Was auch immer über sein Leben sonst noch zu sagen ist, musikalisch hat Michael Jackson in jedem Fall eine flüchtige Existenz geführt. Der Künstler war auf keinen Stil festgelegt, in seiner Karriere hat er von den Anfängen mit den Jackson Five bis zu den letzten Veröffentlichungen kaum ein Genre ausgelassen: Rhythm and Blues, Disco, Pop, Rock Beliebig oder bis zur Unkenntlichkeit entstellt hat er dabei nie geklungen. Vor allem seine Stimme gewann seit Mitte der 1970er deutliche Konturen, und spätestens mit dem Welterfolg "Thriller" (1982) verfügte sie über ein Repertoire mit hohem Wiedererkennungswert, durchdringend und beweglich, zugleich hauchend, seufzend, glucksend, ja kindlich.
Dass Jacksons Stimme im Laufe der Zeit gewisse Manierismen entwickelte, bestätigt nur ihre Einmaligkeit. Dabei wusste der Sänger seinen Verächtern wie seinen Liebhabern immer wieder ein Schnippchen zu schlagen. Kaum hatte man sich an eine Masche gewöhnt, so wurde sie bald ersetzt. Auch dies gehört zur Flüchtigkeit Jacksons. Die Könnerschaft ließ an der Glaubwürdigkeit des Künstlers zweifeln: Wer so souverän über seine musikalischen Mittel verfügt, kann es mit den Inhalten nicht ernst meinen.
Besonders deutlich wird dies am "Thriller". Hier geht es, dem Inhalt nach, auch um das harte Gettho-Leben, Jugend-Gangs - und damit um jene Street-Credibility, über die Jackson nicht verfügte. Das zeigt sich etwa beim Song "Beat It" und dem Video: Die Gangster-Pose wirkt anmaßend, geradezu lächerlich. Jackson bediente sich aber eines Tricks. Er lud keinen Geringeren als den Heavy-Metal-Gitarristen Eddie van Halen ein, mit einem Solo der vergnügt wirkenden Straßenszene Bodenhaftung zu geben. Ohne Eddies Solo hätte man das ambitionierte Projekt rundweg vergessen können. Wir können das auch so verstehen: Michael Jackson ließ andere machen, was andere besser können.
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