minister selbst geleitete Einsatzzentrale einrichten, die direkt dem Präsidentenamt berichtet. In Sierra Leone sind inzwischen sämtliche Regionen des Landes von der Epidemie betroffen: Mehr als 1200 Menschen sind hier bereits dem Virus zum Opfer gefallen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl der Ebola-Toten inzwischen auf über 4500 Menschen gestiegen. Experten gehen allerdings davon aus, dass die tatsächliche Zahl eher bei 12 000 liegt.

Die viel zu zögerlich eingehende finanzielle und personelle Unterstützung aus dem Ausland hat der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) zufolge bislang keine nennenswerte positive Auswirkung auf die Entwicklung der Epidemie gehabt. „Schon seit Monaten fordern wir einen massiven Einsatz der internationalen Gemeinschaft“, sagte der Chef der Hilfsorganisation in Belgien, Christopher Stokes: „Aber bisher blieb die Reaktion stets hinter der Kurve zurück.“ Geradezu „lächerlich“ ist nach den Worten Stokes‘, dass der Großteil des Kampfes gegen die Seuche noch immer auf den Schultern von rund 3500 MSF-Mitarbeitern in Liberia, Sierra Leone und Guinea lastet.

Deutsche Regierung besonders zögerlich

Auch der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan äußerte sich „bitter enttäuscht“ über die mangelnde Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Immer wieder wird die deutsche Regierung als besonders zögerlich erwähnt. Laut Hilfsorganisation Oxfam kommt „Zögern einer Katastrophe“ gleich: „Wir blicken in den Abgrund. Statt uns von der Ebola-Angst lähmen zu lassen, müssen wir der Krankheit unter Aufbietung aller verfügbaren Mittel entgegentreten“, sagte Marion Lieser, Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon kritisierte die mangelnde finanzielle Unterstützung der Weltgemeinschaft. Von 20 Millionen Dollar, die für einen Ebola-Spezialfonds versprochen worden waren, seien bislang nur 100 000 Dollar – und zwar von Kolumbien – eingegangen, gab Ki-moon bekannt.

Auch der eine Milliarde Dollar umfassende Hauptfonds der Vereinten Nationen für den Kampf gegen die Seuche ist bislang offenbar erst zu einem Drittel gefüllt. Noch größeres Kopfzerbrechen machen den Experten allerdings die personellen Engpässe. Für den Betrieb neuer Isolierstationen in Westafrika sind Tausende von Pflegekräften nötig. Doch die Ebola-Hysterie in den USA und Europa habe verheerende Auswirkungen auf die Zahl der Freiwilligen, sagte der Chef der Hilfsorganisation International Medical Corps, Sean Casey. Wenn Helfer befürchten müssten, dass sie bei ihrer Heimkehr „wie Parias“ behandelt werden, beeinflusse das ihre Hilfsbereitschaft.

Für Aufsehen sorgte am Wochenende ein interner WHO-Bericht, in dem schwere Vorwürfe gegen die eigene Organisation erhoben wurden. WHO-Funktionäre, die anfangs mit der Reaktion auf die Epidemie befasst waren, hätten es ausnahmslos versäumt, „die Zeichen an der Wand wahrzunehmen“, heißt es in dem Dokument: Statt zur Eindämmung der Seuche hätten die WHO-Verantwortlichen in Westafrika eher zu ihrer Beschleunigung beigetragen. Sprecher der Genfer Organisation bezeichneten den Bericht als vorläufig und inoffiziell.

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