Es geht um das Fell des Bären. Rund sechs Millionen Euro soll Knut im Hauptstadtzoo "verdient" haben. Der Tierpark Neumünster will davon etwas abhaben. Ein Gütevorschlag scheitert vorerst.
Eisbär Knut hat Besucher in Massen angezogen und Millionen in die Kassen gespült.
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Eisbär Knut hat Besucher in Massen angezogen und Millionen in die Kassen gespült.
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Berlin. Das Gezerre um Millionengewinne durch Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo geht weiter. Ein Gütevorschlag des Berliner Landgerichts scheiterte am Dienstag. Nun wollen der Tierpark Neumünster in Schleswig-Holstein als Eigentümer von Knut und der Hauptstadt-Zoo maximal noch zwei Monate verhandeln, ob und zu welchem Preis der Zoo den Publikumsliebling kauft. Der Zoo bot 350.000 Euro - "und keinen Cent mehr".
Neumünster wollte mit seiner Klage ursprünglich erreichen, dass der Zoo seine Gewinne durch Knut offenlegt, um dann einen Anteil zu fordern. Knut-Vater Lars stammt aus Neumünster und war in die Hauptstadt ausgeliehen worden. Laut Vertrag gehört der erste Nachwuchs dem Tierpark Neumünster.
Der Gerichtstermin war Chefsache. Sowohl der Berliner Zoochef Bernhard Blaszkiewitz als auch der Tierparkdirektor aus Neumünster, Peter Drüwa, kamen. Das Gericht bezweifelte, ob die Klage aus Neumünster überhaupt begründet ist und schlug den Berliner Zoo-Vertretern vor, 700.000 Euro zu zahlen, um den Streit zu beenden. Das lehnte der Zoo als nicht verhandelbar ab.
Sechs Millionen Euro Einnahmen
Knut, der Eisbär-Star
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Alles begann am 5. Dezember 2006 im Berliner Zoo. Der kleine Eisbär "Knut" erblickt das Licht der Welt. Doch Mama Eisbär will den Kleinen nicht akzeptieren. So entscheidet sich Tierpfleger Thomas Dörflein, den kleinen Eisbären per Hand aufzuziehen.
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Die regelmäßige Knuddeldosis ist für den kleinen Knut besonders wichtig. Der Kontakt zum menschlichen Mama-Ersatz ist eng und herzlich.
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Doch lange währt der Frieden nicht. Eisbärenbaby Knut hat bald "ausgeschlafen" und will seine Umgebung - das Heim von Tierpfleger Dörflein, entdecken. Die hölzerne Toilettenbürste macht dem verspielten Jungtier besonders viel Spaß.
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Doch bei allem Entdeckergeist ist es hier am Schönsten: in den Armen von Pfleger Thomas Dörflein. Für beide - Mensch und Tier - ist es daher besonders schwer, dass Knut bald ausziehen muss...
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... denn der kleine Eisbär muss sich an sein Gehege im Berliner Zoo gewöhnen.
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Dort zieht er die Besucher magisch an - ohne es zu merken. Schließlich gibt es im neuen Gehege viel zu entdecken.
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Noch freut sich Tierpfleger Dörflein über die unmittelbare Nähe zu Knut. Doch das "Pfötchengeben" könnte schon bald problematisch werden.
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Beim Spielen im Dreck sollte Knut etwas vorsichtiger sein. Als Braunbär hat man bekanntlich in Deutschland einen schweren Stand.
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Knut auf Entdeckungstour in seinem Gehege im Berliner Zoo.
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Inzwischen ist es kaum noch vorstellbar, dass Tierschützer den jungen Eisbär haben einschläfern lassen wollen. Ihre Begründung: die Aufzucht mit der Hand würde Knut für immer in seinem Verhalten stören.
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Handaufzucht hin, Handaufzucht her, Knut ist nicht nur süß, sondern auch ein wahrer Erfolgsgarant für den Berliner Zoo. Millionen Menschen aus der ganzen Welt reisen an, um ihn zu sehen. Und von Verhaltensstörungen merkt keiner etwas. Bald bewegt sich der kleine Eisbär ganz sicher in seinem Gehege.
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Knuts Artgenossen schmilzt der Lebensraum unter den tapsigen Pfoten weg.
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Bald ist bei Pfleger Thomas Dörflein voller Körpereinsatz gefragt, wenn er mit Knut spielt. der kleine Eisbär verlangt ihm viel ab: Im Spiel gehören Kratzer und blaue Flecken fest zum Alltag. Mit fünf Monaten ist Knuddel-Knut schon viel zu groß, um mit seinem Pfleger Thomas Dörflein durchs Gehege zu tollen.
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Mit sieben Monaten bringt Knut schon viel Gewicht auf die Waage: das "Baby" wiegt inzwischen 40 Kilogramm.
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Im Alter von 11 Monaten gehört Knut schon längst zu den Halbstarken seiner Art. Von Wasser kann er gar nicht genug bekommen - sein Fell schützt ihn perfekt vor Nässe und Kälte.
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Doch für den jungen Eisbären gibt es immer noch Neues zu entdecken: Knuts erster Schnee fällt. Kunststück, dass er gar nicht genug davon bekommen kann!
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Das schmeckt gut! Knut schleckt Schnee - und genießt.
