"Die Geburt meines Kindes": Der mit Abstand am häufigsten genannte Glücksmoment. Nun habe ich das als Vater noch nicht erlebt, als Mutter erst recht nicht, aber als Arzt war ich oft bei Geburten dabei. Und das ist mit das Bewegendste, was man so erleben kann. Ich weiß noch genau, wie ich als Austauschstudent in England das erste Mal assistieren durfte - und bei aller Romantik feststellte: Es ist nicht alles schön bei einer Geburt. Und es ist auch nicht alles Kind, was dabei herauskommt. Vor allem kommen die nicht so hübsch sauber und rosig wie im Kino.
Als ich das Köpfchen sah, dachte ich sofort: Oh Mann, da ist jetzt aber auch alles schiefgegangen. Gequetschte Knochen übereinander, blau angelaufen mit weißer Schmiere überall. Aber dann, dieser magische Moment, der erste Atemzug, der erste Schrei, und im Gesicht wird aus dem Blau ein zartes Rosa, übrigens bei Jungen und Mädchen gleichermaßen. Ich musste mir auf die Zunge beißen, um nicht zu heulen, und mich selbst daran erinnern, dass ich ja nicht der Vater, sondern der anwesende Medizinstudent war. Vor einer Generation war es noch etwas Besonderes, wenn der Vater bei der Geburt seines Kindes anwesend war. Heute ist es etwas Besonderes, wenn der Vater bei der Zeugung seines Kindes anwesend ist. So ändern sich die Zeiten.
Über die Glücksmomente in der Zeit nach der Geburt wird wenig aufgeschrieben. Nicht, dass es die nicht gäbe: das erste Stillen, das erste Lächeln, der erste Stuhlgang. Das sind alles große Momente, die aber im Gegensatz zur Geburt einer gewissen Gewöhnung bedürfen. So wird der 300. Stuhlgang selten noch vom gleichen Enthusiasmus begleitet, zumindest nicht mehr von Elternseite.
Der Säuglings- und der Pubertätsknick
Dass Kinder glücklich machen, ist eine mächtige Idee. Würden nicht weite Teile der Menschheit so denken, wären wir längst ausgestorben. Laut Studien gibt es im Glück der Paare allerdings keinen Pillen-, sondern im Gegenteil einen Säuglings- und einen Pubertätsknick. Während das Kind in den Windeln liegt, liegt die Beziehung meist im Argen. Und wenn die Kinder flügge werden und drohen, das Haus zu verlassen, versuchen viele Ehepartner, ihnen dabei zuvorzukommen. Frauen würden laut anonymen Befragungen lieber einkaufen, telefonieren oder Zwiebeln schneiden, als auf ihre kleinen Glücksbringer aufzupassen. Aber untereinander bestätigt man sich immer, wie toll es ist und wie viel man ja von den Kindern "zurückbekommt".
Für ein weiteres, vielleicht unterbewertetes Glücksgefühl von Eltern gibt es sogar ein eigenes jiddisches Wort: "Naches". Ein kultur- und generationenübergreifendes Gefühl von Stolz auf den eigenen Nachwuchs, ein Erleben, dass einem die Kinder nicht allein gehören, dass sie ein Geschenk, ein Segen sind, für uns und für die Welt. Was man selbst vielleicht nicht geschafft hat, wird als Aufgabe weitergegeben, ein Teil von einem lebt weiter und im günstigen Fall sogar der bessere Teil. Und diese Freude ist schwer zu beschreiben oder nachzuempfinden. Vielleicht ist ein Witz die beste Erklärung. Eine Mutter wird gefragt: "Wie alt sind denn Ihre Kinder?" - "Der Arzt wird jetzt drei, und der Jurist geht schon in die erste Klasse."
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