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FR-Interview: "Ich glaube, dass es Aliens gibt"

Nasa-Chef Michael Griffin und sein DLR-Kollege Johann-Dietrich Wörner sprechen mit FR-online.de über Legenden und Gefahren der Raumfahrt, die Reise zu Außerirdischen und die ersten Science-Fiction-Filme. Interaktive Grafik: Das Teleskop Glast

Zu Lande, zu Wasser, in der Luft - und im Weltall: Der Mensch als Eroberer.
Zu Lande, zu Wasser, in der Luft - und im Weltall: Der Mensch als Eroberer.
Foto: P. Carril/ESA

Mr. Griffin, wo waren Sie, als der erste Mensch auf dem Mond landete?

Griffin: Sie meinen am 20. Juli 1969 kurz vor 22 Uhr? So etwas vergisst man doch nicht. In dieser Nacht sind alle Menschen in den USA wach geblieben. Ich war damals 20 Jahre alt und studierte Physik an der Johns Hopkins University in in Baltimore, Maryland. Zusammen mit Kommilitonen saß ich im Wohnzimmer eines Studienkollegen vor dem Fernseher. Am nächsten Morgen gab Präsident Richard Nixon den Mitarbeitern der Regierung frei. Da ich nebenher in den Semesterferien für die Regierung jobbte, galt das glücklicherweise auch für mich.

Michael Griffin, Nasa-Chef.
Michael Griffin, Nasa-Chef.
Foto: dpa

Wörner: Ich war zwei Tage vorher 15 geworden und habe auch die ganze Nacht durchgehalten. Ich hatte vorher schon alle Raumfahrtmissionen verfolgt, auch die russischen Versuche. Mein Vater hatte mich, als ich drei Jahre alt war und der Sputnik startete, auf den Arm genommen und mir gesagt: "Guck mal, da fliegt jetzt ein Satellit." Ich habe zwar nichts verstanden, war aber trotzdem fasziniert.

Haben Sie wirklich geglaubt, dass die Astronauten den Mond betreten?

Guckloch ins Universum

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Johann-Dietrich Wörner, DLR-Chef.
Johann-Dietrich Wörner, DLR-Chef.
Foto: dpa

Griffin: Natürlich, darauf hatten wir doch viele Jahre gewartet.

Es gibt Menschen, die behaupten, dass die Mondlandungen in einem Hollywood-Studio gedreht worden sind.

Griffin: Es wäre doch viel komplizierter gewesen, das zu fälschen als tatsächlich auf den Mond zu fliegen. In einer Demokratie ein Geheimnis zu wahren , ist das Schwierigste, was man sich überhaupt vorstellen kann. Da war es doch einfacher, direkt auf dem Mond zu landen.

Mit der Mondlandung wollten Kennedy und später Präsident Nixon im Kalten Krieg der Sowjetunion zeigen, wozu die westliche Supermacht fähig ist. Die Nasa hat davon profitiert, fehlt diese Konkurrenz heute?

Griffin: Konkurrenz ist ein überaus kraftvoller Motor, aber keiner, der lange durchhält. Denn sobald einer den Wettkampf gewonnen hat, fehlt der Grund, weiterzumachen. Die wirklichen Triebfedern für die Menschheit, die Weiten des Weltraums zu erkunden, sind langfristiger und von tiefer Befriedigung. Ehrlich gesagt, ich befürchte, dass die Politiker der westlichen Welt bis heute die enorme Bedeutung der Raumfahrt in ihrer ganzen Tragweite nicht begriffen haben.

Wörner: Zum Glück wurde aber weitergemacht, von Kaltem Krieg ist im All nichts zu sehen. Auf der Internationalen Raumstation kann man problemlos und ohne Pass oder Visa vom russischen in den amerikanischen Teil wechseln oder umgekehrt. Auch ins japanische oder europäische Modul kann man sich ohne Schwierigkeiten bewegen. Das ist nur ein Beispiel für die intensive internationale Zusammenarbeit in der Raumfahrt.

Aber inzwischen fehlen zumindest den USA finanzielle Mittel. Das Space-Shuttle-Programm wird bald auslaufen ...

Griffin: ... und wir werden nicht sofort Ersatz haben. Dafür fehlt schlicht das Geld. Für eine kurze Zeit werden deshalb nur die Russen die Astronauten zur ISS fliegen können. Möglicherweise sind auch die Europäer bald in der Lage, Astronauten ins All zu schicken. Jan, dann würden wir von euch ein paar Tickets kaufen ...

Wörner: ... gute Idee, technisch gesehen könnten wir den Job übernehmen. Wir haben das Columbus-Raumlabor an der ISS gebaut, auch der unbemannte Raumtransporter Automated Transfer Vehicle, ATV fliegt bereits. Er ist in der Lage, vollautomatisch an die ISS anzudocken. Für die Zukunft wäre es sowieso vernünftig, unabhängig voneinander mit eigenen Systemen Menschen ins All bringen zu können. Eine solche Redundanz oder Zweigleisigkeit erhöht für alle die Sicherheit.

Griffin: Das kann ich nur unterstreichen. Mit nur einem System können wir die Internationale Raumstation langfristig nicht am Leben erhalten, in die viele Milliarden investiert worden sind.

Und was wird aus der Mission zum Mars?

Griffin: Wir arbeiten seit drei Jahren sehr hart daran, die ISS-Partner auch für dieses Programm zu begeistern - und daran werden wir auch festhalten.

Es kann aber passieren, dass in Zeiten der Rezession die finanziellen Mittel weiter zusammengestrichen werden.

Wörner: Aber Politiker müssen doch gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten alles tun, um die Konjunktur anzukurbeln. Und wenn sie in die modernsten Technologiebereiche einsteigen, seien das Luft- und Raumfahrt oder Energie, dann ist das Geld sehr gut angelegt, weil es da nicht nur in konjunkturschwachen Zeiten eine unmittelbare Hilfe ist, sondern gleichzeitig auch in der Langfristperspektive wirkt.

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat sich im März sehr distanziert zum Thema Raumfahrt geäußert. Die Nasa habe ihren Fokus verloren und sei nicht länger inspirierend - speziell nicht für junge Menschen. Haben Sie irgendwann mit ihm darüber gesprochen?

Griffin: Nein, bislang noch nicht. Allerdings hat er diese Aussagen inzwischen relativiert.

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Datum:  14 | 11 | 2008
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