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Gefängnisbrand in Honduras: Hunderte Gefangene verbrennen in überfüllten Zellen

Nach dem Gefängnisbrand in Honduras mit mindestens 358 Toten sind bei den Ermittlungen weitere erschreckende Details bekannt geworden. Demnach ließen die Wärter die Feuerwehrleute nicht ins Gebäude - sie dachten, es handele sich um Meuterei.

Ein Polizist bewacht zwei Häftlinge, die lebend aus einem brennenden Gefängnis in Honduras entkommen konnten. Foto: Gustavo Amador
Ein Polizist bewacht zwei Häftlinge, die lebend aus einem brennenden Gefängnis in Honduras entkommen konnten. Foto: Gustavo Amador

Wie aus einem Bericht hervorgeht, wurden die meisten der Opfer nie zu einer Haftstrafe verurteilt, viele wurden sogar ohne Anklage festgehalten. Für die Bewachung der 856 Insassen standen den Angaben zufolge zum Zeitpunkt des Unglücks gerade einmal zwölf Wärter zur Verfügung. Durch deren zögerliches Handeln sei das Feuer überhaupt erst zu der verheerenden Katastrophe geworden, hieß es.
Feuerwehrleute von einer Wache in unmittelbarer Nähe seien etwa zwei Minuten nach dem ersten Notruf vor Ort gewesen. Die Mitarbeiter des Gefängnisses hätten ihnen jedoch etwa eine halbe Stunde den Zutritt verwehrt, weil sie nach eigenen Angaben davon ausgegangen seien, dass es sich bei den Schreien aus den Zellen um den Versuch einer Meuterei gehandelt habe. Als die Feuerwehr schließlich hinein durfte, waren dem Bericht zufolge zunächst keine Schlüssel zum Öffnen der Zellen vorhanden.

Opfer verbrannten in den überfüllten Zellen

Ein Großteil der Opfer verbrannte qualvoll in den überfüllten Zellen, wie Überlebende des Unglücks berichteten. Die Zahl der Toten könnte nach Angaben der Ermittler noch weiter steigen. Viele der Gefangenen seien in dem Tumult aber offenbar auch entkommen. Gelegt wurde der Brand nach bisherigen Ermittlungen von einem der Insassen selbst. Es handelt sich um das verheerendste Feuer in einem Gefängnis seit hundert Jahren.

Kirche fordert bessere Haftbedingungen

Mehr als 350 Tote bei Gefängnisbrand

Bildergalerie ( 6 Bilder )

Die Kirche in Honduras hat nach dem Brand umfassende Verbesserungen der Zustände in den Haftanstalten gefordert. Erzbischof Roberto Camilleri von Comayagua drückte den Hinterbliebenen der voraussichtlich Todesopfer sein Beileid aus: „Wir bedauern die schlimmste Tragödie in der Geschichte der Gefängnisse unseres Landes.“

Staatspräsident Porfirio Lobo versprach eine umfassende Aufklärung des Feuers, der in der Nacht zum Mittwoch Teile der Haftanstalt von Comayagua bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Zu viele Gefangene in zu wenig Gefängnissen

Vor gut sieben Jahren kamen bei einer Feuersbrunst in einer Jugend-Haftanstalt in der zweitgrößten Stadt des Landes San Pedro Sula 107 Menschen ums Leben, ein Jahr zuvor starben in La Ceiba an der Atlantikküste 63 Menschen in den Flammen des lokalen Gefängnisses. Nach lokalen Medienberichten gibt es in Honduras 24 Gefängnisse, die für 8000 Menschen ausgelegt sind. Tatsächlich sollen sich aber weit über 13.000 Menschen in den Haftanstalten des Landes befinden. (dapd/KNA)

Datum:  16 | 2 | 2012
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