Ein Pate war einmal etwas Gutes. Bis ein gewisser Mafia-Thriller zu einem der Kassenhits der 70er Jahre wurde. Fortan klang das Wort "Pate" ein bisschen düsterer. Seither gilt auch der Regisseur des Filmklassikers, Francis Ford Coppola, als geheimnisvolle Eminenz des US-Kinos. Und wenn er heute tatsächlich erst 70 Jahre alt wird, so gefällt er sich doch schon lange in der Rolle des Patriarchen einer einflussreichen kalifornischen Künstlerdynastie - zu Recht.
Coppola ist der Sohn des Komponisten Carmine Coppola und Vater der Regisseurin Sofia. Dass der Patron heute auf einem Weingut residiert, sollte man nicht als Kuriosität abtun: Unter den guten Tropfen des Napa Valley gelten die Coppola-Weine als angesehen.
Francis Ford Coppola, geboren am 7. April 1939 in Detroit als Sohn einer italo-amerikanischen Familie, gilt als einer der stilbildenden Regisseure der letzten 40 Jahre. Nach frühen Erfolgen mit der Mafia-Saga "Der Pate" zu Beginn der 70er stürzte er sich mit dem monumentalen Kriegsdrama "Apocalypse Now" 1979 in den nervlichen und finanziellen Ruin.
Unabhängigkeit von den großen Hollywoodstudios suchte er Mitte der 70er Jahre mit der Gründung der eigenen Filmfirma "American Zoetrope", die unter anderem die ersten Filme von George Lucas realisierte. Doch das Studio ging nach einem teuren Flop 1981 bankrott. Nach Jahren als Produzent hat Coppola nun wieder Regie geführt: in "Tetro".
Der junge Francis entdeckte als Zehnjähriger seine Liebe zum Kino am Fernsehapparat. Von einem Pfadfindercamp kam er mit dem Polio-Virus zurück, lag neun Monate lang gelähmt im Bett. Und als er wider Erwarten wieder laufen lernte, schenkte ihm sein Vater eine Super-8-Filmkamera. Einen Paten im besten Sinne fand Coppola später im Billigfilmer Roger Corman. Der ließ das Talent in ausgedienten Kulissen den blutigen B-Film "Dementia 13" inszenieren. Es gibt viele Anekdoten darüber, wie ein so mittelmäßiger Film zu einem Studiovertrag mit einem Hollywood-Riesen führen konnte - Fakt ist, dass Coppola fortan zur Riege der Neuerer zählte. Mit Scorsese, Bogdanovic und Spielberg stand er für "New Hollywood".
1972 bereits schuf Coppola mit dem Mafia-Epos "Der Pate" einen Meilenstein des modernen Films. Wie Sinfonien komponierte der Meister seine Filme, erntete Bewunderung durch seine in Rückblenden verschachtelte Erzählform. Freilich: Die Finanziers ließen die komplexe Erzählung für die Fernsehausstrahlung begradigen - Coppola musste umschneiden. Aber so war das eben in jener goldenen Ära des "New Hollywood": Die alten Studiobosse besaßen nicht viel mehr als ihr Geld. Ihre bewährten Rezepte aber waren passé. So vertrauten sie - mit Einschränkungen - einer Jugend, die sie nicht verstanden. Coppola focht das nicht an: Zwei Jahre später drehte er den nicht minder großartigen "Der Pate II" und bekam endlich auch den fälligen Oscar als bester Regisseur.
Tollkühn verschuldet, Haus verspielt, Meisterwerke gedreht
Tollkühn gründete Coppola mit dem Regiekollegen George Lucas (der später den "Krieg der Sterne" inszenierte) das Studio Zoetrope. Das Unternehmen verschuldete sich schwer, um Coppolas drittes Meisterwerk zu ermöglichen, das fiebrige Vietnamkriegsdrama "Apocalypse Now". Schließlich verspielte Coppola Haus und Hof für seinen schönsten Film bis heute, das artifizielle Las-Vegas-Musical "One From the Heart".
Apocalypse Now (Trailer, 1979, engl.)
Doch auch das weitere Werk verdient Bewunderung. Mit seinen Filmen über junge Rebellen, "The Outsiders" und "Rumble Fish", legte Coppola den Grundstein des populären Independentkinos der 1980er Jahre - und entdeckte Matt Dillon, Mickey Rourke und Patrick Swayze.
Diesen kleinen, aber in sich perfekten Filmen fehlt allerdings die Opulenz, die das Publikum mit dem Meisterregisseur verbindet. Tatsächlich aber zeichnet sich Francis Ford Coppola dadurch aus, dass er mehr besitzt als nur ein gutes Auge und eine Schreibmaschine. Er ist ein Renaissancemensch, ein ganz und gar sinnlicher Filmemacher, der baden kann im Licht des Stummfilms "Napoleon", den er restaurieren ließ, damit sein Vater zur Aufführung die Orchestermusik dirigieren konnte, der dann mit "New York Stories" das Drehbuch seiner damals 17-jährigen Tochter Sofia verfilmte, weil er das Herz eines Teenagers zu verstehen glaubte.
Der Pate (Trailer, 1972, engl.)
Jetzt, mit 70, hat ihn das Kino wieder - als Regisseur. Sollen die Weinflaschen ruhig Rubicorn heißen. Auf der Leinwand steht wieder Coppola. Womöglich schon diesen Mai in Cannes: "Tetro" handelt von einer Welt, die er versteht - einer Künstlerfamilie. In Hollywood wettet man darauf, das der Film auf dem Festival läuft.
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