In Rio de Janeiro sind Drogenbanditen auf der Flucht vor der Polizei in ein Luxushotel eingedrungen und haben 35 Geiseln gekommen. Die Täter ergaben sich nach stundenlangen Verhandlungen. Bei einer heftigen Schießerei vorher kam eine Frau ums Leben.
Das Drama begann am Samstagvormittag, als ein Trupp von rund 60 schwerbewaffneten und teilweise vermummten Drogenhändlern auf der Rückkehr von einem Fest auf die Polizei stieß. Es kam zu einem 20 Minuten langen Schusswechsel, bei dem eine Frau erschossen wurde; vier Polizisten erlitten Schusswunden.
Auf der Flucht vor der Polizei drangen zehn Verbrecher durch den Lieferanteneingang und die Küche in das Intercontinental-Hotel im Nobel-Stadtteil São Conrado ein und nahmen 35 Menschen als Geiseln. Darunter waren zahlreiche ausländische Touristen. In dem Hotel logierten am Wochenende rund 1500 Gäste, davon etwa 300 Ausländer. Verbrecher und Polizei verhandelten fast drei Stunden, wobei die Mutter eines der Drogenhändler vermittelte. Dann kamen die Geiseln frei, die zehn ergaben sich der Polizei.
Die Bande kam in fünf Kleinbussen, zwei Autos und per Motorrad aus Vidigal, einer Favela zwei Kilometer vom Intercontinental entfernt, und wollte nach Hause in die Nachbar-Favela Rocinha, die direkt an das Nobel-Viertel São Conrado anschließt. Normalerweise ist São Conrado ebenso wie andere benachbarte großbürgerliche Viertel ruhig; der Drogenhandel in Brasilien achtet darauf, dass seine bürgerlichen Kunden in ihren Wohngebieten nicht durch Kriminalität belästigt werden.
Der Gouverneur von Rio de Janeiro, Sergio Cabral, lobte die Polizeiaktion und sagte, „binnen kurzem“ werde die Bevölkerung von Vidigal und Rocinha frei von der Herrschaft der Verbrecher sein. Seit 2009 hat die Polizei elf Favelas in Rio de Janeiro besetzt und den Drogenhandel vertrieben, was die Bevölkerung normalerweise mit Erleichterung begrüßt. Aber Vidigal und Rocinha sind wegen ihrer Nähe zum Konsumenten höchst einträgliche Drogenumschlagplätze.
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