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Einsame Mörder: Bei Amokläufern ähneln sich die Täterprofile

Die Jugendlichen, die schwerbewaffnet ihre (frühere) Schule stürmen, verbindet nicht nur das Attentat. Es ist auch das Täterprofil, das sich erschreckend ähnelt. Von Marianne Quoirin

Es wird viel geforscht über Massenmorde von Teenagern. "School shootings" wurde zum neuen Begriff in der Literatur über die uralte Geschichte des Amok. Aber das Unterfangen, auf den psychologischen Kern des Schul-Amoks vorzustoßen, gestaltet sich schwierig. Denn fast alle Täter haben sich entweder selbst getötet oder sind von der Polizei erschossen worden.

Überleben sie, geben sie an, sich an nichts mehr zu erinnern. "Hat sich der Affekt entladen, ist die Tat für den Betroffenen meist nicht mehr nachvollziehbar und erscheint wie ein grausiger Film", sagt der Psychiater Lothar Adler, Direktor des Landesfachkrankenhauses Mühlhausen in Thüringen.

Nur aus Befragungen von früheren Mitschülern, Lehrern und Eltern lassen sich einige Erkenntnisse gewinnen. Die Jugendlichen, die schwerbewaffnet ihre (frühere) Schule stürmen, verbindet nicht nur das Attentat. Es ist auch das Täterprofil, das sich erschreckend ähnelt.

Viele Amokläufer stammen aus der unteren Mittelschicht, gehören nicht zum so genannten Prekariat. Sie sind aber soziale Außenseiter, rangieren ganz unten in der Schul-Hierarchie. Sie kapseln sich ab oder bleiben von der Gemeinschaft ausgeschlossen, weil sie etwas komisch oder wunderlich sind. Sie sind vereinsamt, ohne dass es jemand registriert. Keiner der Attentäter hatte zum Beispiel eine Freundin. Dafür lieben sie Gewalt- und Horrorfilme und oft auch solche Computerspiele. Alle waren Waffennarren.

Viele Attentäter informierten sich über das Internet, sie posierten vor Digicams, produzierten makabre Video-Clips. Denn den meisten ging es nicht nur um die Tat, sondern auch darum, die Vorgeschichte für die Nachwelt zu dokumentieren: Amoklauf und Selbsttötung sollen öffentlich sein. "Hass treibt mich an. Ich bin so voller Wut. Jeder ist gegen mich. In dem Moment, in dem meine letzte Hoffnung gestorben ist, werden auch andere Menschen sterben", so kündigte der Schüler Eric Harris das Massaker von Littleton an. Die Botschaften deutschen Amokläufer klingen ebenso verzweifelt, aber niemand hat sie vor der Tat wahrgenommen.

Autor:  MARIANNE QUOIRIN
Datum:  12 | 3 | 2009
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