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So muss das sein: Genug Futter, genug Schnee und ein junger Eisbär, der darin herumtollen kann!
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Inzwischen bringt Knuddel-Knut schon über 100 Kilo auf die Waage und kann auch richtig großspurig tun. Zwei Millionen Menschen haben den Berliner Zoo bereits wegen ihm besucht. Doch es ist fraglich, ob Knut in Berlin bleiben kann.
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Der erste Geburtstag: Knut ist schon ziemlich ergraut. Von dem einst strahlenweißen, tapsigen Bärenbaby sind nur die dunklen Knopfaugen und das verspielte Wesen geblieben. Knut ist fast erwachsen.
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Noch immer zieht der stattliche Jungbär Besucher aus ganz Deutschland an - er ist eben ein Star.
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Knuts berühmter Ziehvater Thomas Dörflein wird am 22. September 2008 tot in einer Wilmersdorfer Wohnung gefunden. Er wurde nur 44 Jahre alt und war angeblich bereits seit längerer Zeit schwer krank.
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Dörflein hatte den winzigen Knut kurz nach seiner Geburt im Dezember 2006 mit der Flasche aufgezogen. Er lebte mehrere Wochen mit dem kleinen Eisbären im Zoo. Dörflein war der Rummel um seine Person stets zu viel. Angebote, bei Johannes B. Kerner und Günther Jauch in Fernseh-Talkshows aufzutreten, schlug er aus. Um den Landes-Verdienstorden kam er jedoch nicht herum.
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Wo menschliche Stars Autogrammkarten unterschreiben müssen, kann Knut nur passen. Aber trotzdem gibt es den kleinen Eisbären zum Mitnehmen. Ob aus Porzellan...
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... oder auf der Briefmarke verewigt - Knut wird dort immer klein und drollig bleiben.
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Auch politisch ist der berühmte Eisbär engagiert. Als Star seiner Art muss er natürlich für den Klimaschutz kämpfen.
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Vom kleinen Baby-Bären, der vom Tode bedroht war, zum mustergültigen Bären - Knut war ein Unikat.
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Eurovision Song Contest
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Rund sechs Millionen Euro soll Publikumsstar Knut im Hauptstadtzoo "verdient" haben. Der Tierpark Neumünster will davon etwas abhaben, darauf pocht Direktor Peter Drüwa mit seiner Klage.
Berlin sieht die Besitzrechte anders. Mehrere Einigungsversuche scheiterten - Neumünster monierte eine "totale Verweigerungshaltung" der Berliner. Hauptstadt-Zoochef Bernhard Blaszkiewitz konterte: "Die bekommen ein paar Pinguine, und dann ist die Sache in Ordnung." Jetzt hat das Gericht in diesem in der deutschen Zoo-Geschichte wohl einmaligen Fall das Wort.
Die schroffe Ablehnung aus Berlin hatte Drüwa in seinem kleinen Tierpark in Schleswig-Holstein von Anfang an auf die Palme gebracht. Vielleicht nicht ohne Hintergedanken wählte er für seine Zoo-Führung im Mai das Thema: "Pinguine - eine vornehme Gesellschaft oder was?". Mit Pinguinen will er sich wohl nicht abspeisen lassen, davon haben sie in Neumünster selbst genug, hieß es. Der Tierpark brauche das Geld dringend für Renovierungen.
Knut könnte Berlin verlassen
Seit der spektakulären Weltpremiere von Eisbär-Baby Knut am 23. März 2007 haben mehr als sieben Millionen Menschen die Attraktion besucht. Das Zoo-Ticket kostet 12 Euro. Die Bilder vom Spiel und den Schmusestunden mit seinem Ziehvater Thomas Dörflein, der im September 2008 überraschend starb, gingen um den Erdball. Der Souvenirhandel kam schnell in Schwung. Der von seiner Mutter verstoßene und mit der Flasche aufgezogene Knut wurde sogar Kino-Star.
Das Gezerre um Knut, der auch als Symbol bedrohter Tiere gilt, hat noch weitere Aspekte. Es ist zwar unstrittig, dass Zoo-Chef Drüwa in Neumünster gemeinsam mit dem niederländischen Koordinator für die europäische Eisbär-Zucht, Janos Szantho, am Ende über die Zukunft von Knut entscheiden kann. Wohin der junge Eisbär letztlich kommt oder ob er doch in der Hauptstadt bleibt, liegt nicht in der Hand von Zoo-Chef Blaszkiewitz, der Knut gerne behalten will.
Drüwa setzt genauso auf das Gericht wie Berlins Bären-Betreuer Heiner Klös. "Wir sind gelassen und warten ab, was vor Gericht passiert. Hauptsache ist, dass es Knut wunderbar gut geht." Die Haltung Knuts hat aber auch Kritik ausgelöst. Der Tierschutzbund forderte den Stopp der Eisbärzucht, die Berliner Grünen-Abgeordnete Claudia Hämmerling nannte Knut "den einsamsten Bär der Welt in Isolationshaft".
Ein Cottbuser, der im Dezember 2008 in Knuts Gehege sprang und unverletzt davonkam, sagte über sein Motiv: "Der Bär sah so traurig aus." Knut ist der letzte von mehreren Eisbär-Lieblingen in deutschen Zoos, der noch allein lebt. (dpa)