Flughafen Frankfurt, eine kahle Halle im Terminal eins. Hier kommen sie an, die Passagiere des Lufthansa-Fluges 499 aus Mexiko-Stadt, dem Epizentrum der Schweinegrippe.
Es ist kurz vor halb vier, als die ersten um die milchige Glaswand biegen, Rollkoffer an der Hand, die grünliche Schutzmaske noch um den Hals baumelnd. "Der Mundschutz ist von der Lufthansa", erzählt Rüdiger Spindler. In Mexiko-Stadt selbst seien alle Masken ausverkauft, nur das Militär verteile noch welche.
Die mexikanische Hauptstadt, so der 20-jährige Schüler, der Freunde besuchte, sei zur Geisterstadt geworden. "Die Straßen waren komplett leer. Da war kein Mensch", sagt Spindler, "sogar die monotone Geräuschkulisse, die man da sonst immer hört, gab es nicht mehr. Die Stadt war zur Ruhe gekommen."
"Keine Ärzte, keine Fragebögen, keine Untersuchungen"
Und das, obwohl Informationen von Seiten der mexikanischen Behörden zunächst offenbar nur spärlich weitergegeben wurden. "Am Sonntag wussten wir, was am Freitag passiert ist", sagt Spindler, der sich selbst im Internet über die Grippe informierte.
"Ich dachte schon, die Politik will wieder etwas unter den Teppich kehren", sagt auch Cristina Torres, gebürtige Mexikanerin. "Es gab keine Ärzte, keine Fragebögen, keine Untersuchungen, nichts." Erst auf dem Flug seien außer Masken auch noch ein Zettel mit Informationen der Lufthansa ausgeteilt worden. Die Symptome seien unter anderem darauf gestanden. Jetzt hat sie Angst: "Einige haben gehustet."
Auch Uwe Faith, der mit seiner Frau in Cancun im Urlaub war, "lief der Schweiß den Rücken runter, als ich den Fernseher anmachte und die Leute mit den Masken sah, die leeren Plätze und Stadien. Die Medien da drüben reden von einer Pandemie. Bei den Meldungen kriegt man natürlich Angst." Auch er fühlt sich schlecht informiert: "Erst auf Anfrage im Hotel wurde uns gesagt, was los ist."
Selbst Masken besorgt
Verzweifelt versuchten er und seine Frau, den Flug umzubuchen, eine Route zu nehmen, die nicht über Mexiko-Stadt führen würde. "Alles ausgebucht." Das Paar fühlte sich allein gelassen. "Wir haben uns selbst Masken und Handreinigungsmittel besorgt." Doch in Cancun habe niemand Masken getragen. Das Bild änderte sich erst, als die beiden das Flugzeug betraten. "Im Flieger hatten alle Schutzmasken übergezogen", sagt Faith. Der ist jetzt erst einmal "erleichtert, endlich wieder zu Hause zu sein".
Die Angst bei den Passagieren des Lufthansa-Fluges 499 ist an diesem Nachmittag allgegenwärtig. Es gibt aber auch Passagiere, die solche Vorsorge nicht für nötig halten. Stefan Blum, Mitarbeiter einer Entwicklungsbank, fühlte sich in Mexiko selbst zwar "etwas unsicher", ansonsten will er die Gefahr durch das Grippevirus aber nicht überbewerten: "Die Stadt hat 20 Millionen Einwohner, wenn da 1000 erkranken, ist das doch überschaubar." Er selber habe zu denen gehört, die im Flieger keinen Mundschutz getragen hätten.
Auch sein Mitreisender Thomas Fischer sieht keinen Grund zur Panik: "Nein, ich habe keine Angst. Es ist eine Grippe, und gegen Grippe kann man sich behandeln lassen."
Unstimmigkeiten am Flughafen
Eine Gelassenheit, die aber auch nötig zu sein scheint. Es gibt keine sichtbaren Sicherheits-Maßnahmen am Frankfurter Flughafen, und die Zusammenarbeit der Verantwortlichen läuft auch noch nicht reibungslos. Es scheint Unstimmigkeiten hinsichtlich der Sicherheits-Anordnungen zu geben, wie sich auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau herausstellte.
So erklärte der stellvertretende Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, Rene Gottschalk, dass seit Dienstagmorgen die Passagiere jeder Maschine aus Südamerika und Mexiko von Ärzten kontrolliert würden. Dem widerspricht Klaus Busch, Sprecher des Flughafen-Betreibers Fraport: "Mir ist nur bekannt, dass ab Mittwochmorgen jede Mexiko-Maschine von einem Arzt begangen wird. Wir selbst bieten jeder Crew an, bei Bedarf einen Arzt mit an Bord zu schicken." Bisher hätten Ärzte nur für Beratungsgespräche zur Verfügung gestanden, "aber meines Wissens nach nicht für die Kontrolle der Passagiere".
Eine Aussage, die Susanne Rothenhöfer, Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums, zurückweist: "Von unserer Seite gab es die ganz klare Vereinbarung, dass Ärzte ab Dienstagmorgen im Flieger sind." Es sei so, wie es der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes, Gottschalk, gesagt habe. Dessen Angaben seien "richtig", betont Rothenhöfer. Morgen Nachmittag landet in Frankfurt die nächste Maschine aus Mexiko-Stadt.
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