Bevor Sandra Naujoks Millionärin wurde, versuchte sie sich als Lehramtsstudentin. Sie jobbte als Grafikerin und Model, kellnerte für vier Euro pro Stunde. Inzwischen führt die 27-Jährige ein Leben wie im Jetset. Der Wendepunkt ihres Lebens kam mit dem Umzug nach Berlin vor vier Jahren. Die gebürtige Dessauerin kannte niemanden in der Hauptstadt, "doch in Clubs zu gehen, um Leute kennen zu lernen, fand ich doof", erinnert sie sich während des Treffens in einem Café in der Kastanienallee im Bezirk Prenzlauer Berg.
Dann entdeckte sie das Pokern im Internet. Sie studierte mit zunehmender Begeisterung Fachliteratur und erstellte Wahrscheinlichkeitsrechnungen. 2007 saß sie erstmals am Pokertisch in einem Berliner Casino. Nach den ersten Erfahrungen am Spieltisch ging alles ganz schnell: Im Herbst 2008 gewann sie als erste Frau die Poker-Europameisterschaft, und im März 2009 die mit 917 000 Euro dotierte "Poker-Stars European Poker Tour" (EPT), die Champions League unter den Pokerturnieren.
Sandra Naujoks, 27, zählt zu den besten Pokerspielern in Deutschland und Europa. Anfang März will die amtierende Europameisterin in ihrer Wahlheimat Berlin ihren Titel verteidigen.
Die "Poker-Stars European Poker Tour" (EPT) ist Europas bedeutendstes Pokerturnier. Vom 2. bis 7. März spielt die internationale Zocker-Elite auf dem Potsdamer Platz in Berlin um viel Geld.
Mehr als zwei Millionen Dollar hat sie bereits erspielt. Das sollte reichen, um finanziell ausgesorgt zu haben - mehr sagt sie dazu nicht. Zumal sie weit davon entfernt ist, die Karten aus der Hand zu legen. "Ich kann mir nicht vorstellen, einen anderen Beruf auszuüben. Außerdem gibt es noch viel zu erreichen, ich habe gerade erst begonnen." Sie lächelt schelmisch - eine fast überschwängliche Regung der schwarzhaarigen Frau, die die meiste Zeit des Gesprächs beherrscht und abgeklärt wirkt.
Ein Leben lang am Pokertisch?
Ein Leben lang am Pokertisch? Für Naujoks durchaus denkbar. Ihr nächstes Etappenziel ist die Titelverteidigung des EPT. In diesem Jahr ein Heimspiel, denn das hochrangige Pokerturnier wird zum ersten Mal in Berlin ausgetragen. Und zwar in fürstlichem Ambiente: Für das Turnier Anfang März soll auf dem Potsdamer Platz ein zweistöckiger, 2000 Quadratmeter großer Glaspavillon errichtet werden. Es soll das bisher größte Poker-Event Deutschlands werden. 1000 Teilnehmer, die jeweils 5000 Euro zahlen, wollen mitmischen. Mit dabei, nicht nur als Werbeträger: Poker-Amateur Boris Becker.
Auch wenn Sandra Naujoks sagt, sie spiele nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Nervenkitzels - sie will natürlich auch dieses Mal absahnen. Den nötigen Ehrgeiz hat sie. Spricht sie von ihrem Job, kneift sie ihre eisblauen Augen zusammen, wirkt hochkonzentriert. "Ein knallharter Job ist das", sagt sie. Ihre Tricks und Kniffe würde sie nicht einmal einem Laien verraten.
Professionell Pokern ist zudem ein Job, der ein geregeltes Privatleben unmöglich macht. Rund 300 Tage ist der neue Star unter den Zockern im Jahr unterwegs. Wie sie da noch Zeit findet für ihre Beziehung mit dem Schauspieler Sebastian Deyle, mit dem sie seit dem Frühjahr 2009 liiert ist - kein Kommentar. Aber vielleicht kann sie sich ja bei Deyle wenigstens hin und wieder eine Schwäche erlauben, in ihrem Beruf geht das nicht. Denn sie bewegt sich in einer Männerdomäne. Nur etwa vier Prozent der professionellen Pokerspieler sind Frauen - und sie haben es schwer. "Als Frau kannst du nur überleben, wenn du taff bist", sagt Naujoks.
Sexistische Sprüche und unmoralische Angebote hört sie nicht selten. "Viele Männer sind testosterongeladene Ego-Spieler, die niemals gegen eine Frau verlieren wollen", hat sie mal in einem Interview gesagt. Als Frau braucht es also doppelt starke Nerven; man darf keine Gefühlsregung zeigen und muss das Verhalten des Gegners richtig deuten - die sogenannten Tells. All das ist Naujoks in Fleisch und Blut übergegangen.
Glücksspiel als Lebensinhalt
Das Glücksspiel ist zu ihrem Lebensinhalt geworden, und obwohl sie die meiste Zeit des Jahres unterwegs ist, kann sie noch Grenzen ziehen. Privat trägt sie gerne auch mal bunte Outfits. Am Spieltisch hingegen ist sie meist schwarz gekleidet, auf ihrem Kopf ein Cowboyhut, in ihrem Mund eine Zigarre oder ein Lollipop - dieses Auftreten hat ihr anfangs den Spitznamen "Black Mamba" eingebracht. Inzwischen ist das ihr Tourniername.
Doch hinter all der coolen Zocker-Attitüde verbirgt sich eine junge Frau mit einem großen Herzen. Sandra Naujoks engagiert sich für caritative Projekte in Afrika und Asien. "Wer viel hat, muss der Welt etwas zurückgeben", sagt sie. Wenn sie von der Welt spricht, schließt das auch ihre Eltern ein, denn "der größte Luxus am Luxus ist, finanziell abgesichert zu sein und den Eltern etwas zurückgeben zu können". So hat sie nach dem EPT-Sieg vor einem Jahr ihrem Vater eine Harley Davidson, der Mutter eine Wohnungseinrichtung und der Oma eine Küche gekauft.
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