Es ist gerade einen guten Monat her, da starb Fidel Castro – wieder einmal. Die exilkubanische Schriftstellerin Zoé Valdés twitterte am 2. Januar in alle Welt: „Fidel Castro ist tot.“ Seriöse Medien in Lateinamerika und Spanien nahmen die Falschmeldung für bare Münze und veröffentlichten sie. Seit der Erkrankung des kubanischen Ex-Präsidenten vor knapp sechs Jahren tauchen diese Enten regelmäßig auf. Der 85 Jahre alte Revolutionsführer wird darüber lachen: „Mich haben sie schon so oft für tot erklärt, dass am Ende niemand glaubt, wenn ich wirklich sterbe“, hatte er schon vor Jahren gesagt.
Am Wochenende hat Castro einmal mehr bewiesen, wie lebendig er noch ist. Er präsentierte in Havanna den ersten Teil seiner Memoiren „Guerillero del tiempo“, etwa „Rebell der Zeit“. Das zweibändige Werk wartet mit rund 1 000 Seiten auf und umfasst dennoch nur die Erinnerungen von seiner Kindheit bis zum Sieg der kubanischen Revolution über den Diktator Fulgencio Batista 1959. Aufgeschrieben hat die Erinnerungen des Ruhestand-Revolutionärs eine junge Anhängerin, die kubanische Journalistin Katiuska Blanco.
Ein wenig Selbstkritik
In der inzwischen bekannten Trainingsjacke von Adidas und einem Karo-Hemd diskutierte Fidel Castro nach Angaben kubanischer Medien sechs Stunden mit ausgesuchten Gästen über die Themen der Zeit. Es war das erste Mal seit April vergangenen Jahres, dass Castro sich wieder in der Öffentlichkeit zeigte.
Er plauschte demnach über den Streit zwischen Argentinien und Großbritannien um die Malwinen, die er natürlich nicht Falkland-Inseln nannte. Er warb für die Kostenfreiheit von Bildung und drückte seine Bewunderung für die junge chilenische Studentenführerin Camilla Vallejo aus. Er ließ sich aber auch zu ein wenig Selbstkritik hinreißen: „Wir haben gedacht, im Sozialismus lösten sich alle wirtschaftlichen Probleme von alleine.“
Am Ende betonte Castro, er müsse sich jetzt wieder in die Obhut seiner Ärzte begeben. Er sei ihnen ein treuer „Mitarbeiter“ geworden. Er wollte aber nicht ausschließen, dass er sich noch an die nächsten Teile seiner Lebenserinnerungen macht: „Aber das müsste bald geschehen, denn die Erinnerung lässt mit dem Alter nach.“
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