Sie beide sind eher ein abschreckendes Beispiel. Sie, Frau Stolpe, waren bei gar keiner Vorsorgeuntersuchung und Sie, Herr Stolpe, haben nach der ersten Diagnose noch Monate zugewartet, ehe Sie sich operieren ließen.
Manfred Stolpe: Ich war 2004 Bundesverkehrminister und musste doch die LKW-Maut durchkriegen.
Ist eine Maut die Gesundheit eines Menschen wert?
Manfred Stolpe: Das entsprach meinem Pflichtgefühl. Wenn man in eine Aufgabe hineingestellt und darauf sogar noch vereidigt worden ist, dann erfüllt man diese Aufgabe - vor allem wenn man mitbekommt, dass mit allen Mitteln gegen die Maut gekämpft wird und man selbst als totaler Versager beschimpft wird. Man weiß dann, wenn man jetzt erkennen lässt, dass man angeschlagen ist, dann stirbt das Projekt.
Frau Stolpe, haben Sie das auch so gesehen?
Ingrid Stolpe: Ich war nicht beunruhigt, weil die Ärzte damals davon ausgingen, dass der Polyp, der im Darm meines Mannes gefunden worden war, nicht bösartig ist.
Haben Sie sich im Nachhinein Vorwürfe gemacht?
Manfred Stolpe: Das war doch damals für mich alternativlos. Für mich war es ein ganz enges Arbeitsprogramm in Berlin. Hätte ich den Hammer fallen lassen, wäre auch die LKW-Maut verloren gewesen, denn der Kanzler signalisierte angesichts der Attacken, mich nicht mehr lange zu unterstützen. Ich musste das Zeitfenster nutzen.
Frau Stolpe, Sie sind Ärztin und waren nie zur Vorsorge. Warum?
Ingrid Stolpe: Ich kenne kaum Ärzte, die dauernd zum Arzt rennen. Ich habe mich immer darauf verlassen, dass ich das schon selbst mitbekomme, wenn ich was Ernstes kriege. Ich hätte auch gar nicht gewusst, wann ich auch noch zur Vorsorge gehen soll - ich hatte doch einen Fulltime-Job! Als ich dann plötzlich Schmerzen in der Brust bekam, dachte ich, ich muss das doch mal untersuchen lassen. Aber der Menschheit würde ich empfehlen, dass sie zur Vorsorge geht.
Frau Stolpe, Ihr Mann ist wegen seiner Gespräche mit der Stasi später als brandenburgischer Ministerpräsident schwer unter Druck geraten. Sie nannten das Hexenjagd und sprachen von Selbstmordgedanken. Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen diesen Belastungen und Ihren Krebsleiden?
Ingrid Stolpe: Das hat ja noch niemand nachgewiesen. Aber undenkbar ist es auch nicht.
Manfred Stolpe: Da hätte ich ja schon früher sterben müssen. Im Umkehrschluss könnte man auch sagen, als der Stress weg war, kam der Krebs.
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