Jetzt heißt es: warm anziehen. Das sibirische Hochdruckgebiet „Cooper“ bringt klirrend kalte Luft nach Osteuropa und Deutschland, Dauerfrost und Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius werden im Laufe der Woche erwartet. Der Deutsche Wetterdienst warnt kälteempfindliche Menschen keine Außentermine zu planen.
Weil der Mensch nun aber, anders als das Murmeltier, sich nicht einfach in den Winterschlaf begeben kann und auch nicht schildkrötengleich in die Winterstarre verfällt, muss er andere Mittel und Wege finden, um sich bei frostigen Temperaturen warm zu halten. Warme Kleidung hilft da, keine Frage. Doch neben beheizbaren Schuheinlagen, Hightech-Funktionstextilien und russischen Tschapkas gibt es auch andere archaische Überlebensstrategien, um der Kälte zu trotzen.
Von Aufplustern bis Speck anfuttern
Über Jahrtausende haben Tiere, ob an der Antarktis oder in unserem Vorgarten beheimatet, Mechanismen entwickelt, um erfolgreich zu überwintern. Die heimische Getreideblattlaus zum Beispiel kann Temperaturen bis zu minus 23 Grad Celsius aushalten, weil sie den Wasseranteil in ihrem Körper reduziert und die kleine Wassermenge nicht so schnell gefriert. Dies können wir Menschen natürlich nicht nachahmen, andere Dinge aber schon.
Welche das sind, lesen Sie in der Textgalerie!
Wären wir Menschen Vögel, gehörten wir zu der Gruppe der Standvögel. Die bleiben das ganze Jahr über in ihrer Brutheimat. Die harren aus – komme, was da wolle. Der Haussperling gehört zu dieser Spezies. Wenn’s ihm zu kalt wird, plustert er sich auf. Während er zur Kugel mutiert, optimiert er seine Körperoberfläche im Verhältnis zu seinem Körpervolumen und verliert dadurch weniger Wärme. Versuchen wir Menschen das, gelten wir gleich als Angeber, und mehr Energie verlieren die meisten von uns auch bei diesem Akt. Deshalb empfiehlt es sich, es den sogenannten Strichvögeln gleich zu tun. Meisen etwa weichen ungünstigen Witterungszonen kleinräumig aus. Soll heißen: Sie fliegen dahin, wo es milder ist. Wildgänse dagegen sind stets unterwegs. Vor dem Winter in Sibirien fliehen sie in unsere Breiten, weil sie hier Futter finden. Wird das knapp, ziehen sie weiter. Es ist eben eine Ansichtssache, wo es am schönsten ist. (ipm.)
Die Menschen sollten sich am Europäischen Wildkaninchen ein Beispiel nehmen. Im Gegensatz zum Hasen, der sich auch im Winter am liebsten im Freien aufhält, zieht sich das verweichlichte Kaninchen nämlich gern in eine Höhle zurück. Gerade in der kalten Jahreszeit bietet so eine Höhle, angefüllt mit wärmendem Stroh, wunderbaren Schutz vor Nässe und Kälte. Nur wenn es muss, lässt sich das Kaninchen auch mal außerhalb seiner Höhle blicken. Zur Futtersuche zum Beispiel. Oder um andere, weiter entfernt wohnende Kaninchen zu treffen.
Das Europäische Wildkaninchen ist im Gegensatz zum Einzelgängerhasen nämlich sehr gesellig und lebt in mehr oder weniger großen Kolonien. Der Vorteil einer solchen Höhlen-Kolonie ist, dass es nie langweilig wird und, dass die einzelnen Kaninchen sich zusammenkuscheln können, falls es auch innerhalb der Höhle ungemütlich und kalt werden sollte. (kra.)
Eisfische in der Antarktis, Waldfrösche in Nordamerika und Borkenkäfer in Norwegen – ihnen allen kann die Kälte nichts anhaben, weil sie mit natürlichem Frostschutzmittel ausgestattet sind, das sie vor dem Erfrieren bewahrt. Die mit Zucker verknüpften Proteine oder Eiweiße (Glykoproteine) helfen zum Beispiel den Eisfischen den Gefrierpunkt ihrer Körperflüssigkeit zu senken und so bei Minusgraden im Wasser zu überleben. Der Waldfrosch kann mit einem hohen Blutzuckerspiegel tiefgefroren auf wärmere Zeiten warten. Leider hat die Natur den Homo sapiens nicht mit natürlichem Gefrierschutzmittel ausgestattet. Dennoch können wir durch Zuckerzufuhr in Form von heißer Schokolade oder Tee für innere Wärme sorgen. Auch der Genuss von Warmgetränken mit Alkohol, oder Alkohol pur kann die Gemüter erhitzen. Allerdings sollte sich der alkoholtrinkende Mensch nicht im Freien aufhalten, sondern dieses „gefühlte Frostschutzmittel“ in warmen Stuben einnehmen. Alkoholkonsum in der Kälte kann zum Absinken der Körpertemperatur führen – was uns, anders als Eisfischen – nicht gut tut. (liv.)
Pinguine frieren nicht“ – so der Titel eines hinreißenden Buches aus der Feder des russischen Autors Andrei Kurkow. Recht hat er, denn die gefiederten Seevögel verfügen über eine isolierende Fettschicht, ein dichtes Daunenkleid und eine formidable Bürzeldrüse. Mit deren Absonderung, einem Gemisch aus Öl und Wachs, imprägnieren Pinguine ihren Frack und können so Temperaturen bis zu minus 70 Grad Celsius aushalten. Das Wichtigste jedoch, worüber die antarktischen Kältespezialisten verfügen, ist ein ausgeprägtes Sozialgefüge. Sobald die Temperaturen anziehen und schneidend kalte Winde über die Brutplätze hinwegziehen, rückt die Pinguin-Kolonie eng zusammen, um den Nachwuchs zu sichern, den jeder einzelne Pinguin in einem warmen Verschlag unterhalb des Bauches birgt. Wir Menschen können durch die Nachahmung dessen nicht nur unser schwindendes Sozialverhalten trainieren, sondern auch gleichzeitig Heizkosten sparen. (sky.)
Elegant ist etwas anderes, zumindest was die torpedohafte Körperform der Robbe angeht. Doch der kleine Kopf, der rudimentäre Schwanz und die in den Körper eingelassenen Gliedmaßen machen aus der Robbe einen wahren Überlebenskünstler. Die Raubtiere können auch deshalb in den kältesten Zonen der Weltmeere überleben, weil sie ein günstiges Verhältnis von wärmeproduzierendem Körpervolumen zu wärmeabgebender Körperoberfläche besitzen – eine Eigenschaft, die auch die größten, vor allem in polaren Meeren angesiedelten Walarten, Blauwal und Finnwal, überleben lässt. Dass bei den Robben das Körpervolumen zu einem großen Teil aus einer direkt unter der Haut gelagerten Fettschicht besteht, isoliert die Tiere mit den Kulleraugen zudem vor der Auskühlung. Nun ist es nicht unbedingt ratsam, den menschlichen Körper auf Robbenformat zu trimmen, doch ein wenig Winterspeck schützt allemal vor zu viel Gänsehaut. (sky.)
Schräge Kandidaten, internationale Musik: Das ist der Eurovision Song Contest in Baku. Wegen der politischen Zustände in Aserbaidschan wird er dieses Jahr heftiger Kritik begleitet. Mehr dazu im Spezial.
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