Alberto João Jardim ist der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben. Der 66-jährige Regionalpräsident von Madeira hat das Drama, das am Samstag über seine Insel kam, aus nächster Nähe miterlebt. 52 Menschen kamen nach Stand von gestern Nachmittag bei dem Unwetter über der portugiesischen Atlantikinsel ums Leben, zehn der Opfer wurden in einem überschwemmten Parkhaus entdeckt. Mehr als hundert Menschen wurden verletzt, vier waren noch als vermisst gemeldet. Es ist eine der schlimmsten Naturkatastrophen, die Madeira jemals erlebt hat.
Die Insel braucht Hilfe - und die kommt aus Portugal, vom tausend Kilometer entfernten Festland. Militärtransporter bringen aus der Luft und zu Wasser Rettungsmaterial, Suchtrupps und Gerichtsmediziner zur Identifizierung der Leichen. Auch Portugals Regierungschef, der Sozialist José Sócrates, kam. Gewöhnlich verstehen sich die beiden nicht. Das liegt vor allem an Jardim.
Der Regionalpräsident von Madeira ist der dienstälteste demokratisch gewählte Regierungschef der Welt. Seit 1978 geben ihm die Wähler seiner Heimatinsel untunterbrochen absolute Mehrheiten. Seine Popularität hat hauptsächlich zwei Gründe: Jardim hat die privaten Medien durch massive Subventionen gefügig gemacht, die öffentlichen Medien verstehen sich sowieso als sein Sprachrohr. Und Jardim hat es in den vergangenen drei Jahrzehnten fertig gebracht, den Geldfluss aus Lissabon und Brüssel nach Madeira nie versiegen zu lassen. Er hat Madeira mit gewaltigen Bauprojekten in die Moderne katapultiert, was seinen Mitinsulanern gefällt.
Kritik von der Umweltorganisation Quercus
Auf keinen Fall will er Kritik hören, wie die von der Umweltorganisation Quercus, die nach dreißig Jahren Bauwut "strangulierte" Flussufer auf Madeira ausmacht - ideale Voraussetzung für eine Katastrophe. Bitte Mund halten, grimmt Jardim, schließlich sollen weiter ausländische - vor allem britische und deutsche - Touristen kommen.
Sie kommen auch weiter. Die Fluten haben die Urlauberresorts geschont. Auch Flüge nach Madeira verlaufen wieder planmäßig. Dennoch wurden Ausflüge und Wanderungen für Montag und Dienstag abgesagt - einige Straßen und Wanderwege seien noch gesperrt. (mit dpa)
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