Hamburg/Delhi (dpa) - Gut zwei Wochen nach Beginn der schweren Flutkatastrophe in Nepal und Indien haben Hilfsorganisationen Alarm geschlagen und die Menschen zum Spenden aufgerufen. Mehr als 2,5 Millionen Menschen seien im indischen Bundesstaat Bihar auf der Flucht vor den Wassermassen, teilte die Hilfsorganisation Oxfam Deutschland mit. Andere Organisationen sprechen von vier Millionen Betroffenen. Bislang sollen mehr als 100 Menschen getötet worden sein.
"Die Nachrichten aus Bihar sind erschütternd", sagte der Geschäftsführer von Oxfam, Paul Bendix. Manche Kinder hätten seit mehr als einer Woche nichts gegessen. Oxfam hat bisher nach eigenen Angaben 20.000 Familien mit Trinkwasser, Zeltplanen und Hygieneartikeln versorgt. Die Rettungsaktionen werden erschwert, weil der heftige Regen nicht aufhört.
Die Flüchtlinge müssten dringend in sichere Gegenden gebracht werden, sagte ein Mitarbeiter von Care Deutschland-Luxemburg: "Jetzt geht es darum, Leben zu retten." Die Organisation sei in der Region mit Booten unterwegs und verteile Hilfsgüter. Wegen des schmutzigen Wassers könnten bald Epidemien ausbrechen und die Lage verschlimmern.
Fluss auf 13 Kilometer Breite angeschwollen
Mitte August war der Fluss Kosi nach einem Dammbruch in Nepal über die Ufer getreten und hatte schwere Überschwemmungen ausgelöst. Da der Monsun noch bis etwa Ende September andauert, rechnen Experten nicht damit, dass die Situation bald besser wird. "Im indischen Bundesstaat Bihar ist der Kosi-Fluss streckenweise auf 13 Kilometer Breite angeschwollen", berichtet ein Mitarbeiter die Kindernothilfe. Das Wasser fließe mit rund 100 Stundenkilometern und sei schwarz gefärbt.
Flüchtlinge, die es bis in ein Lager geschafft hätten, fänden dort oft eine katastrophale Situation vor, erklärte der Verein Help - Hilfe zur Selbsthilfe. "Die Hygienesituation in den Lagern ist erschreckend", teilte Help mit. Es gebe kaum sauberes Trinkwasser.
Die Wassermassen bedrohen nach Angaben der Organisation Help Age Deutschland auch zahlreiche alte Menschen. "Sie sind oftmals nicht mehr mobil und können nicht vor den ansteigenden Wassermassen fliehen", sagte Heywood Hadfield von Help Age laut Mitteilung. "Die Menschen mussten große Summen zahlen, um sich mit Booten in Sicherheit bringen zu lassen. Jetzt stehen sie ohne jedes Geld und ohne ihre gesamte Habe da", sagte ein Kollege.
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