Die Moderatorin fragt das aschblonde Mädchen mit Fransenpony und weißem Blüschen, ob es denn aufregend gewesen sei bei der Premiere des Kinofilms - ihres Kinofilms. "Oh ja", sagt das Mädchen und rollt mit den Augen, "die vielen Leute, die Journalisten, überall Kameras, das war wirklich ", sie hebt kurz die Hände, "unheimlich." Dann schiebt sie sich eine Strähne hinters rechte Ohr und legt ihre Hände in den Schoß.
Ganz aufrecht sitzt sie da - lächelt, beantwortet brav die Fragen. Neben ihr sitzt ein rothaariger Junge, der immer nur sagen kann, wie verrückt das alles sei. Als die Moderatorin fragt: "Warst du manchmal auch ein bisschen unzufrieden mit deinem Spiel?", antwortet die Kleine: "Ja, aber das ist bei Schauspielern immer so." Und all das kindliche-aufgekratzte, das Emma Watson bis dahin ausgestrahlt hat, scheint mit einem Mal verflogen.
Emma Charlotte Duerre Watson, 19, wurde als Hermine Granger, die Freundin des Zauberlehrlings Harry Potter, berühmt. Sie wurde in Paris geboren, 1995 zog sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder ins britische Oxfordshire.
Harry Potter und der Halbblut-Prinz, der sechste Teil der Saga, feierte jetzt Weltpremiere in Tokio, London und New York. Filmstart in Deutschland ist am 16. Juli.
Das war 2001. Und der Mitschnitt auf YouTube zeigt: Emma Watson war schon damals, mit elf Jahren, ein Profi. Angeblich sprach sie schon als Dreijährige davon, dass sie Schauspielerin werden wollte. Mit sieben Jahren gewann sie einen Lyrikwettbewerb, im Schultheater spielte sie meist Hauptrollen. Und dann, 2000, setzte sie sich beim Casting für den ersten Harry-Potter-Film gegen unzählige Konkurrentinnen durch. Als Hermine Granger, die Freundin des Zauberlehrlings, wurde sie zum Kinder-Star.
Aus dem kleinen Mäuschen ist inzwischen eine Frau geworden. Mit großen Schritten schreitet die 19-Jährige über den roten Teppich und lächelt in die Kamera, schiebt sich, mit derselben Geste wie vor neun Jahren, eine Haarsträhne hinters Ohr.
Inzwischen läuft der sechste Harry-Potter-Film an, der auch wieder ein Kassenschlager werden dürfte. Trotz des unaufhaltsamen Aufstiegs - Zweifel und Ängste haben Emma Watson irgendwann doch eingeholt. So hatte sie 2007 erklärt, für die letzten beiden geplanten Potter-Filme nicht mehr vor die Kamera treten zu wollen. Zwar hatte sie "nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Ich konnte immer Kind sein". Aber Emma habe Angst, sagte damals eine Freundin, für immer Hermine Granger zu bleiben - obwohl sie fest daran glaube, ihr Talent auch in anderen Filmen beweisen zu können. Das hat sie 2008 getan, und zwar in "Ballet Shoes" nach dem gleichnamigen Roman der Britin Noel Streatfeild. Es scheint, als konnte Watson den Knebelvertrag lösen, der sie bislang auf die Rolle der strebsamen Hermine festlegte.
Vielleicht witterte Emma Watson damals auch ihre Chance, aus dem Potter-Zirkus auszusteigen und damit dem Schicksal der späteren Erfolglosigkeit, die Kinderstars wie etwa "Kevin allein zu Haus"-Darsteller Macaulay Culkin ereilte, zu entgehen. Als sie einmal mit einer Bierflasche posierte, wähnte sie die Klatschpresse mit 20 in der Entzugsklinik. Ihr Kommentar damals: "Sehr frustrierend." Die Bilanz: Bisher keine Skandale.
Dass sie dann doch nochmal ihren Namen unter den Vertrag für die letzten beiden Filme gesetzt hat, ist sicher nicht nur dem Verhandlungsgeschick der Produzenten zu verdanken. Auch Joanne K. Rowling soll ihr bei der Entscheidung geholfen haben, verriet Watson dem Stern. Aber auch der Jungstar dürfte gut gepokert haben - laut Daily Mirror soll sie pro Film rund drei Millionen Euro Gage bekommen. Loyalität fällt da nicht schwer: Auf die Frage, ob die Figur Hermine nach dem fünften Teil denn überhaupt noch eine Herausforderung darstelle, sagte Watson dem Stern: "Manchmal spiele ich sozusagen auf Autopilot. Dann muss ich mir Mühe geben, dass meine Auftritte echt und frisch wirken."
Trailer: "Harry Potter und der Halbblutprinz"
Auf dem roten Teppich hat sie das längst erreicht. Bei der Verleihung der BAFTA (Britische Akademie der Film- und Fernsehkunst) Awards 2009 in London präsentierte sie sich als selbstbewusste, freundliche junge Frau, die lächelnd Autogramme gab und für Fotos mit Fans posierte. Keine großen Gesten, kein superbreites Lächeln mit weißen Beißerchen. Sie gibt sich dezent, unspektakulär. Nicht unbedingt frisch, aber echt. Und: selbstbewusst. Sie könne sich inzwischen sogar vorstellen, sich vor der Kamera auszuziehen. Aber da müsse schon jemand wie der italienische Starregisseur Bernardo Bertolucci kommen und sie bitten. Bisher ist da nichts näheres bekannt.
Bemerkenswert ist, wie sich ihre Ausstrahlung im Laufe der Zeit gewandelt, wie sie Charakter ausgebildet hat - über ihre Figur hinaus. Vielleicht war ihr Glück, dass Hermine und Emma sich so sehr ähnelten. Sie selbst hat einmal gesagt, es gebe viele Gemeinsamkeiten. Wie die wissbegierige Hermine habe auch sie immer die Herausforderung gesucht, "im Sport, in der Schule und intellektuell". Im August 2008 hat Watson in den Fächern Englische Literatur, Geografie und Kunst ihr Abitur gemacht - mit einem Notendurchschnitt, der ihr auch an Eliteuniversitäten die Türen öffnet.
Geld spielt sowieso keine Rolle. Watsons Vermögen dürfte rund 20 Millionen Euro betragen - Werbeeinnahmen nicht mitgerechnet. Sie hat bei Chanel ihre Kollegin Keira Knightley beerbt und gehört inzwischen auch zur "Burberry Family", dem Model-Team des britischen Modeherstellers. Übers Modeln sagte Watson im Kölner Stadt-Anzeiger: "Ich möchte, dass die Menschen mich so sehen, wie ich wirklich bin, und ich will mich nicht für die Vision eines Stylisten verbiegen müssen."
Eigentlich wollte Emma Watson Philosophie in Cambridge studieren, aber sie hat sich jetzt dazu entschlossen, in den USA zu studieren. Eine pragmatische Entscheidung, wie sie versichert. Cambridge sei so ein kleines Kaff, da würde sie zum Ausgehen doch wieder nur in London landen. Auf dem Campus der Columbia-Universität im US-Staat New York aber hofft sie, eine von vielen zu sein, eben das Mädchen aus dem Platon-Seminar, das nach Kursende seine Bücher einpackt und dann in der Masse untertaucht. Vermutlich gelingt Emma Watson auch dieser Zaubertrick.
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