"Alle reden vom Wetter - nur wir nicht!" So warb die Bundesbahn in den 70er Jahren für ihre Winterfestigkeit. Das war einmal, wie derzeit die Störungen im Schienenverkehr zeigen. Was war damals besser? Bei der Deutschen Bahn ist man natürlich bemüht, den Verdacht auszuräumen, der Staatskonzern auf Börsenkurs spare womöglich auch bei den Wintervorbereitungen und damit wieder mal am falschen Platz. Im Gegenteil, heißt es dort. Vorsorglich allerdings werden nun die Bereitschaftskräfte in den sieben Betriebszentralen kräftig um mehrere hundert Mann aufgestockt.
Früher gehörten fest gefrorene Weichen zu den Hauptproblemen der Bahn in frostigen Zeiten. Da rückten Wartungstruppen schon mal mit dem Schneidbrenner aus, um den Stahl aufzutauen und die Strecke wieder flott zu machen. Heute kommt das seltener vor. Denn zwei Drittel der rund 60.000 Weichen bundesweit sind bereits mit Heizungen ausgerüstet, die das Festfrieren verhindern.
Dafür machen heute vereiste Oberleitungen viele Probleme. Wegen einer defekten Oberleitung mussten am Donnerstagabend etwa 1000 Zugpassagiere in Belgien bei eisigen Temperaturen auf Rettungskräfte warten.
Da in dem Zug zwischen Brüssel und Gent der Strom ausfiel, verteilte der Zivilschutz zum Wärmen Decken und heiße Getränke, berichtete die Nachrichtenagentur Belga. Im Zugverkehr kam es wegen des Unfalls zu Verspätungen.
Wenn die Leitungen vereist sind, bekommt die Lok über den Stromabnehmer keine Energie und steht still. Früher kam das seltener vor, denn damals gab es noch viel mehr Dieselzüge. Heute fährt der DB-Fuhrpark in der Regel mit Strom, fast zwei Drittel des 34.000 Kilometer langen Gleisnetzes sind elektrifiziert.
Moderne Züge sind heute zudem vollgepackt mit Elektronik. Diese Technik ist besonders empfindlich für Temperaturschwankungen. Eine Schwäche, die vor Weihnachten die Fahrgäste im Eurostar erleben mussten, der im Kanaltunnel einfach stehen blieb. Auch am Donnerstag blieb nach heftigem Schneefall in Großbritannien und Frankreich erneut ein Zug im Tunnel unter dem Ärmelkanal über zwei Stunden liegen und musste von einer anderen Lock ins Freie geschleppt werden.
So mag, wer wegen Kälte- und Frostpannen Verspätungen, Umwege oder Zugausfälle hinnehmen muss, wehmütig an den alten Werbespruch denken. Altgediente Bahner aber haben berechtigte Zweifel, ob die damalige Behördenbahn damals ihrem vollmundigen Anspruch je gerecht wurde.
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