Sarko lernt von Carla: Ein Musikvideo mit dem Staatspräsidenten rockt Frankreich. Nicolas Sarkozy tritt darin als Zeichentrickfigur auf - rappend. Allerdings stammt das prallbunte Vier-Minuten-Schnipselchen nicht aus dem Elysée-Palast, sondern von der Multimedia-Agentur "Mixus" aus Paris.
Ob Sarkozy es lustig findet, als kleinwüchsiger Rapper in weißem Zuhälter-Anzug, mit Protzschlitten und Phallus-Zigarre porträtiert zu werden, ist offen: Aus dem Elysée kam bislang keine Stellungnahme. Der Staatspräsident ist nicht für souveränen Umgang mit Satire bekannt: Eine Voodoo-Puppe mit seinem Gesicht wollte er verbieten lassen, vergeblich.
Vielleicht glaubt Sarkozy, der Spott-Spot diene seinem Image. So, wie es der nach seinem Ebenbild geschaffene Comic-Gnom zu Beginn des Videos formuliert: "Ich habe die altmodischen Reden satt, ich brauch was Neues", grummelt der Anzugträger. "Du brauchst ein Video", haucht es aus einem Liegestuhl, nur die Hand schlenkert am schlanken Gelenk hinter der Lehne hervor - die Stimme ist rauchig wie die der Präsidentengattin und Diseuse Carla Bruni.
Und dann geht's los mit fetten Beats und tanzenden Strapsmädels. Mittenmang: der karikierte Kobold mit der kantigen Kinnpartie und den charakteristischen Augenbrauen. Gut getroffen - und klasse Werbung für die Pariser Agentur, die den Clip auf eigene Rechnung als Demonstration ihres Könnens auflegte.
Virales Marketing nennt sich die Methode: Man stellt ohne viel Gewese einen Clip ins Netz und hofft auf die Verbreitung solcher Witzigkeiten per Mail, auch als "Bürospam" bekannt. In Deutschland in Erinnerung sind die beiden Kaffeetassen der Wiesbadener Agentur Fiftyeight, deretwegen Ende 2005 ganze Belegschaften vor Lachen am Boden ihrer Großraumbüros lagen: "Immä zweima mehr wie Du!"
Das Sarko-Video mit dem Titel "Le Clip qui déchire" (etwa: Der Clip, der es reißt) steht inzwischen nicht mehr nur auf Youtube und Dailymotion, sondern auf einer eigenen Homepage. Die trägt stolz die Logos aller Medien, die schon über das Phänomen berichtet und ihm so ihrerseits Hunderttausende neue Clicks beschert haben. Auch ausführliche Hinweise auf die Urheber gibt es - Sarkozy weiß, gegen wen er klagen muss.
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