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Entwicklungshilfe : Schmücken mit Shakira

Das Haus des Ministers Dirk Niebel (FDP) sucht sich prominente Sympathieträger, um das Thema Entwicklungshilfe aufzuwerten. Popstars wie Shakira helfen aber auch, um von den finanziellen Einschnitten der kommenden Jahre abzulenken.

        

Der Star und der Sekretär: Shakira und Hans-Jürgen Beerfeltz in Frankfurt.
Der Star und der Sekretär: Shakira und Hans-Jürgen Beerfeltz in Frankfurt.
Foto: Michael Schick

Das Pressegespräch in einem Nobelhotel im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen gleicht zu Beginn einem Theaterstück mit dem denkbaren Titel „Warten auf Shakira“. Es dauert, wie es eben dauert, bis sich die berühmte Sängerin blicken lässt. Und so verteilt, während sich Kameras und Fotografen mühsam in die richtige Schusslinie zwängen, das Entwicklungsministerium schon mal die Presseerklärung.

Es geht, steht dort geschrieben, um eine neue Art der Partnerschaft. Im Klartext: Das Haus des Ministers Dirk Niebel (FDP) sucht sich prominente Sympathieträger, quasi eine Public-Promi-Partnership, um geschickt von den finanziellen Einschnitten der kommenden Jahre abzulenken. So geht sparen heute.

Der kolumbianische Weltstar war zu diesem Zweck am Abend zuvor extra mit einem Privatjet aus dem österreichischen Graz eingeflogen worden, um rechtzeitig in Frankfurt präsent zu sein. Shakiras 60 Mann starker Tournee-Tross musste dagegen mit der Linie Vorlieb nehmen, wenige Stunden nach dem Pressegespräch stand die Sängerin dann auf der Bühne der Frankfurter Festhalle.

Bildung gegen Armut

In Frankfurt trifft sie am Nachmittag den deutschen Entwicklungsstaatssekretär Hans-Jürgen Beerfeltz. Auf dem Programm steht kein Latino-Pop, sondern die Unterzeichnung eines Kooperationsabkommens zwischen Ministerium und der Stiftung „Barfuß“ in Bogota. Gemeinsamer Nenner sei die Einsicht, erklärt der liberale Beerfeltz, dass Bildung die beste Waffe gegen Armut sei.

Etwa eine halbe Stunde nach Beginn des Pressegesprächs hat das Warten ein Ende, die Sängerin mit den langen blonden Haaren schwebt herein, sofort umringt von etwa 20 Fotografen und Kamera-Leuten. Es folgt ein kurzes Statement, Tenor: Sie habe vor 14 Jahren die Stiftung ins Leben gerufen, insbesondere zur Unterstützung der vielen vom Bürgerkrieg entwurzelten Flüchtlingskinder in Kolumbien.

Shakira in der Festhalle

Bildergalerie ( 25 Bilder )

Es dürfen Fragen gestellt werden – insgesamt aber nur drei, um die Sängerin nicht zu überfordern. Der Korrespondent einer Nachrichtenagentur möchte wissen, ob Shakira schwanger sei. Die negative Antwort schickt er sogleich rund um den Globus. Auch die zweite Frage nach ihrer Fußballbegeisterung spielt auf ihr Privatleben und ihren neuen Partner an. Und zum Schluss lässt sich wahrhaftig noch eine Frage zum eigentlichen Thema stellen: Wieviel Geld die Stiftung für Investitionen zur Verfügung habe und was bisher erreicht worden sei? Die Antwort kommt von Beerfeltz, der an ihrer Stelle über Zukunftsperspektiven spricht: „Die ersten Maßnahmen werden mit Beginn der Kooperation am 1. September 2011 in der kolumbianischen Stadt Cartagena umgesetzt.“ Dort werden Lehrpläne und Schulmaterialien erarbeitet, die über die Rechte von Binnenvertriebenen – insbesondere von Frauen – aufklären sollen.

Ein weiterer Schwerpunkt werde, so heißt es weiter, auf der Lehrerfortbildung liegen. An den Schulgebäuden der Stadt müssten dringend die Folgen einer Überschwemmung beseitigt werden. Zum Thema Geld gibt die Stiftungsleiterin Patricia Sierra bereitwillig Auskunft: Etwa fünf bis sechs Millionen Euro stünden jährlich zur Verfügung. Bisher habe man unter anderem sechs Schulen gebaut.

Shakira für Deutschland

Staatssekretär Beerfeltz blickt zu frieden in die Runde. Sein eigentliches Ziel ist es, im Jahr des 50. Jubiläums die Arbeit seines Hauses interessanter zu machen: „Shakira ist eine wundervolle Möglichkeit, das Thema Entwicklungszusammenarbeit in der deutschen Bevölkerung weiter zu verbreiten.“

Autor:  Roland Bunzenthal
Datum:  14 | 6 | 2011
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