Es gibt angelernte Tänzer, das müssen heute fast alle Popstars und -sternchen sein. Und es gibt geborene Tänzer, die sich ausbilden. So einer war Michael Jackson.
Der geschlechtslose Tänzer
Es gibt angelernte Tänzer, das müssen heute fast alle Popstars und -sternchen sein. Und es gibt geborene Tänzer, die sich ausbilden. So einer war Michael Jackson. Ein leichtfüßiger, feingliedriger, graziöser Junge, der den Rhythmus in sich hatte. Und den schwarzen Straßenswagger, diese kleinen Bewegungen, mit denen der Macho-Hahn sein Gefieder schüttelt. Er hatte sie von dort, wo er herkam.
Ein Stichwort vor allem fällt immer zum Tänzer Jackson: Moonwalk. Ein "Gang", als habe der Ausführende ein Rollband unter den Füßen, als sei das gar nicht er, der da gleitet, als müsse er nur jeweils die Fersen ein wenig heben, völlig anstrengungslos. Am Ende ging Jackson einen Augenblick in den absoluten Zehenspitzenstand, als spiele er nur.
Michael Jackson hat den Moonwalk bestimmt nicht "erfunden", wie immer zu lesen ist. Wie jeder gute Choreograf und Tänzer hat er Bewegungsmaterial aufgesogen und weiterverarbeitet. Er fand seins vor allem in der schwarzen Kultur: Angefangen bei den Minstrel Shows über die Leichtigkeit des Stepp bis zum Straßentanz jeder Couleur. Der Breakdance blühte schon, als Michael ein Teenie war; seine Entwicklungsformen wie Popping und Locking wird der Star Jackson nicht weniger aufmerksam verfolgt haben. Man sieht es in seinem Tanz. Aber man sieht auch, dass er die Rauheit der Straßen-Moves glättet, sie verfeinert.
Die Auftritte, die Videos zeigen über die Jahre, wie ein eleganter, zarter Junge tanzend zuerst zum Mann - der berühmte Griff in den Schritt -, dann zum androgynen Wesen werden will. Er ist ein goldener Sklave, wenn er in einem Video vor Pharao Will Smith tanzt, eine geschlechtslose Schönheit.
Michael Jackson muss ein Perfektionist gewesen sein wie Gene Kelly, in seinen Auftritten passiert kein Fersenaufsetzen oder Handgelenkabknicken einfach so. Dass er trotzdem leicht und lässig wirkt, das waren seine Begabung und seine Kunst. Von Sylvia Staude
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