Wie wird man Manager? Macht man ein Examen? Nein, es sei "einer der seltenen Fälle, wo man in Deutschland kein Examen macht", erkannte Kurt Tucholsky. Das war 1930. Damals hieß der Manager noch Direktor oder, wenn er eine "Schar hundsgemeiner Direktoren" befehligte, Generaldirektor. Jeder könne es nicht werden, glaubte der Satiriker: "Man ist Generaldirektor, oder man ist es nicht."
Aber der Fortschritt ist unaufhaltsam. Heute muss sich niemand mehr damit abfinden, die für einen Manager notwendigen Eigenschaften nicht in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Jeder kann es werden. Vorausgesetzt, sie oder er nimmt an entsprechenden Studiengängen, Summer Schools, wie Ferienlager für Führungskräfte genannt werden, oder Seminaren teil.
Das kostet zwar meist eine Menge Geld. Dafür lernt der (angehende) Manager aber alles, was man so zum Managen braucht. Etwa in Fallbeispielen, wie das Unternehmen X dem Konkurrenten Y das Wasser abgegraben hat. Oder wie es seine Steuern optimierte. Mit derlei Fachwissen allein ist es heute aber nicht mehr getan. Der moderne Manager sollte darüber hinaus eine Persönlichkeit sein, besser: eine Führungspersönlichkeit mit sozialer Kompetenz.
Deshalb haben sich zahlreiche Seminare der Vermittlung von Verhaltenstechniken verschrieben, die sich teils wunderbar ergänzen. Wer dort beispielsweise erfahren hat, wie man mit den Wölfen heult, kann seine Charakterbildung abrunden, indem er anschließend im Kuhstall über das Wesen von Alpha-Tieren meditiert.
Für die Anbieter ist die hohe Nachfrage eine feine Sache. Für die restliche Wirtschaft weniger. Denn leider haben uns all diese teuren Veranstaltungen keine besseren Manager beschert. Oder gar die tiefste Krise seit den 1930er Jahren verhindert. Im Gegenteil: Der Verdacht liegt nahe, dass sie, indem sie den Machbarkeitswahn und die abstrusesten Management-Moden beförderten, nicht unwesentlich zu dem weltweiten Schlamassel beitrugen.
Derlei Misserfolge dürften dem Geschäft allerdings kaum schaden. Der gemeine Manager verlangt nach Seminaren und Examen, seien sie noch so fruchtlos. Ähnlich wie Tucholskys Generaldirektor, den eine "ganz leise, wehe Sehnsucht nach einem verhinderten Doktortitel" umgab.
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