Weil es sich nicht vermeiden lässt?
Ja. Mein Sohn Tindy hat mich zum Beispiel auf die Gala zu Mandelas 90. Geburtstag begleitet. Natürlich ist es etwas komisch, stets die Presse zu meiden und dann gemeinsam zu dem Ereignis des Jahres zu gehen, über das am meisten berichtet wird. Aber wer würde nicht zu Mandelas 90. Geburtstag gehen, nur weil Fotografen da sind? Im Grunde genommen ist es eine Art Handel. Wenn man sich auf einer Veranstaltung fotografieren lässt, verfolgen die Paparazzi einen nicht bis zur Haustür.
Ms Thompson, Sie engagieren sich in mehreren Wohltätigkeitsprojekten....
Entschuldigen Sie, wenn ich Sie an dieser Stelle unterbreche, aber ich mag das Wort Wohltätigkeitsarbeit nicht. Wohltätigkeit ist ein Wort, das ins viktorianische Zeitalter gehört, als Wohltätigkeit bedeutete, freundlich und mildtätig gegenüber anderen zu sein. Mir geht es um etwas anderes.
Und zwar?
Um soziale Gerechtigkeit. Ich weiß, dass das ein großes Wort ist. Ich bin keine Utopistin, aber ich glaube daran, dass man ein größeres soziales Gleichgewicht schaffen kann als im Moment.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Projekte aus, in denen Sie sich engagieren?
Ich unterstütze zum Beispiel die internationale Organisation ActionAid, weil ich ihre Philosophie und ihre politischen Ziele ebenso wie die Art und Weise, wie sie diese umsetzen wollen, sehr schätze.
Das müssen Sie erläutern.
ActionAid hilft Menschen, ihre Rechte einzuklagen. Ihr Recht auf sauberes Wasser, ihr Recht, nicht an Hunger sterben zu müssen, ihr Recht, in der Lage zu sein, ihre Kinder zu ernähren, und ihr Recht als Frauen, eigenen Besitz zu haben. Solche Sachen. ActionAid ist eine weltweite Bewegung, und ich bin Teil davon. Es handelt sich also nicht wirklich um Wohltätigkeitsarbeit. Ich halte nichts davon, wenn sich die westliche Welt aufspielt wie die Kavallerie in einem Western, in ein Land reitet, alles gerade biegt und sich dann wieder davonmacht. Das ist nicht mehr zeitgemäß.
Inzwischen gibt es kaum einen Star, der nicht sein eigenes Wohltätigkeits- oder auch Hilfsprojekt hat. Ist soziales Engagement inzwischen zu einer Pflicht für Prominente geworden?
Ich weiß nicht. Meiner Erfahrung nach sind viele berühmte Menschen, die Geld haben, wirklich eifrig dabei zu helfen. Und ich glaube, in der Mehrzahl der Fälle sind ihre Motive aufrichtig. Man sollte sich mehr Gedanken über das fehlende Engagement unserer Finanzinstitute, Wirtschaftsunternehmen und der multinationalen Konzerne machen.
Neuerdings macht sich eine weltweite Öffentlichkeit genau darüber sehr viele Gedanken. Das ist das Gute an der Finanzkrise.
Es wird Zeit, ja. Um ehrlich zu sein, bin ich wirklich geschockt von der Scheinheiligkeit in den Chefetagen. Ich war Anfang des Jahres in Darfur, einem Ort voller Maschinengewehre, an dem ein Unternehmen mit Plakaten für sich warb, auf denen stand "committed to make the world a better place" (zu Deutsch: "Wir wollen die Welt verbessern"). Das ist wahrer Zynismus.
Stimmt es eigentlich, dass Sie Ihre vielen Afrika-Reisen in einem Buch verarbeiten wollen?
Ja, ich habe bislang fünf Kapitel, und mir fehlen noch weitere fünf. Ich glaube, ich brauche noch ein paar Jahre. Ich kann nicht mehr so oft reisen, weil ich meine Tochter nicht so lang allein lassen will.
Warum nehmen Sie sie nicht einfach ab und zu mit?
Im Dezember werde ich meine Tochter mit nach Uganda nehmen. Aber in der Regel sind meine Reisen nichts für Kinder. Ich kann kein achtjähriges Mädchen an einen Ort mitnehmen, wo Menschen hungern. Das wäre unfair. Obwohl Gaia schon jetzt sehr bewusst wahrnimmt, was in anderen Teilen der Welt geschieht. Und natürlich hat sie einen Bruder, der aus Ruanda geflohen ist. Also sie weiß, dass das Leben auch anders sein kann. Aber es ist unfair, Kindern zu viel zuzumuten.
Und wie ist es mit Ihnen selbst? Muten Sie sich auf Ihren Afrika-Reisen nie zu viel zu?
Nein. Ich sehe diese Reisen und vor allem dieses Buch nun mal als eine Lebensaufgabe an.
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