Herr Beck, Sie gelten als wandelnder Widerspruch. Ihr Gitarren-Kollege Ritchie Blackmore hat einmal über Sie gesagt: „Jeff Beck geht jede Nacht ein Risiko ein. Manchmal ist er zu nichts zu gebrauchen. Und dann macht er plötzlich wieder Sachen, die anders als alles klingen, was man je gehört hat.“
Dass ich zu nichts zu gebrauchen bin, höre ich nicht so gerne (lacht). Vielleicht sollte ich ihn mir einmal vorknöpfen und fragen, warum er solche Sachen über mich in die Welt setzt.
Als eigensinnigsten aller Rock-Gitarristen hat Eric Clapton den Kollegen Jeff Beck bezeichnet. Beck, 1944 in England geboren, stieg 1965 nach Jahren als Studiomusiker ins Rockbusiness ein, als er Clapton bei den Yardbirds ersetzte. Danach war er als Gitarrist bei Pink Floyd und den Rolling Stones im Gespräch, zog es aber vor, mit eigenen Bands unabhängig zu bleiben.
Becks stilistische Vielfalt hat immer wieder für Erstaunen bei Kritikern wie Fans gesorgt. Alben mit Fusion-Jazz wechseln ab mit Psychedelic Rock und Interpretationen von Klassikern. 2010 erhielt er einen Grammy für seine E-Gitarren-Version von Puccinis Opernarie „Nessun Dorma“.
Am 19. Juni tritt Beck in Hamburg und einen Tag später in Dresden auf. Seine aktuelle CD, der Live-Mitschnitt „Rock’n’Roll Party“ (Warner Music), ist eine Hommage an den verstorbenen E-Gitarren-Pionier Les Paul. FR
Er wollte Sie nicht beleidigen – im Gegenteil. Im gleichen Interview hat er Sie als einen seiner Lieblingsgitarristen bezeichnet.
Ich glaube, dass der Abstand zwischen den guten und schlechten Konzerten mittlerweile etwas geschrumpft ist. Mit 20 oder 30 war ich ziemlich unberechenbar und launisch. Da haben viele Gefühle in mir gewütet. Ich habe weder auf mich noch auf die Leute um mich herum acht gegeben. Es war immer alles Crash Boom Bang.
Das ist auch auf Film dokumentiert. In Michelangelo Antonionis „Blow Up“ gibt es eine berühmte Szene, in der Sie mit den Yardbirds auftreten und tobend eine Gitarre zertrümmern.
Wir hatten damals alle unsere Stimmungsschwankungen. Nicht nur im Film. Manchmal war der Schlagzeuger gereizt und hat seltsames Zeug gespielt. Dann hat Ronnie Blödsinn angestellt, was mich wiederum aufgeregt hat.
Mit dem Rolling-Stones-Gitarristen Ronnie Wood haben Sie in der Jeff Beck Group gespielt. Eine explosive Mischung?
Wir waren wie ein Wanderzirkus. Alles war ziemlich unorganisiert und schlecht geplant. Wir haben erst gespielt, wenn uns danach war. Wenn ein Konzert um acht Uhr angesetzt war, haben wir uns gedacht: „Naja, zehn Uhr geht vielleicht auch.“ Wir haben uns ziemlich verantwortungslos benommen, was auch daran lag, dass wir nicht vernünftig bezahlt worden sind. Meistens sind die Promoter mit dem Geld abgehauen. Überall gab es nur Gier, Gier, Gier. Deswegen haben auch wir uns um nichts geschert.
Sie hatten sogar einen Spitznamen: „Der Axtmörder“.
Gut, dass ich den losgeworden bin! (lacht) Im Ernst: Wenn mich das Leben dahin gebracht hat, wo ich heute stehe, kann es nicht so schlecht gewesen sein. Aber auf einige Erfahrungen hätte ich gut verzichten können. Es waren harte Zeiten. Ich hatte kein gutes Management. Jeden Tag hat man mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich hätte auch an einer Tankstelle enden können, wenn es das Schicksal mit mir nicht gut gemeint hätte.
Sie hatten also Angst, von der Musik nicht leben zu können?
Jeden Tag sind Bands aus dem Nichts entstanden, zu Stars aufgestiegen und haben viel Geld verdient. Das war für mich schwer zu verdauen. Ich habe mich immer gefragt: Was läuft bei mir falsch? Warum habe ich Schwierigkeiten, Alben zu verkaufen und vom großen Publikum wahrgenommen zu werden?
Aber Sie hatten mit den Yardbirds und der Jeff Beck Group doch auch Hits.
Aber nicht im Vergleich zu Eric.
Meinen Sie Eric Clapton? Waren Sie neidisch auf ihn?
Nicht so sehr auf die Art, wie er Gitarre spielte, aber auf seinen Erfolg. Ich war frustriert darüber, dass die Leute ihm zuhörten und mir nicht. Aber ich wollte eben keine Kompromisse eingehen und keine Musik für die Radio-Charts schreiben. Ich habe mich immer nur auf das eingelassen, wozu mich meine Neugier getrieben hat. Wenn ich auf etwas keine Lust hatte, habe ich es auch nicht angefasst.
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