kalaydo.de Anzeigen

Flüchtlinge: Drama im Mittelmeer

Vor der libyschen Küste sinken zwei Boote mit mehr als 600 Flüchtlingen an Bord. Mehr als 200 Flüchtlinge ertrinken. Die Vereinten Nationen fordern mehr Hilfe. Von Dominik Straub

Überlebende der Flüchtlingskatastrophe vor der libyschen Küste werden in Sicherheit gebracht.
Überlebende der Flüchtlingskatastrophe vor der libyschen Küste werden in Sicherheit gebracht.
Foto: rtr

Beim Versuch, von Libyen nach Italien überzusetzen, sind am Montag vermutlich mehr als 200 Flüchtlinge ertrunken. Laut italienischen und libyschen Medienberichten geriet wenige Kilometer vor der libyschen Küste ein Flüchtlingsschiff in einen Sturm und ging unter. Nach Angaben von Laurence Hart, Sprecher der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Tripolis, befanden sich auf dem Schiff 257 Personen. Zunächst hatte es Berichte über weitere zwei gekenterte Boote gegeben, die aber von den libyschen Behörden dementiert wurden.

Bisher wurden 23 Überlebende und 21 Leichen geborgen, unter ihnen zehn Ägypter. Ein weiteres Boot mit etwa 350 Menschen an Bord, das ebenfalls in Seenot geraten war, wurde bereits am Montag von einem italienischen Schlepper ans sichere Ufer gebracht.

Flüchtlingstragödien

Juni 2003: Ein Schiff mit rund 250 Flüchtlingen sinkt vor der Küste Tunesiens. Nur 41 überleben.

August 2006: Zwischen Westafrika und den Kanarischen Inseln sinkt ein Flüchtlingsboot. 84 Menschen sterben.

Juni 2008: Vor der Küste Libyens kommen 150 Menschen ums Leben.

August 2008: Vor der Mittelmeerinsel Malta ertrinken rund 70 Afrikaner.

Flüchtlingsziel Lampedusa.
Flüchtlingsziel Lampedusa.
Foto: FR-Infografik

Laut italienischen Medienberichten werden derzeit noch etwa 200 Menschen vermisst, doch bestehe kaum Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Das gekenterte Flüchtlingsboot sei schon zu weit von der libyschen Küste entfernt gewesen, weshalb die Schiffbrüchigen nicht mehr schwimmend an Land hätten zurückkehren können, berichtete der IOM-Sprecher. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, betonte, dass das Drama einmal mehr die Notwendigkeit der internationalen Zusammenarbeit bei der Rettung schiffbrüchiger Flüchtlinge unterstreiche.

Sollten sich die Angaben bestätigen, dann handelt es sich um eine der schlimmsten Flüchtlingstragödien der letzten Jahre in libyschen Gewässern. Jedes Jahr machen sich von der Küste des Landes Zehntausende auf den gefährlichen Weg nach Italien; allein auf der Insel Lampedusa waren 2008 mehr als 30 000 Personen gelandet. Die Situation im Abschiebezentrum in Lampedusa, wo es Mitte Februar zu einer gewalttätigen Revolte unter den vorwiegend tunesischen Flüchtlingen gekommen war, ist nach wie vor prekär.

Trotz des schlechten Wetters war es am Montag über 400 Bootsflüchtlingen gelungen, nach Sizilien überzusetzen. In der Nacht zuvor waren erneut 153 Einwanderer in Sizilien gestrandet. Weitere 222 Migranten hatten es am Sonntag bis nach Lampedusa geschafft.

Wie der italienische Innenminister Roberto Maroni am Dienstag erklärte, soll den Todesfahrten ab dem 15. Mai ein Ende bereitet werden: An diesem Tag sollen die von Italien mit Libyen vereinbarten gemeinsamen Patrouillen an der libyschen Küste beginnen. Rom hat unterdessen ein Abkommen ratifiziert, wonach Italien in den nächsten 20 Jahren jährlich 250 Millionen Euro Entschädigung für die Verbrechen während der Kolonialzeit überweisen wird. Als Gegenleistung hat sich der libysche Revolutionsführer Muammar el-Gaddafi zu einer gemeinsamen Kontrolle seiner Küstengewässer verpflichtet.

Der Vertrag war im Sommer zwischen Italiens Premier Silvio Berlusconi und Gaddafi feierlich unterzeichnet worden, doch auch Vertreter des italienischen Regierungslagers hatten sich schwer getan, dem Geldregen für den "Diktator" zuzustimmen.

Autor:  DOMINIK STRAUB
Datum:  1 | 4 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Aktuelle Nachrichten aus der Gesellschaft


Leute
Lebte für die Musik: Whitney Houston.
Whitney Houston ist tot 
Brad Pitt hat keine Angst vor dem Altern – im Gegenteil.
Brad Pitt im Interview 
        

Manfred Krugs erste „Starpostkarte“. Selbst bezahlt, wie er betont.
Manfred Krug im Interview 
Fotostrecke
Menschen 2011 (43 Bilder)

Anzeige

Video

Fotostrecke
Zum Anbeißen: Der Zoo Hannover sorgt beim Füttern für die saisonal passende Deko. Das Erdmännchen hat offenbar seinen Spaß dran.

Manchmal sind es die kleinen, schönen Dinge am Rande, die beeindrucken. Genau die zeigen wir in unseren Bildern des Tages.

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Kolumne
Tempo 30

Am Aschermittwoch 2009 wurde Sebastian Gehrmann 30. Alles war vorbei. Jetzt kann er darüber schreiben.

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Spezial
Test auf Strahlenspuren.

Live-Ticker, Bilder, Videos und Grafiken, Hintergründe, Spendenadressen und vieles mehr im Spezial zur Katastrophe in Japan.

Anzeige

Werben auf dem iPad
Das iPad als Werbeform bietet besonders viele Möglichkeiten. Gerne beraten wir Sie persönlich.