Florence Cassez, die ins Zwielicht geratene Geliebte eines mexikanischen Gangsterbosses? Das war einmal. Das ist sieben Jahre her. Die in Mexiko wegen mehrerer Entführungen und Mitgliedschaft in einer bewaffneten Bande zunächst zu 96 Jahren und in zweiter Instanz zu 60 Jahren Haft verurteilte Französin, hat es in der Heimat zur Märtyrerin gebracht. Nach einem aberwitzigen Prozess und sieben Jahren hinter Gittern hat Mexikos Oberster Gerichtshof die Urteile wegen schwerer Verstöße gegen „elementare rechtsstaatliche Grundsätze“ aufgehoben und ihre Freilassung angeordnet.
Am Donnerstag ist die 38-Jährige mit ihrem Vater Bernard auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle eingetroffen, umjubelt von Angehörigen, Freunden, Unterstützern. Blass, das Haar zusammengebunden und mit Schatten unter den Augen, winkt die Heimkehrerin an der Seite des französischen Außenministers Laurent Fabius in die Menge. Sie lächelt, und sagt im Blitzlichtgewitter, wie glücklich sie sei. Bis sie wenig später von der Vergangenheit eingeholt wird und in Tränen ausbricht. Als sie sich gefasst hat, sagt sie: „Ich habe das Gefühl, noch nicht gelandet, im siebten Himmel zu sein.“
Vom Weltwirtschaftsforum in Davos hat Frankreichs früherer Staatschef Nicolas Sarkozy ausrichten lassen, er sei „sehr, sehr glücklich“. Sein Nachfolger Francois Hollande hat angekündigt, er werde die Heimkehrerin und ihre Eltern am Freitag im Elysée-Palast empfangen.
Was immer Florence Cassez an der Seite des Bandenchefs Israel Vallarta getan haben mag: Das Strafverfahren war eine Farce. Einen Tag nach der Festnahme der beiden ließ die Polizei für das mexikanische Fernsehen die Befreiung verschleppter Landsleute und die Verhaftung der zwei Entführer nachstellen – eine Inszenierung, die als Grundlage der Anklage herhalten musste.
Cassez hatte stets ihre Unschuld beteuert. Sie sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, sagte sie. Fest steht, dass sie sich 2004 in den falschen Mann verliebt hat. Auf einer südlich von Mexiko-Stadt gelegenen Ranch lebten sie mit Vallarta zusammen, die dem Kidnapper als Versteck entführter Kinder diente.
Ein Buch will Florence Cassez nun schreiben und erzählen, was ihr widerfahren ist. Noch auf dem Pariser Flughafen hat sie das angekündigt.
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