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Glücksbringer: Einfach mal richtig gut abgehen

Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen über gute Anfänge und tolle Enden - von der Darmspiegelung über Partys bis hin zu Beziehungen.

Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen.
Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen.
Foto: dpa

Meine Oma wusste schon: "Man soll immer gehen, wenn es am schönsten ist!" Den Nobelpreis für diese Erkenntnis bekam aber nicht meine Oma, sondern Daniel Kahneman, der das Phänomen genau analysierte und es als "Peak-End-Rule" bezeichnete. Das Prinzip: Unser Hirn errechnet die Zufriedenheit mit einem Ereignis aus zwei Messgrößen, dem Höhepunkt des Ereignisses und dem Endpunkt. Daraus wird eine Art Mittelwert bestimmt. Je rascher auf einen intensiven Höhepunkt das Ende folgt, desto schöner bleibt das Ganze in Erinnerung.

Dummerweise verhalten wir uns meist umgekehrt. Wir investieren viel mehr Zeit in einen guten Auftritt als in einen guten Abgang! Was tut man nicht alles für einen guten ersten Eindruck? Mit Klamotten, Make-up und aufgesetztem Lächeln wird nachgeholfen. Es stimmt zwar: Man bekommt für einen ersten Eindruck nie eine zweite Chance. Aber einen schlechten letzten Eindruck kann man noch nicht mal mehr ausbügeln, nur aussitzen. Merke: Der letzte Eindruck bleibt!

Ein Beispiel: Ich gehe auf eine Party, auf der ich drei Stunden lang glücklich bin. Nur die letzte Stunde langweile ich mich. Objektiv betrachtet: drei Stunden Spaß, eine Stunde blöd, netto habe ich mich zwei Stunden amüsiert. Aber so rechnet unser Gedächtnis nicht. Diese Party wird in der Erinnerung schlechter abschneiden als eine, auf der ich nur eine Stunde lang war, jedoch 60 Minuten richtig Spaß hatte und dann gleich ging. Im Gegensatz zu Handwerkern rechnet unser Hirn nicht "brutto wie netto" - der Mehrwert-Erinnerungs-Satz kommt am Ende erst drauf.

Sanfter Abgang

In meiner Anfangszeit als Varieté-Moderator war ich sehr erstaunt, dass ein Großteil der Proben sich auf das Finale konzentrierte, also auf das Schlussbild, das Verbeugen, die kleinen Überraschungen am Ende des Programms. Die alten Showhasen kannten zwar nicht die "Peak-End-Rule", aber sie beherzigten sie aus Erfahrung.

Und um noch ein medizinisches Erkenntnismoment einzubringen: die Darmspiegelung. Eine Darmspiegelung ist eine höchst nützliche Sache, jedermann und jede Frau ab 55 sollten alle zehn Jahre dafür mal beim Arzt vorbeischauen. Wenn alles in Ordnung ist, kann man ziemlich sicher sein, die nächsten zehn Jahre lang keinen Darmkrebs zu bekommen. Aber ob die Menschen ein weiteres Mal zur Untersuchung kommen, das hängt von den letzten 60 Sekunden ab!

Das Gerät, mit dem der moderne Medizinmann dort Licht spendet, wo die Sonne nie scheint, heißt Koloskop. Zieht der Untersucher diesen Schlauch am Ende der Untersuchung unsanft heraus, bleibt im Gedächtnis: Autsch. Da gehst du nie wieder hin. Schafft der wissende Untersucher aber einen sanften Abgang, dann schlaucht der Schlauch viel weniger. Auch wenn zwischendurch der gleiche unangenehme Schmerz empfunden wurde, bleibt hängen: Ach, so schlimm war es eigentlich nicht.

Wie die Darmspiegelung, so die Beziehung - ein abruptes und schmerzhaftes Ende, und ich wünsche dem Ex-Partner Darmspiegelungen an den Hals und anderswohin, bis an sein hoffentlich bitteres Ende. Ein sanftes Auseinandergehen, und wir können Freunde bleiben.

Autor:  Eckart von Hirschhausen
Datum:  20 | 4 | 2010
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