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Neuseeländische Gelassenheit: Ein Tsunami – nix wie hin

Neuseeländer pflegen einen sonderbaren Umgang mit Katastrophenwarnungen. Die meisten gehen erstmal an den Strand, um zu sehen, was auf sie zukommt.

Ein Polizist holt nach einer Tsunami-Warnung Schwimmer aus dem Wasser.
Ein Polizist holt nach einer Tsunami-Warnung Schwimmer aus dem Wasser.
Foto: AFP

Als das Pazifische Tsunami-Zentrum in Hawaii im Anschluss an ein starkes Seebeben bei den Kermadec-Inseln am Donnerstag eine Tsunami-Warnung für das rund 1000 Kilometer weiter im Süden gelegene Neuseeland herausgab, machten dort viele Leute das, was sie in so einem Fall immer tun: Sie strömten an Häfen und Strände, um nachzuschauen, ob und wie hoch das Wasser steigen würde.

So halten es viele Neuseeländer, seit sie einmal auf der Nordinsel vor einer heranrauschenden Riesenwelle gewarnt wurden, auf den Berg rannten – und nichts passierte. Seither schauen sie lieber persönlich nach, ob da etwas kommt. Und jeder versucht, was kommt, mit der Videokamera zu filmen. Wer die spannendsten Bilder hat, ist der Held des Tages.

Andere sitzen zu Hause vor den Fernsehgeräten, sehen die Landsleute mit ihren Kameras da stehen, wo laut Vorhersage demnächst ein verheerender Tsunami eintreffen soll, und schütteln darob verwundert ihre Köpfe.

„Warum so dramatisch?“

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Als die Tsunami-Warnung am Donnerstag nach 90 Minuten aufgehoben wurde, beschwerte sich der neuseeländische Zivilschutz über die Wortwahl des Tsunami-Zentrums in der Ferne. Das Wort „Warnung“ solle durch „Alarmbereitschaft“ ersetzt werden. „Warnung“ klinge zu dramatisch, und was wüssten die Leute in Hawaii schon über die Spezifika der Gewässer Neuseelands. Darauf gab das Pazifische Tsunami-Zentrum bekannt, es werde seine Wortwahl „ungefähr 2013“ ändern.

Das Wasser ist trotzdem gestiegen, rund 50 Zentimeter in der Bay of Islands im Nordosten der Nordinsel Neuseelands und 30 Zentimeter im Waitemata Harbour, dem Freizeithafen der Millionenstadt Auckland. Aber es gab keine zerstörerische Flutwelle, da das Beben von Nord nach Süd verlief und Tsunami-Wellen nach Ost und West gezogen wären. Das Beben der Stärke 7,6 hatte nicht direkt Katastrophen-Potenzial, das Epizentrum lag 170 Kilometer von der Hauptinsel der Kermadecs, Raoul Island, entfernt. Auf der Inselgruppe sind Erdbeben an der Tagesordnung, zudem sind zwei Vulkane aktiv. Die einzigen Bewohner sind – derzeit jeweils vier – Wissenschaftler und ehrenamtliche Helfer der neuseeländischen Naturschutzbehörde DOC. Sie betreuen auf Raoul Island eine Wetter- und Funkstation, verfolgen die Aktivität des 2740 Meter hohen Stratovulkans, bekämpfen Schädlinge und Unkraut, um Flora und Fauna der Inselkette zu schützen.

Ein Wissenschaftler kam vor fünf Jahren ums Leben, als einer der drei Hauptkrater just in dem Augenblick ausbrach, als der Mann die Temperatur des Kratersees maß. Das Erdbeben vom Donnerstag überstanden alle acht temporären Insel-Bewohner unverletzt. Sie berichteten, es habe zwar moderat gerumpelt, aber Schaden sei nicht entstanden. Wer auf Raoul Island lebt, ist einiges gewöhnt.

Autor:  Sissi Stein-Abel
Datum:  8 | 7 | 2011
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