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17. März 2010

Glücksbringer: Isst er glücklich mit der Diät?

 Von Eckart von Hirschhausen
Der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen.  Foto: dpa

Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen über Zucker im Blut, unser Neandertalergehirn - und die Meldepflicht der Deutschen bei schlechter Laune.

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Ärzte kennen "Glyk" nur mit Ypsilon. In so poetischen Wörtern wie Glyk-Ämie. Auf Deutsch heißt das "Glück im Blut". Kennt man von Kaffeekränzchen: "Oma, noch ein Stück Zucker?" - "Nee danke, Zucker habe ich selbst!"

Hypoglykämie bedeutet: "Ich bin unterzuckert." Der Glucosegehalt im Blut und das Gefühl Glück hängen eng zusammen. Zucker ist Hirnnahrung, ein Grundbedürfnis, gegen das wir besser nicht verstoßen. Wer unterzuckert ist, hat es schwer, glücklich zu sein. Unser Gehirn verbrennt 100 Gramm Zucker jeden Tag. Sein Gewicht beträgt 3,5 Prozent des gesamten Körpergewichts, dafür verbraucht es aber 20 Prozent der gesamten Energie. Der Kopf ist ein Durchlauferhitzer, das heißt, wenn Energie fehlt, merkt man es in der Birne zuerst.

Das stimmt nicht ganz, man selbst merkt es eigentlich als Letzter. Alle anderen haben es schon zuvor gemerkt. Das Blöde ist nur, wenn der Deutsche kapiert: "Oh, ich habe gerade schlechte Laune", glaubt er, es bestehe Meldepflicht. "Alle, die es noch nicht wissen, muss ich in Kenntnis setzen." Nein! Die Pflicht als Stimmungsprofi besteht darin, sich kurz zu fragen: Habe ich gut für mich gesorgt? Sind die Grundbedürfnisse meines Hirns erfüllt?

Drei- oder Vierkornbrötchen sind zuverlässige Glücksbringer

Die Stimmung von Menschen, die gerade eine Diät machen, ist genau aus diesem Grund oft schlecht. Die verzichten auf das Frühstück, verkneifen sich das Mittagessen und sind am Nachmittag überraschenderweise unausstehlich. Das ist biologisch eigentlich vorhersagbar. Was hilft dann? Nicht diskutieren. Unauffällig einen Schokoriegel in Sichtweite legen und sich rasch entfernen. Nach einer halben Stunde kann man wiederkommen und reden.

Nach einer weiteren Stunde wird es allerdings schon wieder kritisch. Der hohe Zuckeranstieg löst eine starke Gegenreaktion aus. Das Insulin schafft den Zucker aus dem Blut in die Zellen, und so landet er da, wo er uns auf Dauer nicht glücklicher macht - auf den Hüften. Deshalb sind Drei- oder Vierkornbrötchen die zuverlässigeren Glücksbringer - die Energie, die sie liefern, wird langsamer frei.

Essen macht glücklich. Und je fettiger und süßer es ist, desto mehr frohlockt unser Neandertalerhirn, weil es damals höchst selten so kalorienhaltige Speisen gab und wir an diesen Glückstagen vorsorgen konnten für die nächste Hungersnot. Das Problem heute ist, dass in unseren Breiten Hungersnot nicht vorkommt. Und trotzdem speichern wir alles, was wir kriegen können. Denn weil es historisch kaum notwendig war, einen Warnmelder zu entwickeln, der uns davor schützt, zu viel zu essen, spüren wir Hunger und Appetit viel deutlicher als Sättigung.

Übergewichtige haben oft noch weniger Gespür dafür, wann es reicht. In einem Experiment sollten die Teilnehmer eine Suppe essen, bis sie satt waren. Der Trick: Der Teller füllte sich unbemerkt nach, er wurde also nie leer - wie im Schlaraffenland. Den Normalgewichtigen dämmerte irgendwann, dass etwas mit der Füllmenge nicht stimmen konnte, die Dicken bemerkten weder die Füllhöhe des Tellers noch die eigene.

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