Alles in New York drehte sich am vergangenen Wochenende um Facebook. Die Premiere von „The Social Network“, des mit Spannung erwarteten Films über das soziale Netzwerk war zur Eröffnung des New Yorker Filmfestivals das Ereignis in Manhattan. Auf dem roten Teppich am Lincoln Center tummelten sich am Freitag alle, die in der Celebrity-Welt Rang und Namen haben.
Nur einer war auffallend abwesend, der nämlich, um den es bei all dem Wirbel geht. Facebook Gründer Mark Zuckerberg hielt weiterhin konsequent seine Linie durch, sich von dem Film über seinen Aufstieg zum jüngsten Milliardär in der Geschichte zu distanzieren. „Der Film als Film macht Spaß“, sagte er Tage zuvor zur US-Talkerin Oprah Winfrey, mit der er vor allem über seine 100 Millionen Spende für Schulen in New Jersey reden wollte. „Aber mein Leben war nicht so dramatisch.“
Zuckerberg hatte sich von Anfang an geweigert, mit den Machern des Films – Regisseur David Fincher und Drehbuchschreiber Aaron Sorkin – zu kooperieren. Nicht einmal eine Werbeseite auf Facebook durfte der Filmvertrieb Sony schalten – man musste zur Konkurrenz Twitter ausweichen. Der Grund dafür ist nicht schwer zu erahnen, wenn man den Plot des Streifens kennt. Zuckerberg kommt in „The Social Network“ nicht gerade gut weg. „Der Film erzählt den großen amerikanischen Mythos des Self-Made Arschlochs“, schrieb das Lifestyle-Magazin Vanity Fair.
Fincher hat aus der eher unspektakulären Entwicklung einer Website in einem Studentenwohnheim eine Shakespeare-hafte Tragödie über Verrat, Ehrgeiz, Liebe und Gier gemacht. Der Film lässt nicht nur die Frage im Raum stehen, ob Zuckerberg die Idee zu Facebook nicht geklaut hat und stellt ihn als skrupellos und arrogant dar. Schlimmer noch – die implizite These des Streifens ist, dass Zuckerberg Facebook nur erfunden hat, weil er im wirklichen Leben unter massiven Soziopathologien leidet.
Das konnte Zuckerberg nicht gefallen. Den Erfolg des Streifens wird er aber all seiner Internet-Macht zum Trotz wohl nicht stoppen können. Wenn man nach dem Rummel um den Film schon Monate vor der Premiere geht, wird „The Social Network“ zweifelsohne der am meisten beachtete Film der Saison. „Es ist der Film, der die i-Generation definiert“, schreibt Vanity Fair, ein Film über den neuen Typus Unternehmer-Held, den Zuckerberg verkörpert und gleichzeitig eine klassische faustische Moralfabel über den Preis des Ruhmes. Zuckerberg sei darin zwar ein Arschloch, aber immerhin ein: interessantes. Ein schwacher Trost für Zuckerberg. Aber immerhin ein Trost.
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