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Eisbären: Wilbär planscht und Ewa rodelt

In Europas größtem Eisbärenpark soll es bald Nachwuchs geben. Die lange Reise hoch nach Norden scheint dem Stuttgarter Wilbär gut zu bekommen. Von Hannes Gamillscheg

Der in Stuttgart geborene Eisbär Wilbär entzückt nach seiner Umsiedlung in den hohen Norden schwedische Eisbär-Fans.
Der in Stuttgart geborene Eisbär Wilbär entzückt nach seiner Umsiedlung in den hohen Norden schwedische Eisbär-Fans.
Foto: dpa

Die lange Reise hoch nach Norden an den schwedischen Siljan-See scheint Wilbär, der Eisbärdarling der Stuttgarter, unbeschadet überstanden zu haben. "Er hat sich prächtig akklimatisiert, ist ständig im Wasser und badet, schwimmt und taucht", berichtet Torbjörn Wallin, der Direktor von "Polar World" in Orsa nach den ersten Tagen mit seinem neuen Schützling. Die neu errichtete Anlage ist Europas größtes Eisbärengehege und soll nun die neue Heimat des für Stuttgart zu groß gewordenen Einjährigen sein.

Nur selten wird Wilbär das Planschen zu viel, dann kommt er an den Zaun und äugt, als ob er sich vergewissern wolle, ob unter den Besuchern ein paar alte Bekannte aus Deutschland seien. Die 1400 Kilometer aus Stuttgart nach Schweden hat er schlummernd in einem abgedunkelten Lastwagen verbracht. Tierschützer hatten kritisiert, dass die Trennung zu früh für Wilbär und seine Mutter käme. Doch jetzt tauscht er seinen Geburtszoo gegen eine 40.000 Quadratmeter große Freiluftanlage und seine Mutter gegen eine um zwei Jahre ältere Eisbärendame namens Ewa, die in einem Zoo in Rotterdam zur Welt kam und schon seit ein paar Wochen durch das Gehege streift.

Zur Erheiterung der Gäste erklimmt sie dort den künstlichen Gletscher und rodelt auf ihrer Kehrseite in die Tiefe. Schnee aus einer eigenen Schneekanone sorgt für die arktischen Verhältnisse, die die Eisbären lieben; und natürlich ist auch für ausgiebig Platz in Höhlen gesorgt, wenn die Tiere nach der Sommersaison an den Winterschlaf denken. Polar World ist das bisher ambitiöseste Projekt, das zur Erhaltung der durch Klimawandel und schmelzendes Polareis bedrohten Eisbären beitragen soll. Im Anschluss an den bereits bestehenden Bärenpark entstand ein Gehege, das viel weitläufiger ist als alle anderen Anlagen, die es bisher für das größte Raubtier der nördlichen Hemisphäre gab. "Wenn sie zu wenig Platz haben, bekommen sie ein stereotypes Verhalten und gehen rastlos hin und her", sagt Tom Arnbom, der Eisbärenexperte von WWF. Deshalb haben andere schwedische Zoos ihre Eisbären wieder abgegeben. "Hier in Orsa haben sie viel bessere Verhältnisse", lobt Arnbom.

Vorerst sind die beiden Bewohner des Polarparks noch durch einen hohen Zaun voneinander getrennt. Wilbär ist noch zu jung für erotische Gefühle und ein nicht geschlechtsreifer Jüngling riskiert eine schmerzhafte Abfuhr, wenn er sich ungestüm einer Dame nähert. Doch die Betreiber hoffen, dass sie die Tiere bald schon aneinander gewöhnen und einander zuführen können, denn Aufzucht der in freier Wildbahn immer weniger fruchtbaren Raubtiere ist eines der Ziele des Projektes. "Wir hoffen auf viele Eisbärenjungen, denn in der Natur sterben sie rasch aus, und Tierparks wie dieser könnten der letzte Ausweg sein, um ihren Fortbestand zu sichern", sagt Arnbom.

Zoologen sehen Wilbär und Ewa als genetisch passend an, um Stammeltern einer neuen Eisbärengeneration zu werden, die dann auf andere europäische Zoos verteilt werden könnte. Jetzt ist an den beiden Jungtieren, füreinander Sympathie zu finden. Landeshauptfrau Maria Norrfalk, die den Park einweihte, ist jedenfalls bereit: "Ich bin auch Standesbeamtin. Wilbär und Ewa brauchen nur Bescheid zu geben, wenn sie fühlen, dass sie so weit sind." Für 2011 rechnet man in Orsa fest mit ein paar kleinen Wilbärchen.

Autor:  Hannes Gamillscheg
Datum:  19 | 5 | 2009
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